Demonstration

„Duisburg soll sicherer Hafen werden“

Rettungswesten hatten sich Demonstranten auf dem König-Heinrich-Platz angezogen, um auf das Schicksal der Flüchtlinge aufmerksam zu machen, die über das Mittelmeer nach Europa kommen wollen.

Rettungswesten hatten sich Demonstranten auf dem König-Heinrich-Platz angezogen, um auf das Schicksal der Flüchtlinge aufmerksam zu machen, die über das Mittelmeer nach Europa kommen wollen.

Foto: Jörg Schimmel

Duisburg.   Farbe wollten die Demonstranten bekennen, die mit Rettungswesten und Kleidung in Orange an die toten Flüchtlinge im Mittelmeer erinnerten.

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„Wir sind nicht alle – es fehlen die Ertrunkenen“: Sätze wie diese stehen auf selbst beschrifteten Plakaten, die einige der fast 200 Aktivisten mit ausgestreckten Armen in die Luft halten. Viele von ihnen sind der Aufforderung „Farbe bekennen“ gefolgt und tragen orangene Kleidung, die an Rettungswesten erinnern sollen. Einige haben ein orangenes Rettungsseil um ihren Körper gelegt. Sie trommeln, pfeifen und haben Tränen in den Augen. Mit dieser Aktion des Aktionsbündnis „Seebrücke“ wollen die Ehrenamtlichen am Opernplatz auf die aktuelle Situation der Seenotrettung im Mittelmeer aufmerksam machen.

Bündnis ist erst vor fünf Wochen entstanden

Vor etwa fünf Wochen ist das Bündnis entstanden, nachdem dem Rettungsschiff „Lifeline“ mit hunderten geretteten Geflüchteten verboten wurde, in einem europäischen Hafen anzulegen. Ehrenamtliche haben sich innerhalb weniger Tage dieser Bewegung angeschlossen und Demonstrationen organisiert. „Wir sind hier, weil wir nicht mehr erlauben, dass Europa die Menschenrechte im Mittelmeer versenkt und die europäische Außengrenze die tödlichste Grenze der Welt ist“, erklärt Melanie Schmidt-Krobok. Die Duisburgerin setzt sich seit Jahren für die Flüchtlingshilfe ein. Sie möchte vor allem auch andere Bürger, die spontan dazugestoßen sind, über die aktuellen Missstände aufklären. „In den Häfen liegen Seenotrettungsschiffe zum Auslaufen bereit. Freiwillige Helfer übernehmen eine Aufgabe, die eigentlich die Staaten übernehmen müssten.“

1514 Menschen seien in diesem Jahr bereits im Mittelmeer gestorben, davon 851 nur im Juni und Juli, da die Seenotrettungsschiffe in den Häfen von Italien und Malta festgehalten werden. Bei diesen Worten liegen sich einige Aktivisten in den Armen. Andere lesen Artikel aus der Menschenrechtserklärung vor. Symbolisch ziehen sie sich Rettungswesten an. Mit dem Blick auf ein großes Banner setzen sie sich schweigend auf den Boden. „Ein Menschenleben ist unbezahlbar, Seenotrettung nicht!“ - steht darauf.

Es gibt auch positive Nachrichten vom Mittelmeer

Melanie Schmidt-Krobok hat auch positive Nachrichten zu verkünden: Das Rettungsschiff „Aquarius“ kann wieder vor der libyschen Küste Menschenleben retten. Die Aktivisten singen: „Seenotrettung ist kein Verbrechen“. Maggy Wösthoff von „Seebrücke Nord“ fordert eine „Entkriminalisierung der Seenotrettung, sichere Fluchtwege, Häfen und eine humanitäre Behandlung der geflüchteten Menschen“. Ein sicherer Hafen soll auch Duisburg werden. Maggy Wösthoff, Britta Söntgerath vom Flüchtlingsrat und Mitorganisator Udo Hase fordern die Stadt auf, gerettete Flüchtlinge aufzunehmen. Auch die Bundestagsabgeordneten wollen sie auffordern, sich für die Seenotrettung im Mittelmeer einzusetzen. „Duisburg soll ein sicherer Hafen für alle sein, die schon in unserer Gesellschaft leben und für alle die, die noch auf der Flucht sind“, sagt Schmidt-Krobok.

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