Kunst

Michael Sander zeigt „FotoGrafik“ in der Cubus-Kunsthalle

Michael Sander montiert bis zu 80 Einzelfotografien zu einem einzigen großformatigen Bild zusammen.

Michael Sander montiert bis zu 80 Einzelfotografien zu einem einzigen großformatigen Bild zusammen.

Foto: DANIEL ELKE

Während der Ausstellung werden 60 Werke von Sander vorgestellt. Inspiration für seine Bilder findet der Künstler an ganz bestimmten Orten.

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Schon der erste Blick lässt aufmerken: Hier stimmt was nicht! Der Stein im Vordergrund der wildromantischen Landschaft, in die sich eine aquäduktartige Brücke schmiegt, besitzt genauso messerscharfe Konturen, wie der letzte Hügel im Hintergrund; das Wasser am Ruhrwehr strömt in die Fluten eines karibikblauen Flusses, der ansonsten eher schlammig-braun durch sein Bett fließt, und der rote Stein am Ostseestrand leuchtet als sei er von der Sonne beschienen, dabei liegt er gänzlich im Schatten. Diese Bilder sind zu schön, um wahr zu sein.

Das war auch nicht die Absicht von Michael Sander. Der Fotografiker, der rund 60 neue und alte Arbeiten in der Cubus Kunsthalle im Kantpark zeigt, will keine realen Ansichten auf Platte bannen. Ihm liegt daran, Stimmungen wiederzugeben, seine Stimmungen, die beim Anblick dieser Plätze und Orte in ihm entstanden sind.

Einsame Landschaften

Die kann der Betrachter teilen, muss er aber nicht. Sander faszinieren nicht nur die Weite und Erhabenheit einsamer Landschaften, sondern auch die stillgelegten Industrie-Kathedralen der Arbeit und andere verlassene Orte.

Bis zu 80 Fotos, die er in stundenlanger Arbeit aufgenommen hat, montiert er hernach in akribischer Puzzleleistung zu seinen großformatigen Bildern zusammen. So wirkt eine alte Ziegelfabrik in Friesland wie eine antike Zisterne, eine alte Wehranlage in Skandinavien wird zur geheimnisvollen Katakombe und ein Herrensitz in Schottland, das den Ahnen der McDonalds-Gründern gehört, zu einem mystischen Schloss.

Ausgediente Produktionsorte

Geschichtsträchtige Orte sind Sanders Leidenschaft, ebenso wie ausgediente Produktionsstätten. „Erst wird etwas mit viel Herzblut aufgebaut, dann hat es seine Blütephase und dann verfällt es“, sagt er. „Orte, die aus der Zeit gefallen sind, bieten einen Riesenfreiraum für Kino im Kopf.“

Auch in dieser Hinsicht ist Sander vom Ruhrgebiet begeistert, das für ihn gleichermaßen Heimat wie Inspirationsquelle ist. Und er gibt unumwunden zu, ein Industrieromantiker zu sein.

Malweise der Romantiker

Was er zum Teil in früheren Arbeiten zum Ausdruck gebracht hat, indem er sich an der Malweise der Romantiker orientiert hat, die den kleinen Menschen der gewaltigen Natur gegenüber gestellt haben. Anders als bei den Romantikern dreht der Mensch Sander aber nicht dem Betrachter den Rücken zu, um den Blick ins Bild zu ziehen.

In seinen jüngeren Arbeiten hat Sander auf solche „Selfies“ verzichtet. Stattdessen baut er seine Signatur oft als eine Art Graffiti ein, macht seine Werke mit einem Augenzwinkern zu Suchbildern.

Seine neuesten Fotografiken beschäftigen sich mit dem „Sehnsuchtsort des Ruhrgebietlers schlechthin“, wie er die Nordsee nennt. Bilder von Buhnen im Meer, einer Muschel, die auf einem Sandtürmchen thront, einem einsamen Vogel, der seine Bahnen über das Wasser zieht. Und auch das ist von einem unwirklichen Blau. Aber wen kümmert das, wenn der Anblick der Seele gut tut!

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