Konzert zum Saisonauftakt

Feucht, aber fröhlich: 3000 harren aus beim Klassik Open Air

Wer noch keine Gänsehaut hatte, bekam sie spätestens beim Feuerwerk, das zu „Back in the U.S.S.R.“ gezündet wurde.

Wer noch keine Gänsehaut hatte, bekam sie spätestens beim Feuerwerk, das zu „Back in the U.S.S.R.“ gezündet wurde.

Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.   Musikliebhaber trotzten vor dem Theater 15 Grad und Dauerregen vor dem Theater. Diesmal war der Abend zum Saisonauftakt etwas schneller um.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Feucht, aber fröhlich: Nahezu ununterbrochen hat es am Freitagabend geregnet beim 3. Haniel Klassik Open Air auf dem Opernplatz. Doch weder die Musiker noch das Publikum ließen sich die Stimmung vermiesen. Mit großzüigig geschätzten 3000 Musikliebhabern blieb der Besucherzuspruch diesmal allerdings weit unter denen der ersten beiden Klassik-Open-Air-Veranstaltungen, die jeweils etwa 7000 Besucher angezogen hatten. Aber die, die dabei waren, blieben aufmerksame Zuhörer bis zum Schluss.

Während das Publikum unter von Haniel spendierten Regencapes ausharrte, hatten die Cellisten der Duisburger Philharmoniker ihre Instrumente so weit wie möglich in Plastikfolie eingewickelt. Oberbürgermeister Sören Link, dessen Auftritt im Regencape von Lachern begleitet war, parierte schlagfertig: „Lachense ruhig, Sie sehen auch nicht viel bessser aus.“ Und Haniel-Vorstandsvorsitzender Stephan Gemkow versprach einen „unvergesslichen Abend in der lebendigsten Stadt des Ruhrgebiets“.

Damit machte er erstmal mehr Punkte beim Publikum als Moderator Götz Alsmann, der anfangs einmal „Düsseldorf“ statt „Duisburg“ sagte – und Buhs hörte. Aber mit seinem unvergleichlich frechen Charme und seinem Spaß am Blödsinn („Willkommen zum Treffen des Duisburger Ku-Klux-Klans“, scherzte er über die weißen Plastik-Zipfelmützen) holte er die Duisburger sofort auf seine Seite. Das Publikum weiß ja inzwischen, was es antworten muss, wenn die Rede auf Verdi kommt: „Das ist Italien!“. Diesmal wurde sogar gemeinsam ein Gedicht aufgesagt.

Rock-Gitarrist Viktor Smolski spielt Bach

Mit Blick auf das scheußliche Wetter fasste Alsmann sich für seine Verhältnisse kurz, und auch das Musikprogramm wurde zusammen gestrichen, bestach aber mit feurigen Verdi-Klängen, mitreißenden Chören und fantastischen Sängern; auch Rheinopern-GMD Axel Kober drehte mit hohen Tempi an der Uhr. Beim Verdi-Block zu Beginn überwürzte Gianluca Terranova die Arie des Manrico aus dem „Troubadour“ allerdings mit italienischem Temperament. Neben Ramona Zaharia, Luiza Fatyol, Bogdan Baciu und Boris Statsenko setzte Elena Sancho Pereg mit ihren wunderbaren, mühelos klingenden Koloraturen in der Arie der Philine aus „Mignon“ von Ambroise Thomas einen Höhepunkt. Mit Walzer und Schlusszene aus Tschaikowskys „Eugen Onegin“ ging es dann in russische Gefilde. Und mit den irrwitzig schnellen Polowetzer Tänzen aus Borodins „Fürst Igor“ wurde es dann folkloristisch, bevor ein Schostakowitsch-Walzer zum Auftritt des weißrussischen Rock-Gitarristen Viktor Smolski überleitete. Der „Schwermetaller“ zeigte sich in einer Bach-Bourrée von seiner virtuosen Seite.

Mit der Allstar-Band von Peter Bursch, Philharmonikern und Chor ging es dann ins Finale mit „Wind of Change“, bevor zum Beatles-Klassiker „Back in the U.S.S.R.“ das Feuerwerk gezündet wurde – spätestens jetzt gab’s Gänsehaut auch bei den wetterfestesten Besuchern.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (2) Kommentar schreiben