Professur

Digitalisierung wird die Produktion massiv verändern

Prof. Dr. Arun Nagarajah hat die Professur für Produktentstehungsprozesse und Datenmanagemant der Fakultät für Ingenieurwissenschaften an der Universität Duisburg-Essen übernommen.

Prof. Dr. Arun Nagarajah hat die Professur für Produktentstehungsprozesse und Datenmanagemant der Fakultät für Ingenieurwissenschaften an der Universität Duisburg-Essen übernommen.

Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.   Warum künftig für Produkte „digitale Zwillinge“ haben werden, erklärt Dr. Arun Nagarajah. Der Fachmann für Digitalisierung lehrt nun an der UDE.

Die Digitalisierung verändert Gesellschaft und Industrie gleichermaßen. Dabei potenziert sich die Menge der erzeugten und transportierten Daten. Wie lässt sich aus Daten Wissen generieren und wie ist es optimal zu nutzen, um Entwicklungsprozesse zu verbessern? Diese Frage hat Dr. Arun Nagarajah schon vor sieben Jahren bei seiner Promotion an der Technischen Hochschule in Aachen beschäftigt. Jetzt hat er an der Universität Duisburg-Essen die Professur für Produkt-Entstehungsprozesse und Datenmanagement übernommen.

Zunächst ein virtuelles Modell

Der Wuppertaler – in seiner Heimatstadt studierte er Maschinenbau und Qualitätsmanagement – ist ein Grenzgänger zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Er kommt vom Automobilzulieferer Hella, sein Thema auch dort: Das Produktdaten-Management. „Digitalisierung verändert die Zusammenarbeit, verstärkt die Vernetzung zwischen Standorten, verändert Unternehmen“, sagt Arun Nagarajah. Dass die Bauteile von Produkten nicht mehr als physische Modelle, sondern zunächst virtuell am Rechner entstehen, erfordert eine Neuorganisation der Abläufe: „Daten, die bei der Entwicklung entstehen, müssen so verwaltet werden, dass sie zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung stehen.“

Einen Kühlschrank nennt er als Beispiel: ein vernetztes Gerät kann künftig seinem Besitzer anzeigen, welche Produkte zur Neige gehen, bei Lieferdiensten automatisch nachbestellen, bei erforderlichen Online-Wartungen und Reparaturen selbstständig den Fachmann beauftragen. Das Gerät kann der Besitzer nicht nur per App überwachen, sondern seine Kapazität vor dem Kauf auch nach eigenen Wünschen konfigurieren. Wie die aussehen könnten, versuchen Marketing-Fachleute parallel zur Entwicklung zu ergründen.

Aus Daten Wissen generieren

„Die Komplexität nimmt zu“, sagt Arun Nagarajah, „die Frage ist: Wie kann ich sie beherrschen und wie kann ich erreichen, das abzusichern.“ Letztlich, erklärt er, laufe es darauf hinaus, den gesamten Entwicklungs- und Produktionsprozess digital abzubilden: „Bei Siemens wurde der Begriff ‘Komplette Fabrik’ geprägt.“ Gemeint ist damit ein „digitaler Zwilling“: die verfügbaren Daten werden für den Aufbau von virtuellen Produktionsmodellen verwendet, die sich nah an der Realität bewegen.

Die Professur ist angesiedelt am Institut für Produkt-Engineering der Universität. „Ich konzentriere mich auf Produkt und Prozess“, erläutert Arun Nagarajah. Es geht um die signifikanten Faktoren für ein Modell, das mögliche Wissen, dass sich aus vorhandenen Daten generieren lässt und um die Wege, aus ihnen in ein standardisiertes Verfahren zu entwickeln. Nur so kann ein komplexer Prozess letztlich erfolgreich enden. „Die Durchdringung ist wichtig“, sagt der frischgebackene Professor. Einst, so erinnert sich Arun Nagarajah, gab so genannte „Bananenprodukte“: Sie reiften beim Kunden, wurden dann nachgebessert. „Heute gibt es die Möglichkeiten, Produkte durch Apps an die Bedürfnisse des Kunden anzupassen.“

>>>>>Mikrosensoren, Internet der Dinge

und schnelle Netze

Die Grundlagen dafür, dass die Produkte der schönen neuen Technikwelt funktionieren, schafft die Mikro-Systemtechnik. „Sie ist entscheidend“, sagt Arun Nagarajah. Sensoren, die Technik der Zukunft steuern – etwa Autos , die autonom fahren – entwickelt auch das Duisburger Fraunhofer Institut für Mikroelektronische Schaltungen (IMS).

Voraussetzung für das „Internet der Dinge“ sind leistungsfähige Netze, die in der Lage sind, exponentiell wachsende Datenmengen aus immer mehr Geräten zuverlässig zu übertragen. An der Forschung zum kommenden Netzstandard 5G beteiligen sich die Fachleute für Optoelektronik und Signaltechnik am UDE-Campus Duisburg.

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