Stahlindustrie

HKM-Werk in Duisburg reagiert mit Sparkurs auf Stahlkrise

Schwierige Phase: Die Hüttenwerke Krupp-Mannesmann müssen sparen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Am oberen Bildrand das TKS-Grobblechwerk.

Schwierige Phase: Die Hüttenwerke Krupp-Mannesmann müssen sparen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Am oberen Bildrand das TKS-Grobblechwerk.

Foto: Luftbild: Hans Blossey / www.blossey.eu

Duisburg.  Die Hüttenwerke Krupp-Mannesmann (HKM) reagieren mit einem Einstellungs- und Ausgabenstopp auf die Stahl- und Thyssenkrupp-Krise.

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Auf die Krise der Stahlindustrie reagieren die Hüttenwerke Krupp-Mannesmann (HKM) mit einem strikten Sparkurs. Neben einem Einstellungsstopp hat die Geschäftsführung der Huckinger Hütte einen Ausgabenstopp verhängt, um sofort ihre Kosten zu senken. „Wir müssen möglichst viele Millionen Euro Einsparpotenzial generieren, um wettbewerbsfähig zu sein“, sagt Geschäftsführer Dr. Herbert Eichelkraut, „die Lage bleibt auf der Verbrauchs- und auf der Preisseite schwierig“.

Gesellschafter in schwierigem Fahrwasser

Das schwierige Fahrwasser, in dem sich die HKM-Gesellschafter Thyssenkrupp, Salzgitter und Vallourec befinden, wird auch die Huckinger treffen. Sie liefern das Vormaterial für die Weiterverarbeitung. So kommen etwa 90 Prozent des Stahls für das TKS-Grobblechwerk in der Nachbarschaft aus den beiden Hochöfen der HKM.

Auf die Zukunft des Standorts blickt die Belegschaft deshalb mit Sorge. „Das sind starke Abnehmer von uns“, sagt Eichelkraut. Mit Überlegungen des Thyssenkrupp-Betriebsrats, das Grobblech-Werk den HKM zuzuschlagen und bei der Sanierung die anderen Gesellschafter mit ins Boot zu holen, müssen sich zunächst die Eigentümer beschäftigen. Tendenz: Bei der Suche nach einer übergreifenden Lösung beim Grobblech ist die HKM wohl nicht der richtige Partner, um die damit verbundenen Risiken zu schultern.

Auch die Fragezeichen hinter der Zukunft des TKS-Warmbandwerks in Bochum könnte Auswirkungen auf die HKM haben. Eine Verlagerung der Produktion in den Duisburger Norden – sie würde wohl den Bau einer neuen Stranggießanlage erfordern – könnte zumindest vorübergehend zu niedrigeren Bestellmengen führen.

Auch deshalb erwartet die HKM-Geschäftsführung mit Spannung die Entscheidungen, die der Thyssenkrupp-Vorstand für das Ende des ersten Quartals 2020 angekündigt hat.

Rote Zahlen im vergangenen Jahr

Nach roten Zahlen im vergangenen Jahr gelte es nun, durch einen strikten Sparkurs als Vormaterial-Lieferant weiter attraktiv zu bleiben, betont die HKM-Geschäftsführung. Eichelkraut: „Wir müssen bei den Brammenpreisen wettbewerbsfähig bleiben, sonst wird unsere Situation noch schwieriger.“ Durch Kürzungen in allen Budgets und bei den Fremddienstleistungen habe man bereits „signifikante Senkungen“ erzielen können.

Getragen sind diese kurzfristigen Maßnahmen von der Hoffnung, dass sich die Stahlkonjunktur im zweiten Halbjahr 2020 erholt und die erzeugte Jahresmenge der HKM in diesem Jahr die 4,2 Millionen Tonnen nicht unterschreitet.

Doch auch für eine Verschärfung der Krise will die Geschäftsführung die Hütte durch Gespräche mit dem Betriebsrat und der IG Metall vorbereiten. „Derzeit gehen wir von 4,2 Millionen Tonnen aus“, so Eichelkraut, „aber wir brauchen eine strukturelle Idee für den Umgang mit schwankenden Mengen, um noch mehr Flexibilität für den Standort zu erreichen.“

Gespräche mit Betriebsrat und Gewerkschaft

Die Geschäftsführung sehe deshalb die Notwendigkeit, vorsorglich über eine Strategie zu sprechen. „Da darf es keine Tabus geben“, sagt Arbeitsdirektor Carsten Laakmann, „wir können uns damit nicht erst dann beschäftigen, wenn die Lage es erfordert.“

Es sei Ziel der Geschäftsführung, in den Verhandlungen den Schulterschluss mit der Belegschaft zu üben, der die HKM schon vor zehn Jahren durch ein tiefes wirtschaftliches Tal brachte, betont Herbert Eichelkraut: „Die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat war immer beispielhaft.“

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