Kultur

„Nacht der Jugendkultur“ sorgt für Festival-Feeling

Klaudia (10) probiert sich an der Leinwand aus.  Lehrerin Nicole Winkler und Künstler Alfred Dade geben Tipps. Die Nacht der Jugendkultur fand zum ersten Mal in Duisburg statt.

Klaudia (10) probiert sich an der Leinwand aus. Lehrerin Nicole Winkler und Künstler Alfred Dade geben Tipps. Die Nacht der Jugendkultur fand zum ersten Mal in Duisburg statt.

Foto: Michael Dahlke

Marxloh.   Zur „Nacht der Jugendkultur“ an der Marxloher Herbert-Grillo-Gesamtschule kommenüber 100 Jugendliche. Sie malen, tanzen und rappen.

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Der dunkelgraue Schulhofuntergrund weicht immer mehr kunterbunten Schriftzügen: „World unite“ steht nun da in roter Farbe, „Laura“ in pink oder „47 – mein Zuhause“ prangt im bläulichen Ton auf dem Platz, der mit deutschem Rap von den Beginnern beschallt wird.

Die „Nachtfrequenz 17 – Nacht der Jugendkultur“ macht an der Herbert-Grillo-Gesamtschule in Marxloh Station. „Die Veranstaltung richtet sich an Kinder im Grundschulalter und Jugendliche im Stadtteil. Kultur und Schule gehören zusammen“, erklärt Reinhard Wolf vom Amt für Schulische Bildung, der zusammen mit der Marxloher Gesamtschule das Kulturfestival organisiert und zum ersten Mal nach Duisburg geholt hat. Zahlreiche Workshops und Mitmach-Angebote von Künstlern treffen den Nerv der Teenager.

Koch-Profis aus der 8. Klasse

Und ja, es ist Festival-Atmosphäre auf dem Schulhof, den mehr als 150 junge Menschen füllen: Aus den Bühnenboxen dringt der Sommerhit „Despacito“ zu dem getanzt und mitgesungen wird, einige Kinder malen farbbeschmiert und hochkonzentriert an Staffeleien oder probieren sich mit Beil und Pfeile an Holzkunst aus. Wie Antonio. Der 13-Jährige sägt sich gerade eine Frau zurecht. „An der Taille muss ich nochmal ran“, erklärt er leicht schwitzend, legt sein Beil weg und schnappt sich die Säge. So wie Antonio schuftet, bekommt das Publikum den Eindruck, er könne gleich eine Pause gebrauchen. Die lässt sich perfekt bei der schuleigenen Firma „Back4You“ einlegen. Lehrerin Monika Schrinski hat an diesem Tag mit zwölf jungen Mitarbeitern für das Catering gesorgt. „Wir haben Thunfisch-Schmand-Brötchen, Gemüseschnitten und Hühnchen-Spieße zubereitet“, erzählt Melike Cördük. Die Achtklässlerin hat zusammen mit ihren Arbeitskollegen und Freunden für 100 Personen gebacken, gekocht und gebraten. „Ist aber nichts angebrannt“, versichert sie. Leider seien alle Nutellarollen schon vergriffen, „aber das war ja klar, so wie die schmecken.“

Für den Gourmet-Nachwuchs ist auch schon gesorgt. Samanta aus der Fünften gießt Wasser und Limonade in Gläser ein und kann’s kaum abwarten, selber bei „Back4You“ zu arbeiten. „Das geht aber erst ab der siebten Klasse.“

Geschichten zu Rap verarbeitet

Ein Aktionszelt weiter bietet Mira Grub ein digitales Angebot an. Unter dem Hashtag #verstrickdichmarxloh fotografieren sich die Jugendlichen mit Botschaften an ihren Stadtteil. „Es ist eine moderne Form der Identifikation“, erklärt Mira Grub von der Organisation „Teach first“. Sie unterstützt in diesem Schuljahr die Herbert-Grillo-Gesamtschule mit kulturellen Angeboten.

Ein ebensolches bietet Maliq Möbius mit einem Rap-Workshop. Auf einem beatlastigen Remix von Phil Collins’ „In the air tonight“ rappen und singen Mädchen und Jungen. „Die Jugendlichen können mal ihre Gefühle rauslassen. Das hilft beim Verarbeiten, denn jeder hat seine Geschichten zu erzählen“, sagt Maliq und behält Recht. Als eine der ersten zeigt Celine ihren Text dem Rapper Maliq. „Ihr habt euch getrennt, als ich zwei Jahre alt war, es gab nie eine Person, die für mich da war“, rappt die 15-Jährige ihre ersten Zeilen. „Ich hab’ einfach mal drauf los geschrieben“, erzählt sie. Es hat ihr Spaß gemacht. Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, ihre Texte auf der Bühne zu präsentieren. Celine ist sich noch nicht sicher, aber eines steht für sie fest: „Sowas muss es öfter geben und ich werde öfter rappen.“ Auch die anderen sind von der „Nachtfrequenz“ begeistert.

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