Deutsche Oper am Rhein

Mönche als Strippenzieher auf Duisburger Bühne

„Don Carlo“-Darsteller im Bühnenbild von Alfons Flores, das von der Fassade des Palazzo dei Diamanti in Ferrara inspiriert ist.    

„Don Carlo“-Darsteller im Bühnenbild von Alfons Flores, das von der Fassade des Palazzo dei Diamanti in Ferrara inspiriert ist.  

Foto: Deutsche Oper am Rhein

Duisburg.  Die Duisburger Übernahme-Premiere von Verdis „Don Carlo“ wurde vom Publikum nach dreieinhalb Stunden Spieldauer gefeiert.

16 Jahre sind für ein Repertoiretheater wie die Deutsche Oper am Rhein eine kurze Zeit. So muss man sich fragen, ob von Verdis „Don Carlo“ unbedingt eine Neuinszenierung benötigt wird, hat Christof Loy das Stück doch erst 2000 in der fünfaktigen französischen Originalversion herausgebracht. Guy Josten inszenierte bereits im vergangenen Jahr in Düsseldorf die vieraktige italienische Fassung. Die Duisburger Übernahme-Premiere wird vom Publikum nach dreieinhalb Stunden Spieldauer gefeiert.

Während Christof Loys packende Inszenierung beleuchtet hat, wie eng das Politische und Private in einer diktatorischen Herrscherfamilie zusammenhängt, bleibt Guy Joostens Inszenierung im schönen Schein verhaftet. Die Inszenierung leidet vor allem unter dem Bühnenbild von Alfons Flores, der hier „Die Czardasfürstin“ und „Der Liebestrank“ optisch beeindruckend und inhaltlich schlüssig ausgestattet hatte. Nun hat er einen Raum entworfen, dessen Wände von der Fassade des Palazzo dei Diamanti in Ferrara inspiriert ist.

Diese Wände sehen zwar sehr schick aus und werden von Manfred Voss stimmungsvoll ausgeleuchtet, für ein grausam-erbarmungsloses Stück wie „Don Carlo“ ist dieser Raum aber genau der falsche, denn er gaukelt dem Zuschauer vor, dass diese Diktatur die schönste aller möglichen Bühnenwelten sei. Zudem ist dieses Bühnenbild so beliebig, dass es auch für „Don Giovanni“, „Aida“ oder „Parsifal“ genutzt werden könnte.

Sänger stehen frontal zum Publikum

Die durchscheinenden Wände zeigen zwar, dass hinter jeder Wand die Mönche der Inquisition als Strippenzieher ihre dunklen Geschäfte tätigen. Gleichzeitig sind diese Wände nicht bloß licht-, sondern auch schalldurchlässig, so dass die Stimmen nicht in den Zuschauerraum reflektiert werden. Das führt dazu, dass Regisseur Guy Josten die Sänger an der Rampe platziert, wo sie sich nicht einmal ansingen, sondern meist frontal zum Publikum stehen und so wirken, als würden sie sich nicht für ihre Mitspieler interessieren.

Trotz aller szenischen Schwächen und Hilflosigkeiten dieser Produktion, kann die Rheinoper wieder einmal musikalisch auftrumpfen. Da sind zunächst die Duisburger Philharmoniker zu nennen, die unter Kapellmeister Lukas Beikircher wie auf Hochglanz poliert musizieren. Beikircher arbeitet den speziellen Farbton jeder Szene und Situation sorgfältig heraus. Während die Auftritte der Prinzessin Eboli geradezu funkeln, klingen die Kloster- und Inquisitorszenen düster und bedrohlich. Lediglich in den großen Huldigungsszenen an den Herrscher, betont Beikircher den Pomp so stark, dass man sich fragt, ob er das ernst meint oder diese Pracht als hohlen Schein entlarven will?

Aus dem Ensemble ragen Sarah Ferede und Bodan Baciu heraus. Sie singt die Prinzessin Eboli mit junger und frischer Stimme, die auch über das notwendige Feuer und Dramatik verfügt. Er glänzt mit einem balsamisch weichen und farbenreichen Bariton. Beide Interpreten erhalten schon während der Aufführung viel Beifall und werden beim Schlussapplaus gemeinsam mit Liang Li gefeiert.

>> DREI ROLLEN MIT GÄSTEN BESETZT

Drei Rollen sind in dieser Produktion mit Gästen besetzt: Gianluca Terranova vereint in der Titelpartie ein kerniges Stimmfundament mit kraftvoller Höhe.

Höchst imposant setzt Liang Li seinen Bass als König Philipp ein. Die irische Sopranistin Celine Byrne singt die Königin Elisabeth akkurat und zuverlässig, trotzdem bleibt die Rolle bei ihr aber recht blass und blutarm.

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