Nahverkehr

DVG bekommt neues Supergehirn für 40 Millionen Euro

Techniker Andreas Dobrogojski wartet die Relais der Zugsicherung. 2024 wird sie komplett auf Computersteuerung umgestellt.

Techniker Andreas Dobrogojski wartet die Relais der Zugsicherung. 2024 wird sie komplett auf Computersteuerung umgestellt.

Foto: Lars Heidrich

Duisburg.   7423 Relais steuern die Straßenbahnen im Duisburger Stadtbahntunnel. Jetzt muss die DVG bis 2024 eine neue Zugsicherung installieren.

Es klackert, wenn eines der 7423 Relais aktiviert wird und Schalt- und Stromkreise für die Weichen oder Signale im Stadtbahntunnel geschlossen werden. 2024 wird es nur noch leise surren: Für 40 Millionen Euro installiert die DVG eine neue, dann computergesteuerte Zugsicherung.

U-Bahn-Station am Hauptbahnhof, unter der Mülheimer Straße, gleich neben dem längst geschlossenen „U-Bahn-Treff“. Dort ist das Herz, die Schaltzentrale der DVG für den Straßenbahnverkehr unter der Erde, angesiedelt. Die Zugsicherung. Ohne sie läuft nichts im Tunnel. Schon vor Jahren kam die Alarmmeldung von Stadt und DVG, dass die Verkehrssteuerung nur noch bis 2024 einsatzbereit ist. Ersatz muss her. Teurer Ersatz. Die Finanzierungsfrage wurde zum Dauer- und Streitthema. Jetzt ist sie geregelt und das Projekt Zugsicherung kann starten.

Die „Zusi“ stellt Weichen und Signale

Doch was macht die Zugsicherung, was macht sie so wichtig – und kostspielig? „Sie ist eigentlich eine Ampelanlage, nur dass der, der über Rot fährt, zwangsgebremst wird“, erklärt DVG-Technik-Leiter Wilfried Kühn dankenswerterweise anschaulich. Die „Zusi“ lässt die Straßenbahnen in die Tunnel fahren, erteilt Fahrbefehle, stellt Weichen und Signale und steuert, dass die Bahnen nicht zu dicht auffahren. Und im Tunnel ist Verkehr: Rund 600 Zugbewegungen pro Tag.

Ein hell erleuchteter Kellerraum, in dem die Relais in einer Dutzend-Reihe Spalier stehen. Gelbe, grüne, rote Lämpchen dazu, ein Kabelgewirr oben, unten, an der Seite. Es tickert und klackert unablässig. Im Nebenraum eine Stelltafel mit dem Liniennetz für die 901, 903 und die U 79. Kleine leuchtende Paneele zeigen an, wo die Bahn gerade fährt – oder steht. Die Zugsicherungs-Zentrale „spricht“ mit den Fahrzeugen auf der Strecke, steuert elektromechanisch die Technik in der Bahn und an den Schienen.

„Das System ist sicher und funktioniert“, unterstreicht Wilfried Kühn. Und das seit 1992, mit Start der Stadtbahn. Doch die Zugsicherung ist buchstäblich in Zugzwang. Denn der Hersteller liefert ab 2024 keine Ersatzteile mehr. Herumbasteln und Improvisieren ist nicht erlaubt. Also hat sich die DVG noch mit Ersatzteilen eingedeckt und muss bis zur „Deadline“ in sieben Jahren eine komplett neue Anlage installieren. Denn ohne Zugsicherung dürfen keine Züge im Tunnel fahren und ohne Züge im Tunnel gibt’s auch keine Straßenbahn über Tage. Aus wär’s für die drei Linien und Duisburgs Nahverkehrsnetz.

Düsseldorf hat schon vorgelegt

Diese Zwangsläufigkeit war freilich für das klamme Duisburg auch Chance zugleich: Während Düsseldorf die baugleiche Zugsicherung mal locker finanzierte und schon vorgelegt hat, hinkte Duisburg hinterher, bis es mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr nach langen Verhandlungen die Lösung gab: Der VRR trägt über eine Förderung einen Teil der Kosten und bettet dies in das millionenschwere Beschleunigungs-Programm für die Straßenbahnlinie 901 ein. Gewitzte Argumentation des Duisburg-Deals: Welchen Sinn hat eine flotte Bahn, die nicht fahren kann, weil die Zugsicherung fehlt?

40 Millionen kostet die neue Zugsicherung, 34 Millionen für die neue Technik in der Schaltzentrale und auf der Strecke, sechs Millionen für die Ausrüstung der Straßenbahnen. Rund die Hälfte der Summe bekommt die Stadt als förderfähigen Zuschuss vom VRR. Die anderen 20 Millionen Euro muss die DVG finanzieren. Die ersten Aufträge sind schon vergeben. 2020 soll die neue Schaltzentrale stehen. Bis 2024 laufen dann alte und neue Komponenten der Zugsicherung parallel, weil bis dahin noch alte Fahrzeuge auf der Strecke sind, die nicht umgerüstet werden können. Dann macht es Klick und die Schaltzentrale läuft komplett digital. „Das ist kein Rechner von Saturn“, meint Kühn über das neue DVG-„Supergehirn“. Das auch ihn sicher nach Hause bringt – mit der 901 durch den Tunnel zum Lutherplatz.

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