Rotlicht-Milieu

Duisburger Sex-Meile im Wandel: Straßenprostitution nimmt zu

Blick in das Laufhaus von Sabine Müller. 13 Zimmer vermietet sie an selbstständige Prostituierte. Die zahlen pro Tag 100 Euro. Um die Miete zu verdienen, brauchen sie mindestens vier Kunden.

Blick in das Laufhaus von Sabine Müller. 13 Zimmer vermietet sie an selbstständige Prostituierte. Die zahlen pro Tag 100 Euro. Um die Miete zu verdienen, brauchen sie mindestens vier Kunden.

Foto: Stephan Eickershoff / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Das größte Bordell im Rotlicht-Bezirk ist dicht. Einige Frauen stehen lieber an der Monning, als sich im Laufhaus einzumieten.

Im Sexxx-Palace sind die Schotten dicht. Das größte Bordell im Rotlichtviertel ist seit mehreren Monaten geschlossen. Bei Kontrollen haben Polizei und Ordnungsamt gravierende Mängel festgestellt – und auch die Eignung des Betreibers wurde infrage gestellt. Seitdem mussten sich die Mädchen und Freier andere Etablissements suchen.

Am Montagmittag zirkeln nur wenige Herren etwas verschämt durch die Straße. „Na Schätzchen, wie wär’s“, gräbt einer eine Frau an, die offenbar gerade auf dem Weg zur Arbeit ist. Die winkt ab. Auf dem Seitenstreifen liegt ein benutztes Kondom, offenbar vom Vortag. Viele Häuser an der Charlottenstraße sind verwaist. Zwei Gebäude werden gerade renoviert. „Gewerbliche Zimmervermietung“ wurde bei der Stadt als künftige Nutzung angegeben.

Die Umgebung ist nicht wirklich sexy

In einem vermüllten Häusereingang riecht es ziemlich streng. Die Umgebung ist nicht wirklich sexy. Dabei hat das Gewerbe rund um die Vulkanstraße Tradition. In den 60er Jahren haben sich die ersten Etablissements niedergelassen, sie siedelten über von der anderen Seite der Altstadt. Eine Recherche im Stadtarchiv zeigt, dass die Geschichte der Prostitution in der Altstadt schon auf das 19. Jahrhundert zurückgeht. Die Sittenpolizei überwachte damals das Geschäft im Rotlicht-Milieu, das als „Charakteristikum einer Hafenstadt“ geduldet wurde. Viele der Damen, die heute hier arbeiten, stammen aus Bulgarien und Rumänien. Viele sind gerade im Heimaturlaub, auch deshalb ist es so ruhig. „Wir hoffen, dass einige danach wieder kommen. Teilweise saßen wir nur mit zwei Frauen hier“, erklärt Sabine Müller (Name von der Redaktion geändert).

Die Bordellbetreiberin kennt das Geschäft. Sie vermietet für 100 Euro am Tag ein paar Zimmer. Um die Miete zu verdienen, brauchen die Mädchen mindestens vier Kunden. „In den 90er Jahren waren die Bedingungen noch besser. Es gab nicht so viele, die hier gearbeitet haben, die Preise waren höher und die Frauen mussten sich alle zwei Wochen vom Gesundheitsamt auf Krankheiten untersuchenlassen“, erzählt sie.

Sabine Müller arbeitet mit den Behörden zusammen und rät den Sexarbeiterinnen, sich regelmäßig testen zu lassen. Seit der Einführung des Prostituiertenschutz-Gesetzes sind Gesundheitsuntersuchungen ohnehin vorgeschrieben. Einige berichten allerdings, dass sie sich nicht besonders gut behandelt fühlen.

Laufhaus bietet auch Sicherheit

Andere wollen sich peinliche Fragen lieber ganz ersparen und wandern in die Illegalität ab. „Wenn man sich anschaut, wie viele Frauen an der Monning standen, dann wundert man sich doch nicht mehr“, so Sabine Müller. Eine ist nun wieder von der Monning zurück. Ein Laufhaus bietet den Frauen auch Sicherheit. „Nach dem neuen Gesetz dürfen die Mädchen hier nicht mehr übernachten. Wir haben extra zwei Zimmer umgebaut, wo sie sich ausruhen können“, erklärt die Chefin.

Auf der Straße ist langsam etwas mehr Betrieb. Die meisten sind abends unterwegs. Dann sieht man auch die Dreck-Ecken nicht mehr so.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben