Stahlindustrie

HKM in Duisburg feuert am Wochenende erneuerten Hochofen an

Die Kräne haben ihre Arbeit getan, die neuen Teile des Hochofen B glänzen in der Wintersonne.

Die Kräne haben ihre Arbeit getan, die neuen Teile des Hochofen B glänzen in der Wintersonne.

Foto: Tanja Pickartz/ HKM

Duisburg.  Hochofen B der Hüttenwerke Krupp-Mannesmann wird nach Neuzustellung angeblasen. Rund ums Werk kann es am Wochenende nach brennendem Holz riechen.

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123 Tage Arbeit aller Beteiligten unter Volllast, 120 Millionen Euro Investition – am Samstag wird der Hochofen B der Hüttenwerke Krupp-Mannesmann angeblasen, ist die Duisburger Hochofenfamilie nach der umfassenden Neuzustellung wieder komplett.

16 Jahre lang dauerte die letzte „Ofenreise“, und so lange soll der neuzugestellte Hochofen wieder Roheisen liefern, gerne auch länger, erwartet Hochofen-Chef Jürgen Gertz. Auch deshalb ist man bei der Wiederinbetriebnahme ganz behutsam.

Schon um die Ausmauerung nicht zu beschädigen. Der Stahlmantel des Ofens wird im Inneren von Kohlenstoffsteinen geschützt, die ohne Mörtel gesetzt wurden und daher schonend mit steigender Hitze konfrontiert werden. Davor sitzt als weitere Schutz eine Keramikschicht, eine Weiterentwicklung gegenüber der früheren Ausmauerung.

Auf der Baustelle herrscht am Freitagnachmittag Endspurt-Stimmung, überall wird noch gearbeitet, ein Kran-Großaufgebot sorgt für letzten Materialnachschub, während auf den Zuwegen zum Hochofen von Radladern und Lkw Holz herangekarrt wird. Anmachholz. „Das ist wie zu Hause im Ofen. Nur mehr“, lacht Gertz. 300 bis 400 Kubikmeter Holz werden benötigt, um den unteren Teil des 26 Meter hohen Aggregats zu füllen. Ein Kran hievt die Behälter mit Brennmaterial an die Ofenspitze, von dort wird befüllt. In der Nacht zu Samstag kommt dann Koks dazu und Schlackenbildner, damit die Schlacke beim ersten Abstich flüssig genug ist. Schließlich kommt das erste Erz in den Ofen, als Pellets und Sinter.

Beim Anfeuern des Hochofens kann es rund um HKM nach brennendem Holz riechen

Und dann wird angeblasen – und zwar kräftig. 1100 Grad heiße Luft wird über 30 Blasformen aus den Winderhitzern in den Ofen gepustet, die Holz und Koks entzündet. Für die ersten Stunden bleiben die Stichlöcher an der Ofenbasis und der Ofenhut an der Spitze offen, um die Sauerstoffversorgung zu sichern. Die mögliche Folge: Es kann am Wochenende rund um HKM etwas nach brennendem Holz riechen. Die Behörden sind informiert.

Parallel zu den Vorbereitungen fürs Anblasen laufen Überprüfungen an diversen Stellen des Hochofens, der in erheblichem Umfang erneuert wurde. Die Ausmauerung des Ofens war ein wesentlicher Bestandteil der Arbeiten, aber es wurde auch die Gasreinigung komplett erneuert und die Gießhallen-Entstaubung gemäß neuesten Grenzwerten erweitert. Das heißt: Die Modernisierung des Hochofens ist auch eine Investition in den Umweltschutz. „Wir haben mehr gemacht, als wir uns vorgenommen haben“, sagt Gertz zum Umfang der Arbeiten in den letzten 123 Tagen. Erst bei den Demontagen an etlichen Stellen des Ofens sei der gesamte Erneuerungsbedarf zu erkennen gewesen. 123 statt der kalkulierten 100 Tage habe man unter anderem gebraucht, weil eine „Ofensau“ für Mehrarbeit sorgte: knapp 400 Tonnen festes Eisen am erkaltenden Ofenboden, das mit Sauerstoff- und Propanlanzen zerkleinert werden musste.

Anheiz-Phase dauert bis zu 36 Stunden

24 bis 36 Stunden wird die erste Phase des Anheizens dauern, bevor zum ersten Mal abgestochen wird. „Das wird nur Schlacke sein“, erwartet Gertz. Das erste Eisen wird erfahrungsgemäß wegen zu hohem Siliziumgehalt nicht zu gebrauchen sein, doch die Qualität wird zunehmen. Nach drei bis vier Tagen rechnet man bei HKM bereits mit 2500 Tonnen Roheisen am Tag, ab Ende März soll mit 7500 Tonnen täglich die normale Produktionsmenge erreicht sein.

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