Kunst

Graubner und Grosse: Duisburger Küppersmühle im Farbrausch

Ruhrgebietskind Katharina Grosse, die inzwischen in Berlin und Neuseeland lebt, im Museum Küppersmühle am Duisburger Innenhafen.

Ruhrgebietskind Katharina Grosse, die inzwischen in Berlin und Neuseeland lebt, im Museum Küppersmühle am Duisburger Innenhafen.

Foto: Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Die Ausstellung „Farbe absolut“ bringt die Malersprachen von Gotthard Graubner und Katharina Grosse zusammen. Er war ihr Lehrer in Düsseldorf.

16,90 Meter breit, 8 Meter hoch – ein solches Bildformat muss man erstmal bewältigen. Wie Katharina Grosse das schafft? „Mit Leichtigkeit“, sagt die Künstlerin, die zwar 1961 in Freiburg geboren wurde, aber in Bochum aufwuchs. In der Ausstellung „Farbe absolut“ im Duisburger Museum Küppersmühle treffen ihre Bilder zum ersten Mal auf die von Gotthard Graubner (1930-2013).

Katharina Grosse, die zunächst bei Norbert Tadeusz in Münster und dann bei Graubner in Düsseldorf studiert hat, folgte ihrem Lehrer als Professorin von 2010 bis 2018 in Düsseldorf und lehrte sogar im gleichen Raum wie er. Das große Thema beider Künstler ist die Farbe. Und damit enden die Gemeinsamkeiten. Die Ausstellung zeigt zwei Herangehensweisen an die nicht-gegenständliche Malerei, die trotz oder wegen der Unterschiedlichkeit eine immense Kraft ausstrahlen.

Zyklus „Sonnengesang“ ist inspiriert von Franz von Assisi

Dabei sind Graubners Bilder die in sich gekehrten, meditativen. Von seinen berühmten Kissenbildern, für die er die Leinwand dick mit synthetischer Watte auspolsterte und sie so körperhaft in den Raum ragen lässt, ist in der Küppersmühle nach vielen Jahren auch der vierteilige Assisi-Zyklus aus der Sammlung Ströher zu sehen. Vier „Farbraumkörper“, die mit 3,60 mal 2,80 Metern und 15 Zentimeter Tiefe auch sehr eindrucksvolle Gegenüber sind, vier Farbklänge, die fast monochrom wirken, es aber nicht sind.

Inspiriert vom Sonnengesang, einem Gebet von heiligen Franziskus, dem „Troubadour aus Assisi“, hat Graubner ihn 1986 in Farben gefasst. Er durchtränkt die Leinwand, legt er viele Farbschichten auch lasierend übereinander. Der gelb dominierte Farbklang heißt „Sonnengesang“, zarte Pastelltöne in blau-rosa Winterhimmelfarben sind die „Vögel“, grün und schattig schimmert die „Quelle“, violett bis schwarz der „Traum“. Feine Farbnuancen, in die man hineingesogen wird und sich verlieren kann.

Sprühpistole und Industriefarben

Katharina Grosse mag ihre Bilder „mit Leichtigkeit“ bewältigen, vergleicht ihre Arbeitsweise mit dem Kritzeln auf Papier. Sie aber kritzelt nicht, sie arbeitet mit eine kompressorgetriebenen Sprühpistole und industriellen Farben, die tropfen, fließen und einander nebelhaft überlappen, sie vermitteln die Schnelligkeit der Bewegung, die weißen Stellen zeigen die scharfen Konturen der Schablonen, die Katharina Grosse auflegt. Es ist ein mal wildes, mal zartes Mit- und Gegeneinander, im Moment entstanden, und alles kommt gleichzeitig an. Das muss man erstmal erfassen.

Acht Meter lange Stoffbahnen

Die größte Arbeit, die aus mehreren Stoffbahnen bestehen, hängt an der 5,40 Meter hohen Wand des größten Ausstellungsraums und liegt noch 2,60 Meter auf dem Boden wie ein riesiger Vorhang. Der aber nicht verbirgt, sondern auch die Hinterseite des Bildes zugänglich macht und so zu einem eigenen Bild wird. Denn auch hier haben die Farben die transparent wirkende Leinwand getränkt. Gotthard Graubner habe sein Mal-Geheimnis versteckt, „ich lagere die Geheimnisse des Bildes aus“, sagt Katharina Grosse.

„Man kann hinter das Bild gehen, das hat es noch nie in der Geschichte gegeben“, sagt Kuratorin Eva Schmidt. Katharina Grosse habe die Malerei „radikal erweitert“. Zwei unterschiedliche Standpunkte, die in 55 Arbeiten aufeinander treffen. Zwei ganz unterschiedliche Sprachen, die aber immer wieder Anknüpfungspunkt für das Thema finden, das beide bewegt: Farbe.

Und ein Thema, das nicht nur Duisburg bewegt, schnitt Museumschef Walter Smerling dann auch noch an: Der Erweiterungsbau des Museums Küppersmühle soll im Oktober 2020 eröffnet werden.

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