Ausbildung

Duisburger Kollegschüler lernen schrauben an Harley-Davidson

Die angehenden Zweirad-Mechatroniker im Bertolt-Brecht-Berufskolleg lernen nun an einer Harley-Davidson Softtail Custom

Die angehenden Zweirad-Mechatroniker im Bertolt-Brecht-Berufskolleg lernen nun an einer Harley-Davidson Softtail Custom

Foto: Zoltan Leskovar / FUNKE Foto Services

Duisburg.   Als Dank für die gute Ausbildung hat die Hamminkelner Niederlassung Thunderbike dem Bertolt-Brecht-Berufskolleg eine Harley-Davidson vermittelt.

Eine gute Ausbildung ist die Voraussetzung für qualifizierte Mitarbeiter. Diese Gleichung gilt auch für die Zweiradmechatroniker am Bertolt-Brecht-Berufskolleg (BBBK). Dort schrauben die Auszubildenden des Huckinger Kollegs nun dank der Vermittlung der Hamminkelner Thunderbike, der Harley-Davidson-Vertretung Niederrhein, an US-Edeleisen.

Dauerleihgabe der Harley-Akademie

Schon seit vielen Jahren ist das Duisburger Berufskolleg die Ausbildungsadresse für die Nachwuchsschrauber für die US-Klassikmarke. Besonders beeindruckt hat Thunderbike-Geschäftsführer Andreas Bergerforth die Karriere von Tim van der Meijs. Der 24-Jährige, der schon als Kind an Motoren schraubte, schloss 2017 seine Ausbildung als Jahrgangsbester mit einer Ehrenurkunde der Handwerkskammer ab. „Die Ausbilder am Brecht-Berufskolleg haben mich beeindruckt“, sagt Bergerforth, „daher wollten wir uns mit einem besonderen Geschenk bedanken.“ Nun steht in der Schulungswerkstatt nicht nur eine komplette Harley-Davidson Softtail Custom, sondern auch ein Schau-Getriebe (aufgeschnitten für die Ausbildung) sowie zwei vollständige Getriebe und zwei Motoren.

Eine Runde um die Schule darf damit dennoch niemand drehen. Denn die Bauteile bleiben im Besitz der Harley Akademie Bonn - sie überließ die Bauteile der Schule als Dauerleihgabe. „Harley-Davidson ist wie alle Hersteller sehr kleinlich“, erklärt Werkstattlehrer Ingo Bucken, der auch Vorsitzender des Prüfungsausschusses ist. „Die letzten fünf Stellen der Seriennummern sind ausgestanzt, damit diese Teile nie in Umlauf kommen. Die Bauteile sind zwar alt, waren aber nie in Betrieb.“ Nicht nur möglich, sondern „sehr wahrscheinlich“, vermutet York Kuhlmann, Leiter des Bildungsganges am BBBK, werde die Harley-Akademie irgendwann die Rückgabe verlangen.

US-Hersteller messen in Zoll und Inch

Bis dahin können aber nicht nur Dennis Kosthorst (17) und Jannes Nagels (18), die aktuell ihre Ausbildung bei Thunderbike machen, an der Maschine und mit den Bauteilen schrauben und lernen. Alle Auszubildenden erwerben wichtiges Wissen, erklärt Ingo Bucken: „Die US-Hersteller messen in Zoll und Inch, da kann man nicht mit metrischem Werkzeug arbeiten. Damit tun sich viele am Anfang schwer. Man muss sich da reinfuchsen.“

Dabei zählen die jungen Nachwuchsmechaniker zumeist noch nicht zur Kundschaft der US-Marke. „Ich fahre Motocross“, sagt Dennis Kosthorst, der Thunderbike-Azubi. Nicht unbedingt die Domäne von Harley-Davidson, aber die Sparte, wo aus Lärm- und Umweltschutzgründen die Elektromobilität auf zwei (Motor-)Rädern schon die weitesten Fortschritte gemacht hat. Mit dem „Live-Wire“ hat auch Harley-Davidson bereits einen Strom-Prototypen vorgestellt, der ab 2020 zu kaufen sein soll. Tester sind beeindruckt, dass die traditionsbewusste Kundschaft zugreifen wird, glaubt der BBBK-Werkstattlehrer eher nicht. „Die Geräuschkulisse ist es, was Motorradfahren wesentlich ausmacht. Und die fehlt“, sagt Ingo Bucken.

>>> Die einzige Fachklasse im Bezirk Düsseldorf

Der Ausbildungsgang Zweiradmechatroniker am Bertolt-Brecht-Berufskolleg ist der einzige im Bezirk Düsseldorf. „Wir sind eine sogenannte Bezirksfachklasse“, erklärt Yorck Kuhlmann. Der Leiter des Bildungsgangs betreut rund 200 Schüler, viele legen weite Wege für den wöchentlichen Schulbesuch zurück.

Der 3,5-jährige Bildungsgang unterscheidet in Fahrradtechnik und Motorradtechnik. „Zusammengefasst wird nur beim Meister, da muss man beides können“, so Kuhlmann. Der Fahrradboom, vor allem im Segment der E-Bikes, beschere der Schule bisher keinen vermehrten Andrang von Auszubildenden. „Schon eher die gute Konjunktur in der Motorrad-Branche“, so Kuhlmann. Mitarbeiter im Fahrrad-Bereich kombinierten des öfteren eine kaufmännische Ausbildung mit der zweijährigen Qualifikation zum Fahrrad-Monteur.

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