Vermisster Marvin

Duisburg: Fall Marvin – Mutter erzählt vom ersten Treffen

Marvin aus Duisburg wurde zweieinhalb Jahre vermisst. Per Zufall wurde er am Freitag in einer Wohnung eines 44-jährigen Mannes entdeckt. Am Wochenende konnte seine Mutter ihn endlich in die Arme schließen.

Marvin aus Duisburg wurde zweieinhalb Jahre vermisst. Per Zufall wurde er am Freitag in einer Wohnung eines 44-jährigen Mannes entdeckt. Am Wochenende konnte seine Mutter ihn endlich in die Arme schließen.

Foto: Achenbach, Annette

Duisburg.  Jahre nach dem Verschwinden kann Manuela B. ihren Marvin in die Arme schließen. „Was in der Klinik sitzt, erinnert mich nicht an meinen Sohn.“

Auf diesen Moment hat Manuela B. aus Duisburg so lange gewartet. Zweieinhalb Jahre fehlte von ihrem Sohn Marvin jede Spur. Die Zeit des Bangens und Hoffens hat nun ein Ende: „Marvin ist mir in die Arme gefallen und hat mich gedrückt und gedrückt und gedrückt“, berichtet Manuela B., die Mutter des am Freitag nur per Zufall aufgespürten verschwundenen Jungen. Als die Polizisten Marvin entdeckten, soll er dieselbe Kleidung wie am Tag seines Verschwindens getragen haben, erzählt seine Mutter.

„Er ist fast zwei Köpfe größer als ich und wollte mich überhaupt nicht mehr loslassen und ich ihn auch nicht“, sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung. „Ich habe mir zweieinhalb Jahre dieses Gefühl vorgestellt, wie es sein wird, wenn ich Marvin jemals wiedersehe. Aber was ich gesehen habe, erinnerte mich an den Spruch, dass jemand ein gebrochener Mann ist.“

Der Junge sei am Freitag in einem „schlechten Zustand“ gewesen, ungepflegt und mit langen Fingernägeln, so habe es die Polizei geschildert. Am Samstag, als die Mutter ihr Kind wieder in die Arme schließen konnte, seien zumindest die äußeren Spuren von Verwahrlosung verschwunden. Manuela B. kaufte ihm eilends ein paar frische Sachen für die Klinik, will vor Weihnachten noch mal richtig los, um ihn neu einzukleiden. Schwarze Klamotten habe er sich gewünscht, die soll er auch bekommen.

Marvin soll dieselben Sachen wie am Tag seines Verschwindens getragen haben

„Was in der Klinik sitzt, erinnert mich nicht an meinen Sohn“, sagt die Mutter. Er habe einen geschwollenen Kopf – und trage dieselben Sachen wie am Tag seines Verschwindens. Die Mutter befürchtet, dass man ihm in der Wohnung in Recklinghausen Substanzen verabreicht habe. Die Gerichtsmedizin habe ihn bereits ausführlich untersucht, auch um Rückstände im Blut zu analysieren.

Die Tatsache, dass der Junge in der Wohnung des Tatverdächtigen geblieben ist, begründet sie mit dem Stockholm-Syndrom. Das ist ein psychologisches Phänomen, bei dem sich Entführungsopfer den Tätern nahe und verbunden fühlen.

Fall Marvin: Mutter Manuela B. lobt Arbeit der Polizei

Im Sommer 2017, wenige Tage vor dem Verschwinden, habe ihr Sohn ihr in einem WhatsApp-Chat von Männer-Bekanntschaften erzählt. Da habe sie so ein komisches Gefühl gehabt und ihren Sohn vor Pädophilen gewarnt. Es scheint nichts genützt zu haben.

Für die Duisburger Polizei, die zumindest die Vermisstenakte jetzt schließen kann, hat die Mutter lobende Worte: „Die Sachbearbeiterin hat mich wirklich gut aufgebaut, immer und immer wieder.“ Sie habe regelmäßig angerufen und den Kontakt gehalten.

„Was haben diese Menschen mit meinem Kind gemacht?“

Auch die Facebook-Seite, über die Manuela B. nach ihrem Sohn gesucht hat, ist mit einem Update versehen: „Gefunden“ steht auf einem dicken pinken Banner quer über dem Titelbild. Hier teilt die Mutter am Wochenende alle Artikel, in denen es um ihren Sohn geht. „Was haben diese Menschen mit meinem Kind gemacht?“, fragt sie da mit einem weinenden Emoji und über ein Bild des festgenommenen Tatverdächtigen schreibt sie: „Ich könnte kotzen und sterben in der Sekunde.“ Kein Emoji.

„Dieser Schmerz, den ich spüre, den wünsche ich niemandem auf dieser ganzen Welt“, sagt Manuela B.. Sie konnte die Ungewissheit über zweieinhalb Jahre schon kaum ertragen, hatte sich deshalb zu einer psychosomatischen Reha angemeldet, die sie im neuen Jahr unter völlig neuen Bedingungen antreten wird. Da will sie sich die Kraft holen, die sie braucht, um ihren Sohn ins Leben zurück zu begleiten.

Noch ein „langer, schwerer Weg“

Dass es „ein langer, schwerer Weg“ wird, ist ihr völlig klar. Aber sie ist auch zuversichtlich: „Ich habe schließlich auch den ersten Weg geschafft zweieinhalb Jahre lang, da schaffe ich auch diesen Weg mit Marvin.“

Der seit Juni 2017 vermisste Marvin war am Freitag in der Wohnung eines 44-Jährigen aufgetaucht, als Ermittler dessen Wohnung wegen des Verdachts auf Abbildung schweren sexuellen Kindesmissbrauchs durchsuchten. Der 15-jährige Marvin wurde bei der Durchsuchung durch Zufall in einem Schrank gefunden.

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