Coronavirus

Corona: So kämpfen und liefern Wirte und Märkte in Duisburg

Direkt auf der Theke im Kaiserhafen steht das Desinfektionsmittel.

Direkt auf der Theke im Kaiserhafen steht das Desinfektionsmittel.

Foto: Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Ruhrort.  Duisburger Wirte und Supermarkt-Betreiber werden erfinderisch und richten zum Beispiel Lieferdienste ein. Solidarität in Zeiten des Coronavirus.

Gastronomen leiden derzeit unter der Coronakrise. Adam Koslowski, Betreiber der Gaststätte „Adam im Kaiserhafen“ hat kurzerhand seinem Personal freigegeben und den Gästen mitgeteilt: „Ich schmeiß den Laden ab sofort alleine.“

Restaurants und Gaststätten, wenn sie Speisen anbieten, dürfen geöffnet bleiben, müssen aber Regeln einhalten: Besucher müssen sich mit Kontaktdaten registrieren , zwischen den Tischen muss ein Mindestabstand von zwei Metern gelten, Hygiene-Hinweise müssen ausgehängt werden.

Duisburg-Ruhrorter Wirt schickt Personal nach Hause „und schmeißt Laden alleine“

Auf der Theke von Adam Koslowski steht eine Rolle Küchenkrepp sowie Desinfektionsmittel. Tische und Bänke sind allerdings fest installiert. „Momentan habe ich die Terrasse geöffnet, damit wir die Regeln einhalten können“, erklärt der Gastronom, der im vergangenen Jahr die gutbürgerliche Kneipe an der Hafenstraße übernommen hat. Er ist überrascht, dass doch einige Gäste zum Mittagessen kommen. „Am Freitag hatte ich richtig Angst. Ich habe kurz vorher eingekauft und dann sind Gesellschaften und Veranstaltungen abgesagt worden.“

Nun hat er die Zahl der Gerichte reduziert. „Leber und Hähnchen werden einfach zu schnell schlecht, wir machen ja alles frisch.“ Stattdessen gibt’s Speisen, die sich gut vorbereiten lassen – Schnibbelbohnen oder Frikadellen beispielsweise. „Normalerweise koche ich auch im Kloster Beeck, aber zum Glück holen die Mönche sich ihr Essen ab und haben mir frei gegeben.“

Für ihn macht es einen Unterschied, ob er pro Tag 50 Euro einnimmt, die Miete läuft schließlich weiter. „Der Vermieter kommt mir zum Glück entgegen.“ Und bei schönsten Sonnenschein futtern die Leute aus Solidarität ihr Schnitzel.

Zollhaus verschiebt Tische und will Normalität aufrecht erhalten

Ein paar Meter weiter, im Zollhaus, hat der Betreiber die Tische auseinander gezogen und die obere Etage geöffnet, damit der Abstand eingehalten wird. Vor allem Trucker, die auf dem Weg in den Hafen sind, kehren in dem Restaurant ein.

Ansonsten läuft der Betrieb so normal, wie es zu Corona-Zeiten sein kann. „Es ist uns wichtig, in einer solchen Extremsituationen ein wenig Normalität aufrecht zu erhalten und unsere gewohnte Essens-Versorgung für euch weiter sicher zu stellen“, erklärt das Team auf der Homepage.

Alle gebuchten Veranstaltungen, darunter eine Party, müssen allerdings ausfallen. „Es tut uns leid, aber die Gesundheit von uns allen steht hundertprozentig vor anderen Dingen."

Wilder Wiener und „Merhaba“-Supermarkt richten Lieferdienst ein

Auch andere Gastronomen haben auf die veränderte Rahmenbedingungen reagiert. „Das ist ein Alptraum“, erklärt Walter Portner, Chef vom „Wilden Wiener“.

Er richtet ab Mittwoch einen Lieferservice ein und versorgt seine Duisburger Kunden mit Wiener Schnitzel, Kalbsgulasch „Erzherzog Johann“ oder Marillenpalatschinken. Die Karte ist allerdings kleiner als im Restaurant. Geliefert wird zwischen 18 und 21 Uhr an Personen, die sich nicht in Quarantäne befinden. Infos: 0203/93442512

Im „Finkenkrug“ sind die Quiztermine abgesagt und um mehr Abstand zwischen den Tischen zu haben, wird das Platzangebot reduziert. Um die Kundschaft aufzuheitern, gibt’s ein Bierangebot, „und genügend Klopapier ist auch vorhanden“, locken die Betreiber.

„Merhaba“ will Ältere in Wanheimerort beliefern

Jussuf Ilter hat gut zu tun: Supermärkte gehören gewissermaßen zu den Krisengewinnern. Die Regale sind gefüllt, „aber nur, weil wir schon um ein Uhr nachts am Großmarkt sind. Um vier Uhr bekommt man fast nichts mehr“, erklärt der Geschäftsmann, der 2011 den Laden „Merhaba“ an der Fischerstraße eröffnete. Während er Besorgungen macht, helfen seine Kinder, Selma und Hashem, aus. „Kolonya läuft. Das ist eine Art Desinfektionsmittel, riecht aber gut“, sagt er. Auch Tiefkühl-Produkte und Reis sind gefragt. Der 18-Jährige macht eine Ausbildung bei einem Discounter. Um im Familienbetrieb zu helfen, hat er sich nun frei genommen.

Ältere, die sich nicht mehr vor die Tür trauen, will Jussuf Ilter ab sofort in Wanheimerort beliefern. „Wir tun, was wir können, wir müssen doch zusammen halten.“ Nähere Infos: 0203/7398127

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