Universität Duisburg-Essen

Joachim Gauck redet in Duisburg als Mercator-Professor

Joachim Gauck (l.) wurde begrüßt von Uni-Rektor Prof. Dr. Ulrich Radtke (r.), der dem Alt-Bundespräsidenten die Urkunde für die Übernahme der Mercator-Professur überreichte.

Joachim Gauck (l.) wurde begrüßt von Uni-Rektor Prof. Dr. Ulrich Radtke (r.), der dem Alt-Bundespräsidenten die Urkunde für die Übernahme der Mercator-Professur überreichte.

Foto: Christoph Wojtyczka

Duisburg.   Alt-Bundespräsident Joachim Gauck hat an der Universität Duisburg-Essen (UDE) seine Rede zur Mercator-Professur in Duisburg gehalten.

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Über Alexander von Humboldt schlug Joachim Gauck den Bogen zu Gerhard Mercator. Die Weltkarte des Duisburger Gelehrten ermöglichte dem Weltreisenden erst seine Expeditionen. Mit einem Zitat des großen Forschers wurde der Alt-Bundespräsident bei seiner Vorlesung anlässlich der Mercator-Professur dann gleich politisch: „Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.“ Wie wir wurden was wir sind – es war das Thema der Rede, bei der Gauck sein Publikum mitnahm auf den hundertjährigen deutschen Weg zum „Staat der Bürger“, zu den Wurzeln unserer Demokratie.

Von der Weimarer Republik, ausgehöhlt von den Feinden ihrer Verfassung, kam Joachim Gauck auf die aktuelle Renaissance der Populisten. Er sehe Gefahren für unsere heutige Demokratie, aber: „Die politischen Kontroversen sind noch lange nicht mit denen der Weimarer Zeit vergleichbar.“ Die liberale Demokratie müsse sich nicht neu erfinden, meint der 78-Jährige: „Aber es ist notwendig, dass sich mehr Bürger dafür einsetzen und sie entschieden verteidigen.“ Diese Lehre der Weimarer Republik erfordere besondere Wachsamkeit: „Demokratien haben den Nachteil, dass sie sich eigenständig und demokratisch, ganz ohne Gewalt, auch abschaffen können.“

Größtes Wunder der europäischen Geschichte

Nach Verbrechen unvorstellbaren Ausmaßes, für die Deutsche verantwortlich waren, seien für ihn die Verständigung nach dem 2. Weltkrieg „eines der größten Wunder der europäischen Geschichte“, sagte Gauck: „Es war einfach unverdientes Glück, dass wir nur dankbar annehmen konnten.“

Die anfängliche Verdrängung der eigenen Schuld hätten erst die 68er überwunden, indem sie die historische Schuld ins kollektive Bewusstsein rückten. Deren Aufarbeitung sei nicht nur richtungweisend für die DDR-Geschichte nach 1989 gewesen, so der einstige Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde, sondern „auch für andere Gesellschaften, die ein totalitäres Joch abgeschüttelt haben“.

Feinde der Demokratie mit Argumenten stellen

Die Feinde einer liberalen Gesellschaft, die heute wieder Raum gewinnen, empfiehlt Gauck mit Argumenten zu stellen: „Eine voreilige moralische Verurteilung ist schädlich für die Debatte mit denen, die Demokratie verachten.“

Nach der Vereinnahmung des Rufes der friedlichen 89er-Revolution „Wir sind das Volk“ durch Pegida-Demonstranten wurde der Gast in der knapp einstündigen Diskussion nach seiner Rede gefragt. Klare Kante von Joachim Gauck auch hier: „Die Aneignung durch eine politische Subkultur ist ein peinlicher politischer Trick, mit dem ich natürlich nicht einverstanden bin.“

Im Gegensatz zu den Menschen in der DDR, die sich damit 1989 gegen die Diktatur eines Unrechtsstaates für die Souveränität des Volkes demonstrierten, „protestieren diese Leute gegen ein Volk, das eine Regierung aus seiner Mitte gewählt hat“, sagte Joachim Gauck.

Dritter Alt-Präsident mit Mercator-Professur

Schon 2012 hatte die Universität Joachim Gauck eingeladen, die Wahl zum Bundespräsidenten kam dazwischen. Nach Richard von Weizsäcker und Christian Wulff ist Gauck der dritte Alt-Bundespräsident, der die Mercator-Professur übernimmt.

In seiner Laudatio zitierte Uni-Rektor Ulrich Radtke aus Gaucks Erinnerungen „Winter im Sommer - Frühling im Herbst“. „Ich könnte nochmal vorbeikommen, um daraus vorzulesen“, bot der Autor eine baldige Rückkehr nach Duisburg an.

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