Coronavirus

Corona: Stadt Duisburg sagt Treffen mit über 200 Menschen ab

Die DVG will in Duisburg die Fronttüren ihrer Busse nicht mehr öffnen, um ihre Fahrer vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen.

Die DVG will in Duisburg die Fronttüren ihrer Busse nicht mehr öffnen, um ihre Fahrer vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen.

Foto: Zoltan Leskovar / FUNKE Foto Services / Zoltan Leskovar

Duisburg.  Die Stadt sagt Veranstaltungen mit über 200 Menschen ab. Viele Veranstalter verzichten. Es gibt neun Corona-Fälle. Nachrichten vom 12. März.

Der Krisenstab der Stadtverwaltung hat im Kampf gegen die rasche Ausbreitung des Coronavirus am Donnerstag ein Zeichen gesetzt und das organisierte Freizeitleben in Duisburg ausgebremst: Die Runde aus Vertretern von Ämtern, Feuerwehr und Polizei hat alle städtischen Sport-, Kultur- und Freizeitveranstaltungen mit mehr als 200 Teilnehmern zunächst bis zu den Osterferien abgesagt. Zudem rief der Stab private Veranstalter dazu auf, ebenso zu verfahren. Oberbürgermeister Sören Link wandte sich zudem mit einer Video-Botschaft an die Duisburger. Die Zahl der bekannten Corona-Fälle in Duisburg stieg indes um zwei auf neun Infizierte.

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Coronavirus: Sören Link ruft zu Solidarität auf

In seinem YouTube- und Facebook-Video appelliert Link mit ernster Miene an die Duisburger und erklärt, die Stadt orientiere sich bei ihrem Vorgehen an den „Vorgaben der Wissenschaft“. Oberstes Ziel müsse es sein, ältere und besonders gefährdete Mitbürger so gut wie möglich „zu schützen: Wir können auf kommunaler Ebene nicht gegen das Virus ankämpfen, aber wir können dazu beitragen, dass es sich nicht schnell verbreitet.“ Der „alles entscheidende Maßstab“ müsse nun Solidarität sein: „Solidarität mit Nachbarn, Freunden, Familien, unseren Mitmenschen“.

Die Stadt beobachte die Situation in den Kindertageseinrichtungen und Schulen weiter, versicherte der OB: „Wir sind hier im ständigen Austausch mit den zuständigen Landesbehörden.“

Bereits am Mittag brach der Krisenstab die am 6. März gestarteten Tanztage ab, zu denen 5000 Teilnehmer und 12.000 Zuschauer erwartet wurden. Die Tänzer waren seit Ende voriger Woche in der Qualifikationsrunde in der Rheinhausen-Halle gegeneinander angetreten. Das Finale sollte am Wochenende 28./29. März im Theater am Opernplatz ausgetragen werden. Eltern berichten, bei den ausverkauften Shows seien zuletzt bereits viele Zuschauerplätze leer geblieben.

Flut freiwilliger und angeordneter Absagen

Da der Erlass des Landesgesundheitsministeriums vom Dienstag nur Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern untersagt, treffe der Duisburger Krisenstab bei der täglichen Risikobewertung von Veranstaltungen „weiterhin Einzelfallentscheidungen nach Kriterien des Robert-Koch-Instituts“, sagte Stadtsprecherin Anja Kopka.

Gleichwohl empfiehlt die Stadt seit Donnerstag privaten Veranstaltern deutlich, sich der städtischen Regelung anzuschließen und ebenfalls alle Treffen abzusagen, zu denen mehr als 200 Menschen kommen.

Viele Vereine, Parteien und Veranstalter kamen dem Aufruf zuvor beziehungsweise schlossen sich an. Die Duisburger Grünen etwa beschlossen, alle Veranstaltungen bis Ostermontag abzusagen, auch ihre 40-Jahr-Feier am Sonntag. Die SPD zum Beispiel verschiebt die für Donnerstag geplante Veranstaltung zum Gedenken an den im November verstorbenen Ex-Oberbürgermeister Josef Krings. Die Deutsche Oper am Rhein setzt den Spielbetrieb bis zum 2. April aus. Am Abend teilte der Steinhof mit, dass das Kultur- und Bürgerzentrum Duisburg-Süd seine Verantwortung wahrnehme und „schweren Herzens beschlossen“ hat, alle Veranstaltungen zunächst bis zum 31. März abzusagen“ (Überblick zu kulturellen Veranstaltungen: lokale Seite 5).

Die DVG will fortan Fahrer und Fahrgäste vor Ansteckungen besser schützen und dazu bei allen Bussen ab Samstag, 14. März, die Fronttüren nicht mehr für den Ein- und Ausstieg öffnen. Die Fahrer verkaufen darum auch keine Fahrscheine mehr. Tickets sollen Passagiere alternativ etwa an Automaten und via App kaufen.

Stadtrat tagt in Mercatorhalle

Die Kommunalpolitiker müssen dagegen umziehen: OB Link hat die nächste Ratssitzung am Montag, 30. März, vom Ratssaal in die größere Mercatorhalle verlegt. Dort sollen die 84 Mitglieder den empfohlenen Sicherheitsabstand von ein bis zwei Metern einhalten können, um sich vor einer Tröpfcheninfektion zu schützen.

Auch die 15 Gemeinden und Einrichtungen des Evangelischen Kirchenkreises reagieren – verzichten auf größere Veranstaltungen und das Abendmahl, wollen der Empfehlung des Landeskirchenamtes folgen und versuchen, Konfirmationen und Taufen zu verschieben.

Die Krankenhäuser wollen Mitarbeiter und Patienten schützen, indem sie ihre Besuchszeiten einschränken.

>> DUISBURG: NEUN INFIZIERTE, 37 PERSONEN IN QUARANTÄNE

In Duisburg sind bislang neun Personen positiv auf das Coronavirus Sars-CoV-2 getestet worden (Stand: gestern, 18 Uhr). Zum Gesundheitszustand der an der Lungenkrankheit Covid-19 erkrankten Patientinnen und Patienten sagte Stadtsprecher Peter Hilbrands, bei allen Betroffenen sei der Verlauf bislang „mild“.

Gestern Abend befanden sich nach Hilbrands Informationen in Duisburg insgesamt 37 Personen in häuslicher Quarantäne, neben den Erkrankten also unbestätigte Verdachtsfälle.

Am Mittwoch war die Zahl der positiven Tests um vier auf sieben angestiegen. Die Sparkasse schloss wegen einer infizierten Mitarbeiterin die Filiale in Rheinhausen und schickte acht Mitarbeiter vorsorglich in häusliche Quarantäne.

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