Evangelische Kirche

Kirche in Duisburg: Was Kurt Beck als Festredner forderte

Der ehemalige SPD-Bundesvorsitzende Kurt Beck hielt die Festrede beim Neujahrsempfang des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg in der Salvatorkirche.

Der ehemalige SPD-Bundesvorsitzende Kurt Beck hielt die Festrede beim Neujahrsempfang des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg in der Salvatorkirche.

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Den Beginn des neuen Kirchenjahres hat der evangelische Kirchenkreis in Duisburg gefeiert. Was Kurt Beck in seiner Festrede forderte.

Den Beginn des neuen Kirchenjahres hat der evangelische Kirchenkreis in Duisburg am Vorabend des ersten Advents in der Salvatorkirche gefeiert. Kurt Beck, der ehemalige SPD-Bundesvorsitzende, forderte als Festredner beim Neujahrsempfang Maßnahmen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, die nicht jedem gefielen.

Früh dran ist die evangelische Kirche in Duisburg traditionell mit ihrem festlichen Empfang zum neuen Jahr, denn aus christlicher Sicht endet das alte Kirchenjahr mit dem Totengedenken am Ewigkeitssonntag und das neue beginnt mit dem ersten Advent. Zu diesem Anlass begrüßte der Superintendent Armin Schneider 250 geladene Gäste aus der Politik und der Verwaltung, aus den anderen Religionsgemeinschaften in Duisburg und aus den eigenen Diensten und Einrichtungen in der alten Stadtkirche neben dem Rathaus.

Kurt Beck als Festredner in Duisburg

Über das Verhältnis von Staat und Kirche sollte Kurt Beck sprechen, der nach langen Jahren als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz 2013 und als ehemaliger SPD-Bundesvorsitzender seine politischen Ämter aus gesundheitlichen Gründen niederlegte.

Zuvor räumte Schneider ein, dass die Kirchen sich im 20. Jahrhundert zu lange schwergetan hätten, den Wert einer freiheitlichen Demokratie zu erkennen: „Die evangelische Kirche hat, wie andere auch, nicht genug getan, um die Weimarer Republik zu verteidigen, ihre Verstrickung in den Nationalsozialismus lässt sich nicht leugnen“, sagte er.

Die christlich-jüdischen Wurzeln

Beck wies darauf hin, dass das Grundgesetz der Bundesrepublik stark von seinen christlich-jüdischen Wurzeln geprägt sei. Der Staat sei kein Obrigkeitsstaat mehr, der nur von seinen Bürgern nehme, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. „Aber braucht der Staat nicht einen angemessenen Anteil, um Kindergärten, Schulen und Pflegeeinrichtungen anständig ausstatten zu können?“ fragte er seine Zuhörer. Er sah die Balance in Gefahr, wenn „ein Prozent der Bevölkerung über mehr als 86 Prozent der Vermögenswerte verfügt, während 20 Prozent der Menschen verschuldet sind“.

Der Staat, genau wie die Kirchen, brauche eine vernünftige Finanzierungsgrundlage, wenn sie ihre Aufgaben weiter erfüllen sollen. Darüber müsse man gerade in Zeiten nachdenken, in denen der Zuspruch zu kirchlichen Angeboten nicht mehr so groß sei wie früher, betonte Beck, der über sein Engagement in der katholischen Arbeiterjugend zur Politik kam.

Wo eine Polizeibeamtin und ein Krankenpfleger mit ihrem Einkommen unter die Armutsgrenze rutschten, nur um sich eine einigermaßen anständige Wohnung leisten zu können, da sei der gesellschaftliche Zusammenhalt in Gefahr, befand er. Die Duisburger Polizeipräsidentin, die in der ersten Reihe saß, teilte diese Ansicht und nickte dazu.

Das Maß an sozialer Kaltschnäuzigkeit

Beck stolpert nach eigenen Angaben über das Maß an sozialer Kaltschnäuzigkeit, wenn jetzt laut gesagt werde, dass die neu beschlossene Grundrente angeblich das System überfordert. „350 Euro mehr Rente für die Friseurin, die 35 Jahre lang Beiträge bezahlt hat, das muss doch drin sein“, fand er. „Dass die Bürger mit ihren Steuern die ganzen Segnungen am Ende aber alle selber bezahlen müssen, das hat er nicht dazu gesagt“, grollte ein Zuhörer nach Becks Rede.

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