Baukindergeld

Hunderte Anträge für Baukindergeld in Duisburg gestellt

Henri, Daniela , Raphael und Marco Zumpe haben eine Wohnung in der Styrumer Straße in Duisburg gekauft. Mit dem Baukindergeld finanzieren sie jetzt ihre Renovierungsarbeiten.

Henri, Daniela , Raphael und Marco Zumpe haben eine Wohnung in der Styrumer Straße in Duisburg gekauft. Mit dem Baukindergeld finanzieren sie jetzt ihre Renovierungsarbeiten.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Über acht Millionen Euro Baukindergeld sind schon nach Duisburg geflossen. Fast 400 Familien profitierten beim Hauskauf. Wie das funktioniert:

12.000 Euro schießt der Staat aktuell für jedes Kind dazu, wenn deren Eltern sich Eigentum anschaffen wollen. Baukindergeld heißt das und jeder vierte Antrag für diese Finanzspritze kommt aus NRW.

In Duisburg hat die KfW Bankengruppe 2018 genau 254 Anträge aus Duisburg mit einem Fördervolumen von 5,3 Millionen Euro bewilligt. Im ersten Quartal 2019 waren es bereits 133 Anträge und insgesamt 2,8 Millionen Euro.

Familie Symons und Familie Zumpe gehören dazu. Sie haben sich Eigentumswohnungen gekauft und bekommen jetzt zehn Jahre lang jährlich die staatliche Unterstützung. Bei den Symons sind es dank Töchterchen Mia-Marie (9) 12.000 Euro, bei den Zumpes spülen Raphael (8) und Henry (2) 24.000 Euro in die Kasse.

Kaufentscheidung wurde vom Baukindergeld nicht beeinflusst

Die Kaufentscheidung wurde bei beiden Familien vom Baukindergeld nicht beeinflusst. „Das wäre sonst auch arg knapp kalkuliert“, findet Marco Zumpe. Für den 38-Jährigen ist aber klar, dass die Finanzspritze nicht für den Urlaub draufgeht, sondern in die Immobilie fließt. „Vom ersten Geld haben wir den Boden in Küche und Flur renoviert, nächstes Jahr sind die Türen dran, nach und nach werden wir Fenster und die Elektrik auf Stand bringen“, beschreibt der Personaldienstleister den Plan.

Für Familie Symons steht die Tilgung des Kredits im Vordergrund. Sie wollen das Geld weitgehend zurücklegen „und höchstens mal davon lecker essen gehen“, um in zehn Jahren eine Sondertilgung vornehmen zu können. „Wir haben das Geld für die Wohnung bekommen, dann stecken wir es auch da rein“, sagt Madeleine Symons (36).

Mittel können nur digital beantragt werden

Als Hürde empfinden alle die ausschließlich digitale Beantragung der Mittel. Wer technisch nicht affin sei, könne scheitern, glaubt Marco Zumpe. Steve Symons nennt den Antrag „eine Tortur“. Viel mehr Nerven kostete die Familien aber die eigentliche Suche nach Immobilien. „Eigentumswohnungen kosten inzwischen so viel wie früher Reihenhäuser“, beobachtet Symons. Er landete mit seiner Frau am Ende einen Glücksgriff: „Wir haben unserem Vermieter unsere Wohnung in Neudorf abgekauft, weil die perfekt ist.“ So gab es nicht mal Stress mit dem Umzug.

Die Zumpes haben anderthalb Jahre nach ihrem Wohnglück gesucht, auch in Oberhausen. „Zu manchen Besichtigungen kamen die Interessenten mit Taschen voller Bargeld, um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen“, erzählen die beiden sichtlich irritiert. Jetzt wohnen sie an der Stadtgrenze und sind sichtlich zufrieden. „Die Styrumer Straße ist natürlich nicht so toll, aber hinten raus haben wir einen Garten und am Zaun stehen die Schafe vom Nachbarn.“ Großstadt-Idylle.

Baukindergeld auch für Familien mit höherem Einkommen

Ob das Baukindergeld losgelöst vom persönlichen Vorteil politisch sinnvoll ist, beantworten beide Familien mit einem „Ja, aber“. Kinder kosten halt und die Unterstützung „nehmen wir dankbar an“, sagt Madeleine Symons. Familie Zumpe fragt sich allerdings, ob eine Familie mit zwei Kindern dieser Unterstützung bedarf, wenn sie 105.000 Euro im Jahr verdienen dürfte, um noch leistungsberechtigt zu sein.

Der kritische Part beim Erwerb sei für viele eher die Finanzierung der Nebenkosten gewesen, weil dafür oft kein Kredit gewährt werde. Für Grunderwerbssteuer, Notar und anderes kamen bei Zumpes fast 14.000 Euro zusammen. Da wäre die Finanzspritze ein Segen, die eben leider erst nach dem Kauf kommt.

Lebensstil spielt bei der Immobilienfinanzierung auch eine Rolle

Jennifer Rissewyck, Immobilienfinanzierungs-Beraterin bei der Sparkasse, macht mit ihren Kunden eine Ein- und Ausgabenrechnung, klärt den Lebensstil und die Erwartungen, um am Ende klar sagen zu können, welche Rate im Monat möglich ist und was man sich damit leisten kann. „Wenn die Kunden vom Baukindergeld erfahren, ist die Freude natürlich groß. Aber beantragt werden kann es erst nach dem Kauf.“

Sie informiert standardmäßig auch über die Risiken, die sich beim Immobilienerwerb etwa durch Krankheit, Arbeitslosigkeit ergeben können und bietet entsprechende Absicherungen an. Die meisten Anfragen zur Finanzierung bei Bestandskunden kämen wegen Scheidungen, sagt Pressesprecher Andreas Vanek. Der Anteil der Zwangsversteigerungen sei aber minimal.

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