Bildhauer

Doktor der Physik hat mobiles Atelier mit Rheinblick

Bei der Arbeit: Bildhauer Andreas Reichert in seinem Bulli, der direkt am Rhein steht.

Bei der Arbeit: Bildhauer Andreas Reichert in seinem Bulli, der direkt am Rhein steht.

Foto: Fabian Strauch

Duisburg.   Andreas Reichert ist Doktor der Physik – und passionierter Bildhauer. Seine Werke entstehen in einem Bulli direkt am Rhein in Duisburg.

Der Himmel ist grau, die Wolken hängen tief. Der Regen schlägt gegen die Scheibe des weißen Kleintransporters, der starke Wind bringt ihn zum Wackeln. Andreas Reichert sitzt seelenruhig in dem Wagen und blickt hinaus. Er sieht sich die Schiffe an, die über den Rhein schippern. Er lässt sich inspirieren. Regelmäßig kommt der passionierte Bildhauer mit seinem „mobilen Atelier“ an den Rhein, um dort zu arbeiten.

Es liegen unzählige Holzspäne auf dem Boden des Transporters, zur Zeit arbeitet Reichert an einigen Schiffsmodellen aus Holz, die er demnächst ausstellen wird. Doch auch Granit und andere Steine hat er schon verarbeitet. Im Winter bleibt die Tür des Busses geschlossen, er arbeitet an der warmen Standheizung, im Frühling und Sommer schnitzt und sägt er jedoch gerne im Freien.

Toller Ausblick

„Als ich vor Jahren darüber nachdachte, ein Atelier zu mieten, oder eine Garage, kam mir irgendwie solch ein Wagen in den Sinn“, sagt er. Zunächst war er in der Familienkutsche unterwegs, arbeitete „aus dem Kofferraum heraus“. „Doch in dem Bulli kann er auch im Winter arbeiten, wenn es – so wie an diesem Tag – draußen stürmt. Reichert zeigt durch die Scheibe auf den Fluss: „Es ist inspirierend, an solchen Orten zu arbeiten. Solch einen Ausblick hat man doch in kaum einem Atelier.“

Seinen Wagen verbindet er übrigens nicht nur mit Kunst und Duisburg, sondern auch mit ganz anderen Orten: Auch den ein oder anderen Urlaub hat er mit seiner Frau in dem Bus gemacht. Dann wird das mobile Atelier zum mobilen Schlafzimmer.

Dozent an der Uni Duisburg

Malen, Zeichnen und eben die Bildhauerei hatten es Reichert schon immer angetan. Doch neben der Kunst gibt es noch eine andere Leidenschaft in seinem Leben: die Physik. Reichert ist Doktor dieses Fachbereichs, arbeitet als Dozent an der Uni Duisburg. Physik und Kunst – wie geht das zusammen? „Ich finde nicht, dass sich diese beiden Bereiche ausschließen“, sagt er. „Bei dem muss man kreativ sein. Man muss sich als Physiker neue Experimente ausdenken, neue Wege gehen. Und als Bildhauer will man ja etwas Neues schaffen, etwas, das es so nie gab. Man will ja auch nicht die 1000. Figur eines bestimmten Objektes machen“, sagt er. „Außerdem ist der Prozess entscheidend. Läuft alles nach Plan, oder passiert Unerwartetes? Das sind die Fragen, die mich bei interessieren“, sagt er.

Selbst seine Doktorarbeit hatte künstlerische Aspekte: „Ich habe dafür damals Kristalle untersucht, habe geschaut, wie dort die Atome angeordnet sind. Es ging also wie oft in der Physik um räumliches Vorstellungsvermögen – etwas, das für einen Bildhauer wichtig ist“, erklärt Reichert.

Direkter Kontakt zu den Menschen

An seiner Arbeit im mobilen Atelier gefällt ihm nicht nur die Ruhe und das Verweilen an interessanten Orten, sondern auch die Möglichkeit, direkt mit Menschen in Kontakt zu kommen. „Ich verbringe viel Zeit in meinem Atelier. Manchmal mache ich einen Mittagsschlaf oder beobachte die Landschaft, doch mir gefällt es auch, wenn Menschen vorbeikommen, sich mit mir über die Arbeiten unterhalten“, sagt er. „Das kommt recht häufig vor.

Gerade im Sommer erkundigen sich Spaziergänger über meine Arbeit, wenn sie mich im offenen Transporter oder davor sägen und arbeiten hören“, sagt er. Vom Handwerker über Rentner bis zum Kunstprofessor habe er schon mit vielen geplaudert. „Das größte Kompliment ist aber natürlich, wenn Menschen meine Arbeiten kaufen wollen.“

>>Ausstellung ab 22. April bei Thyssenkrupp

Andreas Reichert zeigt einige seiner Werke ab 22. April bei Thyssenkrupp. Vor allem die neuen Schiffe, die er nicht detailreich, sondern „Skizzen-artig“ und roh darstellt, werden dann zu sehen sein. Er geht dabei der Frage nach: Was ist Kunst und was ist ein Modell?

Wer ihn mal bei der Arbeit erleben will, findet ihn unter anderem am Rhein an der Wilhelmallee in Homberg.

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