Razzia

Mafia-Razzia: 4 Tonnen Kokain und 140 Kilo Ecstasy gefunden

Ndrangheta-Mafia ist in Deutschland angekommen

Ndrangheta-Mafia ist in Deutschland angekommen

Duisburg.  Im Kampf gegen die 'Ndrangheta haben über 400 Fahnder 65 Objekte durchsucht und 14 Verdächtige festgenommen. Erfolg für Justiz und Polizei.

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Bei großangelegten Razzien gegen Mitglieder der italienischen Mafiaorganisation 'Ndrangheta in Deutschland und drei weiteren Ländern sind 84 Tatverdächtige festgenommen und bis zu 4000 Kilogramm Kokain sowie 140 Kilogramm Ecstasy-Pillen beschlagnahmt worden.

Das teilte die Europäische Justizbehörde Eurojust am Mittwoch bei einer internationalen Pressekonferenz in Den Haag mit. Allein in Deutschland seien bis zum Beginn der Pressekonferenz gegen Mittag 14 Verdächtige in Gewahrsam genommen worden, erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt von Duisburg, Horst Bien.

International abgestimmte "Operation Pollino"

Insgesamt werde im Rahmen der Operation mit dem Codenamen «Pollino» in Deutschland in einem laufenden Verfahren gegen 47 Beschuldigte ermittelt. Seit Mittwochmorgen seien in der Bundesrepublik 65 verdächtige Objekte durchsucht worden. Bien zufolge wurden vor allem in Nordrhein-Westfalen, aber auch in anderen Bundesländern insgesamt Vermögenswerte in Höhe von rund fünf Millionen Euro vorläufig beschlagnahmt. An den Operationen seien rund 440 Beamte beteiligt, sagte Christian Hoppe, Leitender Kriminaldirektor des Bundeskriminalamtes (BKA). Die Ermittlungen gingen noch weiter.

Eurojust-Vizepräsident Filippo Spiezia bezeichnete die Operation von Deutschland, Italien, den Niederlanden und Belgien als «außerordentlichen Erfolg». Möglich sei dies durch die Bildung eines gemeinsamen grenzüberschreitenden Ermittlerteams gewesen, das seine Arbeit bereits Anfang 2016 aufgenommen habe. Italiens Anti-Mafia-Staatsanwalt Federico Cafiero de Raho wies allerdings darauf hin, dass die 'Ndrangheta weiterhin stark und gefährlich sei: «Wenn wir glauben, wir haben die 'Ndrangheta ausgehoben, dann täuschen wir uns.»

Eisdielen, Bars und Restaurants als Deckmantel für kriminelle Aktivitäten

In der Pressekonferenz erklärte der niederländische Chefermittler, Fred Westerbeke, dass sich die Verhafteten vor allem der Geldwäsche und der Bestechung schuldig gemacht hätten. "Der 'Ndrangheta gehören Eisdielen, Bars und Restaurants, sie dienen als Deckmantel für die kriminellen Aktivitäten der Organisation", sagte Westerbeke.

Federico Cafiero de Raho, der italienische Anti-Mafia-Staatsanwalt, sagte: "Die 'Ndrangheta hat ungeheure Macht und ist ungeheuer stark. Kolumbische und mexikanische Kartelle sehen in der 'Ndrangheta einen gleichwertigen Partner." Die Mafiosi würden nicht mit eigenen Leuten auf den Markt gehen, stattdessen "setzen sie Steuerberater und Anwälte ein, Leute die angesehen sind".

Christian Hoppe, Leitender Kriminaldirektor vom BKA, ergänzte: "Wir haben dem Netzwerk der Mafia ein Netzwerk der Strafverfolgungsbehörden entgegengesetzt. Wir werden das intensiv weiter fortsetzen." Er nannte "Durchstechereien" als ein großes Problem für die Ermittler.

(aka/dpa)

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