Kommentar

„Duisburg ist echt“ macht vieles richtig und kann wirken

„Duisburg ist echt“ … grüner und geliebte Heimat, möchte man hier ergänzen. Nach dem Start der Kampagne soll „Duisburg ist echt“ mit überraschend positiven Eigenschaften ergänzt werden, auch durch die Duisburger selbst.

„Duisburg ist echt“ … grüner und geliebte Heimat, möchte man hier ergänzen. Nach dem Start der Kampagne soll „Duisburg ist echt“ mit überraschend positiven Eigenschaften ergänzt werden, auch durch die Duisburger selbst.

Duisburg.  Die neue Marke „Duisburg ist echt ...“ ist besser als Nörgler und Besserwisser den Slogan machen. Warum die Kampagne langfristig wirken könnte.

Welche Städte-Slogans fallen Ihnen auf die Schnelle ein? … Keine? Es ist schwierig, treffende Sprüche zu finden, die in Erinnerung bleiben. Und meist einfach, solche Eigenwerbung zu zerpflücken, die Hamburg und Berlin (nein, „arm, aber sexy“ ist es nicht) gar nicht nötig hätten. Die Nörgelei nach der Vorstellung von „Duisburg ist echt“ kam auch deshalb so überraschend wie Weihnachten. Duisburg ist echt … arm, kriminell, verschuldet. Verbesserungsvorschläge habe ich allerdings wieder mal nicht gelesen. Wer seine Reflexe überwindet, um sich kurz mit dem Ziel der Kampagne zu beschäftigen, stellt fest: „Duisburg ist echt“ hat Potenzial, echt jetzt. Was für die „Wort-Bild-Marke“ spricht?

Zuallererst: „Duisburg ist echt“ wird kein falsches Duisburg-Bild vorgaukeln. Die Macher (Lokalmatadore, das merkt man im besten Sinne) werden Duisburger Erfolgsgeschichten mit Duisburgern erzählen. „Duisburg ist echt …“ soll ein Katapult für positive Duisburg-Eigenschaften werden, die Journalisten, Touristen und Investoren im Rest der Republik nicht kennen. Duisburg ist echt grüner, wohnlicher, logistischer, innovativer – ja: als viele andere Städte. Der Slogan soll nach der Startphase der Kampagne durch Adjektive und authentische Fotos mit Leben gefüllt werden. So ist er eben nicht beliebig und könnte ankommen. Prägnant ist er eh.

Echt erschreckend: bislang keine professionelle Duisburg-PR

Und: Die Stadt muss kommunikativ gegen ihr Image angehen, will sie Firmen und Menschen für sich gewinnen. (Selbstverständlich muss sie die Ursachen ihrer Probleme noch energischer angehen.) Es erfordert harte Öffentlichkeitsarbeit, Duisburgs Stärken bei den Zielgruppen zu platzieren. Echt erschreckend, dass sich darum in der Vergangenheit niemand gekümmert hat. Der Slogan kann nur ein Baustein eines großen Plans sein.

Bislang war die Kreativarbeit der Agenturen preiswert. „Fünf-, sechstausend Euro“ soll der erste Aufschlag gekostet haben. Andere Städte haben für viel mehr Geld viel weniger Überzeugendes zustande gebracht. Woanders ist auch hier oft sch… schlechter: „Bonn. Die Stadt“, „Bielefeld bewegt“, „Lebendiges Hagen“, „Bochum macht jung!“

Die „Duisburg ist echt“-Kampagne bedenkt einen weiteren Erfolgsfaktor. Sie will die Verbindung zu den Duisburgern und denen darunter herstellen, die trotz alledem auch mal den Lokalpatrioten in sich rauslassen. Wenn sie unter #DuisburgIstEcht, etwa auf Instagram mit Heimatliebe oder Selbstironie in die Welt hinaus posten, was ihr Duisburg ausmacht, wächst die Reichweite positiver Duisburg-Eigenschaften mit der Zeit natürlich – echt.

Der Slogan und die Interaktionswand können ein guter Anfang sein. Selbst wenn’s gut läuft, wird ein jahrelanger Marathon folgen.

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