Stadtentwicklung

Campus Marxloh: Neuer Bildungsort für Duisburgs Norden

Campus Marxloh:Eine Gebäudeansicht aus dem  Siegerentwurfder Berliner Architekten Grundei/Kaindl.

Campus Marxloh:Eine Gebäudeansicht aus dem Siegerentwurfder Berliner Architekten Grundei/Kaindl.

Duisburg.   Der Schulausschuss bringt heute den Bau auf den Weg. Die Baukosten stiegen von 11,2 auf über 17,9 Millionen Euro. 90 Prozent kommen von der EU.

Das größte Einzelprojekt des Stadtteil-Entwicklungskonzepts Marxloh soll der Schulausschuss heute um 15 Uhr im Ratssaal mit seinem Beschluss auf den Weg bringen. Mit dem Neubau eines rund 18 Millionen Euro teuren Gebäudes für den „Campus Maxloh“ an der Herbert-Grillo-Gesamtschule soll ein innovativer schulischer und außerschulischer Lernort entstehen für Bildung, Qualifizierung, Kultur, Sport, Gesundheit und Begegnung. Es soll im Zentrum der Bemühungen stehen um die Stabilisierung des Nord-Stadtteils und die Integration der Zuwanderer aus Südosteuropa.

Breitere Treppenhäuser für den Brandschutz

Wichtige Entscheidungen sind bereits gefallen: Etwa über die 860.000 Euro Planungskosten und das Jury-Votum zum Entwurf der Berliner Architekten Grundei/Kaindl und der Landschaftsarchitekten Capatti/Staubau für das Gebäude mit Außenanlagen und Schulhof. Im Verlauf der Planung waren die Kosten allerdings von ursprünglich kalkulierten 11,2 auf über 17,9 Millionen Euro ins Kraut geschossen. „Weder Bauvolumen noch Materialität des Gebäudes waren bei der Auslobung des Wettbewerbs bekannt, für die Jury war die Qualität des Entwurfs ausschlaggebend“, erklärt die Verwaltung ihrer Ausschuss-Vorlage.

Die detaillierte Berechnung der Planer mit den städtischen Fachbereichen ergab dann aber einen um 23 Prozent höheren Flächenbedarf und ein entsprechend größeres Bauvolumen. Verantwortlich dafür: baurechtliche und technische Anforderung so wie der Brandschutz – er erfordert breitere Treppenhäuser als ursprünglich vorgesehen. Weil auch die Kosten für die Umgestaltung des Schulhofs im Wettbewerb „in nicht sinnvollem Umfang“ berücksichtigt wurden, stiegen auch hier die Kosten um rund 1,4 Millionen Euro.

Weil rund 90 Prozent der Kosten aus Mitteln des EU-Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) fließen, hofft die Stadt nun auf einen finanziellen Nachschlag aus Brüssel. „Unmittelbar nach dem Beschluss wird der Förderantrag eingereicht“, kündigt die Verwaltung an, „mit einer Bewilligung ist im Oktober 2019 zu rechnen“. Der städtische Eigenanteil beläuft sich auf rund 1,7 Millionen Euro. Der Baubeginn soll noch im Herbst dieses Jahres erfolgen. Die Eröffnung könnte dann 2022 gefeiert werden.

Teufelskreis aus Armut und Arbeitslosigkeit

Mit dem Campus Marxloh soll die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, jedem Bewohner, der Hilfestellung benötigt, entsprechende Angebote zu machen. Erwachsenen soll geholfen werden, selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen und ihre Kinder bestmöglich zu fördern. Die wiederum sollen aus dem Teufelskreis aus Armut und Arbeitslosigkeit im Elternhaus, geringer eigener Schulbildung sowie beruflicher Qualifikation ausbrechen.

Auf vier Geschossen soll das Kultur- und Bildungszentrum – geplant ist auch ein Saal für 200 Besucher – Raum bieten für die Marxloher Netzwerk-Akteure wie den Runden Tisch, die Werkkiste und den Verein „Tausche Bildung für Wohnen“. Die Schulen im Stadtteil sollen das Haus nutzen können, um die zahlreichen Seiteneinsteiger unter den Schülern zu fördern.

>>>Raum für Kooperationsprojekte der Schulen

Der Schulleiter der Grillo-Gesamtschule, Thomas Zander, freut sich über das neue Campus-Gebäude, hofft allerdings darauf, dass im gleichen Zuge auch die Gebäude seiner Schule endlich saniert werden. Dafür stehen rund vier Millionen Euro bereit. Eine Planung gibt es bereits, die Umsetzung könne eventuell noch in diesem Jahr beginnen, hat das städtische Immobilien-Management (IMD) ihm signalisiert.


Die Marxloher Schulen haben bereits im vergangenen Jahr ein eigenes Konzept zur Kooperation im Stadtteil vorgelegt. Gemeinsame Projekte könnten künftig auf dem neuen Campus umgesetzt werden. Als Partner ist dafür die Wübben-Stiftung im Gespräch. Das bestätigte ihr Geschäftsführer Dr. Markus Warnke am Rande eines Termins im Rathaus am vergangenen Freitag. Die Düsseldorfer Stiftung setzt sich für Projekte zur Förderung der Chancengleichheit in der Bildung unabhängig von der sozialen Herkunft ein.

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