Bildung

Lehrer-Verband fordert neue Grundschulen in Duisburg

Für die Einschulung brauchen I-Dötzchen Tornister, Hefte, Stifte - und Kenntnisse der deutschen Sprache, wenn es nach CDU-Politiker Carsten Linnemann geht.

Für die Einschulung brauchen I-Dötzchen Tornister, Hefte, Stifte - und Kenntnisse der deutschen Sprache, wenn es nach CDU-Politiker Carsten Linnemann geht.

Foto: Ulla Michels / WAZ FotoPool

Duisburg.  Lehrer-Verband Duisburg: Mit neuen Grundschulen, kleineren Klassen, mehr Personal könnten Sprachdefizite von Grundschülern bekämpft werden.

Die Debatte, die durch das falsch zitierte Statement von Carsten Linnemann seit einer Woche bundesweit geführt wird, findet Michael Fuchs gut. Um grundsätzlich die Situation im Schuleingangsbereich an Grundschulen zu verbessern, denkt der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung in Duisburg natürlich nicht an eine „Vorschulpflicht“. Er hat einen klaren Wunschzettel: Es brauche kleinere Klassen mit maximal 15 Kindern, unbefristet beschäftigten Sozialarbeitern, Sonderpädagogen für die Inklusion sowie sozialpädagogische Fachkräfte für die Schuleingangsphase und ausgebildete Grundschullehrer. Mit diesem Viergestirn sei viel möglich.

Aber auch vor dem Eintritt in die Schule gebe es Veränderungspotenzial, etwa durch die Einführung einer zweijährigen Kita-Pflicht sowie durch Fachkräfte für den Spracherwerb in den Einrichtungen.

Grundschulen im Duisburger Norden: Viele Kinder mit Migrationshintergrund

Fuchs muss es wissen, er arbeitet seit Anfang der 90er Jahre an einer Grundschule in Bruckhausen, die aktuell einen Migrationsanteil von 98 Prozent hat. Für diese Kinder sei es problematisch, dass in den eigenen Familien nicht viel deutsch gesprochen werde und in den Klassen keine oder nur wenige Sprachvorbilder zu finden seien.

Auf Klassenfahrten merke er im Umgang mit Kindern aus anderen Städten, dass seine Schüler trotz aller Bemühungen sprachlich nicht so weit entwickelt seien wie diese.

Schulraum im Duisburger Norden ist knapp

Gerade im Duisburger Norden sei der Schulraum knapp, die Förderung einzelner Schüler finde teilweise auf dem Schulflur statt. Dabei sei der Bedarf groß, „manches Kind hat nie ein Blatt zum Malen gehabt, nie einen Stift gehalten“, beschreibt Fuchs. Die Not werde größer, weil die Zahl der Grundschulkinder bis 2024 um zehn Prozent steige. An separate Kunst-, Musik-, PC-Räume sei gar nicht zu denken. „Es wird über zwei neue Gesamtschulen diskutiert, aber wir brauchen auch neue Grundschulen, zumal einige der vorhandenen in einem maroden Zustand und sehr beengt sind“, klagt der Vorsitzende und sieht auch die Landesregierung in der Pflicht.

Auch der Lehrermangel sei problematisch. Fuchs betont, dass die offenen Stellen an Grundschulen erst im September ins Netz gehen und die Schulen aktuell keinen Einfluss darauf hätten - anders als es in der Vorwoche ein Ministeriumssprecher erklärt hatte. „Jeder Schulleiter, der eine Chance auf einen neuen Kollegen, hat, würde seine Ferien dafür unterbrechen“, ist Fuchs sicher. Sinnvoll findet er das Angebot von Bildungsdezernent Krützberg, Referendaren bei der Wohnungssuche zu helfen und die ersten drei Monate mietfrei zu gestalten“, lobt der Stadtverbandsvorsitzende.

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