Rechtsradikale im Sport

Duisburger Sportverein wurde Ziel der rechtsextremen Szene

Der Kampfsportverein Muay Thai Duisburg stand in der Kritik: Ein rechtsradikales Unternehmen solle sie sponsern.

Der Kampfsportverein Muay Thai Duisburg stand in der Kritik: Ein rechtsradikales Unternehmen solle sie sponsern.

Foto: Mara Tröger

Duisburg.  Der Kampfsportverein Muay Thai Duisburg stand in der Kritik: Ein rechtsradikales Unternehmen solle sie sponsern. Was an den Vorwürfen dran ist.

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Toleranz, Offenheit und Respekt – diese Werte sollen den Sport prägen. Mit dem Programm „Integration durch Sport“ werden Vereine in Duisburg vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) finanziell unterstützt. So soll durch Sport eine demokratische Wertevermittlung unterstützt werden. Einer der Stützpunktvereine der Stadt ist der Kampfsportverein Muay Thai Duisburg. Risse erhält das Bild des gelungenen Integrationsmotors jedoch, wenn einer der Sponsoren des Vereins einen rechtsradikalen Hintergrund besitzt.

Vorwurf über Sponsor aus der rechtsextremen Szene

Aber von vorne: Den Stein ins Rollen hatte die linksradikale Gruppierung „Créme Critique“ aus Duisburg gebracht. Sie setzt sich kritisch mit dem „Rechtsruck“ in Deutschland auseinander. Auf der Internetseite des Vereins Muay Thai Duisburg sind sie nach Hinweisen über die Sponsoren-Liste gestolpert. Denn dort wurde ein Unternehmen mit rechtsradikalem Hintergrund aufgeführt.

Per E-Mail hätten sie daraufhin auf den fragwürdigen Sponsor hingewiesen, jedoch keinerlei Rückmeldung vom Verein Muay Thai Duisburg erhalten. Auf dem Nachrichtendienst Twitter machten sie deshalb die Vorwürfe öffentlich: „Kampfsportverein ,Muay Thai Duisburg’ lässt sich von Rechtsextremen sponsern“, zwitscherte die Gruppierung in die Welt.

Nazi-Symbolik auf Kennzeichen

Bei dem kritisierten Sponsor handelt es sich um ein Umzugsunternehmen, für das Lisa G. verantwortlich zeichnet. Ihr Ehemann wird vom Verfassungsschutz als Neonazi eingestuft. Er ist Anführer der rechten Gruppierung „Volksgemeinschaft Niederrhein“ (VGN), die sich 2017 gebildet hat. Die ideologische Ausrichtung der VGN sei die „Glorifizierung des Nationalsozialismus“, zudem verbreite sie „fremdenfeindliche Propaganda“, teilt das Ministerium des Inneren des Landes NRW auf Nachfrage mit. Vorigen Sonntag marschierten VGN-Mitglieder bei der Pegida-Demo in Duisburg mit.

Stefan Maser, seit 22 Jahren evangelischer Pfarrer in Hoerstgen, ist mit der Kirche direkter Nachbar des Ehepaares. Über deren Grundstück flattert eine Reichskriegsflagge, erzählt er. Auf einem der weißen Umzugswagen der Firma, so ist es auch auf Bildern der Internetseite des Unternehmens ersichtlich, prangt die Zahlenfolge „1488“ – Nazicode für die „14 Wörter“ eines von einem US-Rassisten formulierten Glaubensansatzes, in dem das Überleben der arischen Rasse gefordert wird. Die Zahl „88“ steht für zweimal den 8. Buchstaben des Alphabetes und dient als Abkürzung für den Gruß „Heil Hitler“. Auch andere Kennzeichen des Unternehmens würden Nazi-Symbolik vorweisen, so Pfarrer Maser. Eine Anfrage der Redaktion an Lisa G. zu der Problematik und ihren Verbindungen zur VGN blieb unbeantwortet.

Wie reagiert Muay Thai Duisburg auf die Vorwürfe?

