Kommentar

Ein Stück Stadtgeschichte zerbröselt in acht Sekunden

WAZ-Redakteur Oliver Schmeer zur Sprengung des Weißen Riesen

WAZ-Redakteur Oliver Schmeer zur Sprengung des Weißen Riesen

Foto: WAZ Grafik

Duisburg.  Am Sonntag wird der Weiße Riese gesprengt. Was vor 40 Jahren zeitgemäß war, gilt heute als städtebaulicher Sündenfall. Das soll eine Mahnung sein.

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Bumm, knall und weg in acht Sekunden: Wenn sich Duisburger Stadtentwicklungsprobleme so schnell umsetzen ließen wie mit der Sprengung des „Weißen Riesen“ in Hochheide, der am Sonntag zur High-Noon-Zeit seinen spektakulären Abgang hat.

Doch so einfach ist das nicht. Nach der Sprengung geht es um mehr, als buchstäblich den Schutt wegzuräumen. Es wird Jahre dauern, bis die beiden weiteren Hochhäuser fallen werden und sich aus dem Problemgebiet ein hoffentlich lebendiger Central Park entwickelt, der dem Stadtteil mehr Lebensqualität und Attraktivität bringt.

Stadtteilerneuerung ist teuer

Stadtteilerneuerung kostet enorme Summen. Alles in allem rund 20 Millionen Euro verschlingt die „Urbarmachung“ Hochheides, die wie die Altlastensanierung von Industrieflächen eben enorme Summen verbraucht, damit sich Neues entwickeln kann. Jüngst vollendetes Beispiel: der Grüngürtel in Bruckhausen.

Vor 40 Jahren war Hochhaus-Bau der gängige Weg, um schnell modernen Wohnraum für wachsende Städte und arbeitende Menschen zu schaffen. Was damals die Antwort auf Fragen war, als zeitgemäß galt und widerspruchslos die Rheinpreußen-Siedlung zum Teil abreißen ließ, gilt heute als Sündenfall der Stadtarchitektur. Wie Straßenbahnen für Unsummen und enormen Folgekosten unter die Erde zu legen oder riesige Einkaufszentren an Stadträndern zu bauen.

Heute ist 6-Seen-Wedau zeitgemäß

3000 Wohnungen entstanden damals in den Hochheider Türmen. Ebenfalls 3000 Wohnungen sollen es jetzt auch in Wedau/Bissingheim in dem neuen Stadtviertel „6-Seen-Wedau“ weitgehend auf Bahngleisbrachen sein.

Die städtebauliche Idee dort ist eine andere als damals: mehr Fläche, mehr Grün, mehr Freiraum. Das liest sich zukunftsträchtig und vielversprechend – moderne Stadtentwicklung eben. Man hat dazu gelernt. Das ist aber keine Gewähr, dass wir nicht in 40 Jahren eines Besseren belehrt werden.

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