Frischlinge

Corona-Auszeit: Im Duisburger Stadtwald gibt es Frischlinge

Frischlinge im Wildschweingehege im Stadtwald Duisburg. Der Nachwuchs sorgt für große Augen bei Besuchern in Zeiten von Corona.

Frischlinge im Wildschweingehege im Stadtwald Duisburg. Der Nachwuchs sorgt für große Augen bei Besuchern in Zeiten von Corona.

Foto: Kathrin Hänig

Duisburg.  Das Wildschweingehege im Duisburger Stadtwald ist in Zeiten von Corona sehr gut besucht. Wer genau hinschaut, kann drei Frischlinge beobachten.

Sie suhlen sich in der Sonne, grunzen aufgeregt und wühlen mit ihrer Schnauze den Erdboden um. Nachwuchs im Wildschweingehege! Die elfköpfige Rotte im Duisburger Stadtwald ist seit knapp zwei Wochen um drei Frischlinge erweitert. Zunächst war es sogar ein quiekendes Quartett mit dem längsgestreiften Fell. Förster Stefan Jeschke erklärt: „Der eine Frischling war von Anfang an sehr schwach. Er hat nicht überlebt. Sowas kommt in der Natur leider vor.“ Und weiter: „Wildschweine sind Kannibalen. Es kann also gut sein, dass das kleine Schwein von seinen Artgenossen aufgefressen wurde.“

Stefan Jeschke besucht die wilden Schweine in ihrem Gehege jeden Tag. Er füttert sie abends mit Getreide. Tagsüber bekommen sie von vielen Waldbesuchern etwas zugeworfen. Der Förster sagt: „Wichtig ist die Qualität und nicht die Menge. Nudeln landen nur auf der Hüfte. Brot und Toast sind gar nicht gut, weil beides zu schnell schimmelt.“ Und dann gibt er noch einen Tipp für Fütterfreunde: „Zitrusfrüchte mögen die Wildschweine gar nicht. Am besten ist Grünzeug.“

In Zeiten von Corona: Wildschweingehege gut besucht

Gerade in Corona-Zeiten, wenn der Zoo geschlossen und das Wetter auch noch so schön ist, wird der Wald so gut besucht wie nie. „Zu jeder Tag- und Nachtzeit“ begegne der Förster momentan Menschen im Wald. Und er sieht immer mehr Familien: „Die Spielplätze sind momentan gesperrt und unser Wald ist ja auch ein toller Spielplatz mit vielen Baumstämmen.“

Und obwohl es dort so voll ist, „nehmen die meisten Menschen Rücksicht. Es gibt nur wenig zu beanstanden.“ Doch es kommt auch Vandalismus in dem Naherholungsgebiet vor. Zerstörte Bänke und Graffiti etwa.

Wildschweine an der Mozartschule in Neudorf

Förster Stefan Jeschke erinnert sich, wie es zu der Einzäunung der Keiler und Bachen kam. Die Geschichte begann mit zwei Wildschweinen, die 2013 an der Mozartschule in Neudorf rumschnüffelten. „Ich kochte gerade Spaghetti Bolognese, da kam der Anruf von der Leitstelle.“ Von Polizei und Förster zurück in den Wald getrieben, lebten die Wildschweine dort wieder und es herrschte für einige Zeit Ruhe. Bis jemand den Förster erneut anrief mit den Worten: „Die Wildschweine sind zurück.“

Und dann musste sich Stefan Jeschke selbst davon überzeugen. Als er sah, wie die Schweine eine Joggerin verfolgten, war klar, dass eine Lösung her musste. So entstand das 10.000 Quadratmeter große Areal, eingezäunt im Wald am Aktienberg. Mit einer Wasserstelle und vielen Rückzugsmöglichkeiten wie Baumstämmen, hölzernen Häuschen und Kuhlen.

Im Schweinsgalopp zur Futterstelle wenn der Förster ruft

„Seitdem hab ich sie an der Backe“, sagt Stefan Jeschke und lacht. Die Schwarzkittel gehören tatsächlich zum Leben des Grünrocks. Nach Feierabend muss er immer nochmal hin. Auch am Wochenende. Und wenn er Urlaub hat, bittet er Freunde oder Bekannte, die Tiere zu füttern.

Wenn der Förster abends bei den Borstentieren erscheint, „kommen die im Schweinsgalopp zur asphaltierten Stelle im Gehege“. Da breitet er dann das Abendmahl aus: Getreide. „Aber auch nur, wenn es tagsüber nicht schon viel zu viel von den Besuchern gab.“

Tiere für die Landwirtschaft eine Bedrohung

Die alte Dame Blümchen ist mittlerweile geschätzte sechs Jahre. „Blümchen ist ein Riesenklotz und richtig alt für ein Wildschwein. In freier Wildbahn werden sie meistens nur ein Jahr alt, weil sie dann von Jägern geschossen werden.“

Denn für die Landwirtschaft sind die Tiere eine echte Bedrohung. Sie können ein Maisfeld von innen komplett auffressen – völlig unentdeckt, denn den äußeren Teil lassen sie einfach stehen. Im Wald sind die Sauen aber sehr gern gesehen. Sie pflügen den Boden um, lockern ihn und fressen Pilze und Würmer.

Und Menschen sind natürlich auch gern gesehen, so Förster Jeschke. Sie sollten sich nur gerade jetzt an den Sicherheitsabstand halten. Damit alle gesund bleiben und weiter Freude an Blümchen und den Frischlingen haben.

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