„Wir wussten nichts von den Hintergründen dieses Sponsors“, sagt Kerstin Guckes, Vorstand und Trainerin von Muay Thai Duisburg. „Es gab keinen Kontakt zu den Inhabern des Unternehmens“, stellt Guckes klar. Nur eine Kleinstspende, „die typischen 20 Euro in die Spardose“, hätten den Kampfsportverein auf einem Vereinsevent erreicht. „Aus Dankbarkeit haben wir alle Unternehmen, die gespendet hatten, auf unserer Internetseite geführt.“

Nachdem die Vorwürfe in der Welt waren, hatte sich der Verein entschieden, den Sponsor sofort von der Internetseite zu entfernen. Mit dem Wissen über die Hintergründe hätte der Verein einem fragwürdigen Sponsor „niemals eine Plattform gegeben“, versichert Guckes. „In solchen Fällen würden wir auch 10.000 Euro ablehnen“, versichert sie.

Viele Mitglieder von Muay Thai Duisburg haben einen Migrationshintergrund

Über 460 Mitglieder hat der Verein in Duisburg. Gemeinsam mit ihren Trainerkollegen möchte sie ein Miteinander jenseits von Sprachbarrieren und unabhängig von Herkunft und Religion ermöglichen. Beim Training der Fünf- bis Achtjährigen wird deutlich: Einige der Mitglieder haben einen Migrationshintergrund.

„Wir haben viele Kinder, die schlecht Deutsch sprechen“, sagt Guckes. Mit dem Geld aus dem Fördertopf von „Integration durch Sport“ wurde deshalb ein zusätzlicher Trainer engagiert, der bei der integrativen Arbeit behilflich sein soll.

Muay Thai Duisburg soll Anlaufpunkt für ganze Familien sein. Es wird eine kostenlose Kinderbetreuung angeboten, dazu spezielle Kurse für Kinder, Familien und „Best Ager“. Von Mitgliedern mit menschenverachtenden Gedankengut würde man sich trennen – bisher sei solch ein Fall noch nicht aufgetreten.

Rechtsextreme im Sport ein bekanntes Problem

Rechte missbrauchen den Sport auf vielen Wegen für ihre Zwecke „Ein Verein ist immer auch ein Abbild der Gesellschaft“, sagt Michael Schirp, Sprecher des Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Aus diesem Grund, so die DOSB-Fachleute für Demokratiestärkung, sei es möglich, dass Mitglieder eines Sportvereins eine „antidemokratische Haltung“ haben. „Es ist utopisch zu glauben, dass der Sport eine Insel sein kann.“

Sportvereine, die freiwillige Feuerwehr oder ehrenamtliche Helfer in Schulen – solche gefestigten, „respektierten Rollen mitten in der Gesellschaft, sind ein gutes Ziel für Rechtsradikale“, erklärt Schirp.

Deutlichere Worte findet Benny Folkmann, Vorstand der Deutschen Sportjugend im DOSB: „Sportvereine werden gezielt von Rechtsextremisten unterwandert und dadurch aufs Übelste missbraucht.“ Im Verein könnten sie ihre menschenverachtende Agenda vorantreiben.

„Sie wollen von dem Renommee des Vereins profitieren“

Um im Sponsoring-Kontext zu bleiben: Firmen mit rechtem Hintergrund könnten über die Teilhabe an etablierten und gesellschaftlich akzeptierten Gruppierungen zu einem vermeintlich bürgerlichen Auftritt verholfen werden. „Sie wollen so von dem Renommee des Vereins profitieren“, glaubt DOSB-Sprecher Schirp. So könnte Kontakt zu neuen potenziellen Kunden entstehen.

Umso wichtiger sei es, im Umfeld des Vereins „sensibel zu sein“, erklärt der DOSB. Bei Problemen mit rechtsradikalem Hintergrund sei eine aktive Auseinandersetzung mit den Vorwürfen wichtig: „Die eigenen Leitbilder und Werte müssen überprüft werden. Der Verein sollte sich im Ort positionieren.“

Muay Thai Duisburg distanziert sich

Das hat nun auch Muay Thai Duisburg getan: „Unser Sport und die internationale Kampfsportwelt lebt von Multikulti“, sagt Guckes und ergänzt: „Wir sind absolut weltoffen.“

Der Verein distanziert sich deshalb „klipp und klar und in aller Deutlichkeit“ von den Vorwürfen. Der Sport sei vielmehr eben eines der effektivsten Mittel, Menschen, egal woher sie kommen, Werte zu vermitteln. Werte wie Toleranz, Weltoffenheit und Respekt.

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