Raumfahrt

Experiment von Physikern der Universität fliegt ins Weltall

Beim „Überflieger“-Wettbewerb des Zentrums für Luft- und Raumfahrt wurde das Experiment von  Maximilian Kruss, Tobias Steinpilz, Anna Krämer, Gregor Musidik, Jonas Tappe und Tunahan Dermirci (v.l.) für die Reise ins All ausgewählt

Foto: Alexandra Roth

Beim „Überflieger“-Wettbewerb des Zentrums für Luft- und Raumfahrt wurde das Experiment von Maximilian Kruss, Tobias Steinpilz, Anna Krämer, Gregor Musidik, Jonas Tappe und Tunahan Dermirci (v.l.) für die Reise ins All ausgewählt Foto: Alexandra Roth

Duisburg.   Am „Überflieger“-Wettbewerb des Luft- und Raumfahrzentrums DLR haben sich sechs junge Physiker beteiligt. Die Belohnung: Ein Experiment im All.

Vielleicht verstecken sich die Antworten auf die großen Fragen des Universums in einem kleinen Kästchen, das bei Tobias Steinpilz auf dem Schreibtisch steht. Die unscheinbare Box hat es in sich: In ihr schwirren kleine, elektrisch geladene Glaskügelchen umher. Sie simulieren die Partikel, aus denen Weltraumstaub besteht – und letztlich Planeten wachsen.

Wenn das Experiment „Arise“ glückt, könnte es dazu beitragen, mehr über die Entstehung von Planeten zu verstehen. Ab kommendem Frühjahr fliegt die Box mit Astronaut Alexander Gerst auf die Internationale Raumstation ISS. Schließlich lässt sich das Verhalten der Partikel in der Schwerelosigkeit genauer untersuchen.

Ausgewählt beim „Überflieger“-Wettbewerb

Die sechs Physik-Doktoranden und -Masterstudenten Tobias Steinpilz, Maximilian Kruss, Anna Krämer, Gregor Musiolik, Jonas Tappe und Runahan Demirci hatten sich beim Überflieger-Wettbewerb des Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) beworben. „Aus 24 Einsendungen deutschlandweit sind wir nun eines von drei Experimenten, das mit ins All darf“, freuen sie sich. Als die Nachricht über die Zusage kam, saßen die Kollegen gerade beim Mittagessen in der Mensa beisammen. „Wir haben uns riesig gefreut und waren sehr stolz“, berichten Tobias Steinpilz und Maximilian Kruss.

Ihr Projekt „Arise“ (aufsteigen) beschäftigt sich vor allem mit der frühen Phase der Planetenentstehung, die heute immer noch nicht genau verstanden wird. „Man weiß, dass es zunächst eine Scheibe aus Gas und Staub um einen jungen Stern gibt“, erklärt Doktorand Tobias Steinpilz. „Die Staubpartikel kollidieren und bleiben aneinander haften. Dadurch wachsen bis zu ein Millimeter große Aggregate. Es muss jedoch für größere Körper, wie Planeten oder Asteroiden, eine andere Erklärung geben“, beschreibt er. „Wir denken: Wechselwirkungen zwischen elektrisch geladenen Teilchen ermöglichen, dass auch größere Teilchen aneinander haften bleiben, wenn sie zusammenprallen — frei nach dem Motto: plus und minus ziehen sich an.“ Eben dieses Szenario simulieren die Studenten in der etwa zehn mal zehn Zentimeter großen Box.

Stromversorgung ist die größte Herausforderung

Neben der Volumenkammer mit den Glaskugeln sind in dieser noch drei Batterien verbaut, eine Minikamera und ein Chip, auf dem die Daten gespeichert werden. Die Duisburger Crew muss noch etwas an der Versuchsanlage basteln, denn diese soll weniger Strom verbrauchen, als ein Handy-Ladekabel liefert. „Das ist die größte Herausforderung“, sagt Tobias Steinpilz. Platz und Energie sind 400 Kilometer über der Erde eben kostbar.

ISS-Kommandant Alexander Gerst wird das Experiment installieren und einschalten; dann wird es 30 Tage in Schwerelosigkeit laufen. „Wir werden wohl die ganze Zeit Kontakt zur ISS haben. So können wir es selbst von der Erde aus kontrollieren und die Daten bearbeiten“, sagt Steinpilz. Mit viel Glück dürfen die Duisburger dann sogar beim Start der Sojus-Rakete in Baikonur (Kasachstan) dabei sein – und mit Alexander Gerst persönlich sprechen. „Das wäre der absolute Höhepunkt“, freuen sich die Studenten.

Die Mission im All per Internet verfolgen

Wer die Arise-Mission verfolgen möchte: Das Team teilt Neuigkeiten auf Facebook und über seine Homepage mit: www.fb.com/iss.arise bzw. arise.physik.uni-due.de.

Weitere Infos zum Überflieger-Wettbewerb und ESA-Astronaut Alexander Gerst gibt es auf der Homepage des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt: www.dlr.de

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