„Grünes Band“

BUND drangsaliert kleinen Duisburger Naturwerkstatt-Verein

Baumprojekt: Grundschüler der Sandstraße pflanzten 2011 die ersten Obstbäume an der alten Zechenbahn an der Warbruckstraß

Foto: Lars Fröhlich

Baumprojekt: Grundschüler der Sandstraße pflanzten 2011 die ersten Obstbäume an der alten Zechenbahn an der Warbruckstraß Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.   Den Begriff „Grünes Band“ hat der BUND sich schützen lassen. Weil die Naturwerkstatt ihn unwissentlich verwendete, soll sie nun dafür zahlen.

Zu schreiben, der BUND schieße mit Kanonen auf Spatzen, wäre eigentlich ein schwieriges Bild. Allerdings nicht ganz unpassend für den Umgang der großen Naturschutzorganisation mit dem kleinen Duisburger Naturwerkstatt-Verein (15 Mitglieder). Weil der den Begriff „Grünes Band“ für ein Baumpflanz-Projekt verwendete, sollte er 1200 Euro an einen BUND-Anwalt zahlen. Der wacht über die unberechtigte Verwendung der Wort-Kombination: Die ist seit 2001 geschützt für das gleichnamige BUND-Projekt für die Entwicklung des einstigen Grenzstreifens zwischen BRD und DDR zu einem durchgehenden Naturschutzgebiet.

Verein: Wir waren ahnungslos

Inzwischen wurde die Forderung auf 300 Euro reduziert, berichtet Naturwerkstatt-Geschäftsführer und BUND-Mitglied Martin Scholz. Ob nun schlechtes Gewissen dazu geführt hat, sagt die Öko-Organisation nicht. Über ihre Berliner Sprecherin Yvonne Weber lässt sie mitteilen: „Selbstverständlich hat der BUND kein Interesse daran, kleine Initiativen oder eigene Mitglieder zu schädigen.“ Der Verein mit Blockhütte und Bauwagen unweit des Forsthauses am Wambachsee in Großenbaum hat allerdings genau dieses Gefühl: „Für uns sind auch 300 Euro viel Geld. Das gefährdet solche kleinen Projekte wie dieses.“

Erdacht wurde es 2010 als Teil der Veranstaltungsreihe „Marxloh macht“. Dort entstand die Idee, gemeinsam mit Kindern im Nord-Stadtteil junge Obstbäume zu pflanzen. Die Pflanzungen bei der durch Spenden und Kurseinnahmen finanzierten Aktion organisierte der Verein Naturwerkstatt, die Wirtschaftsbetriebe als Projektpartner sagten zu, die Pflege der Jungbäume zu übernehmen. Eine Baumreihe zwischen Kirche und Moschee sollte so entstehen. Der Weg zum Projekt-Namen „Grünes Band zwischen Orient und Okzident“ war da naheliegend.

Zu keiner Zeit, betont Martin Scholz, habe die Absicht bestanden, als Trittbrettfahrer des BUND-Projekts aufzutreten und als Konkurrent bei der Einwerbung von Spenden. „Natürlich kannte ich das Grenzstreifen-Projekt des BUND. Aber ich hatte überhaupt keine Ahnung, dass der Projektname geschützt ist und wir ihn nicht verwenden dürfen.“

Mit der Marken-Eintragung beim Patentamt habe man bereits 2001 sicherstellen wollen, dass der Begriff ebenso wie das „Grünes Band“-Logo „nur in inhaltlichem Zusammenhang mit dem Naturschutzprojekt am ehemaligen Deutsch-Deutschen Grenzstreifen und Biotopverbund, dem Grünen Band, Verwendung findet, um dessen Einzigartigkeit herauszustellen“, so BUND-Sprecherin Weber. Gleichwohl bekomme „jeder, der sich für das Grüne Band als Naturschutzprojekt einsetzt, auf Anfrage eine kostenlose Nutzungsvereinbarung“.

Konkurrenz um Spenden

Mit Martin Scholz hat’s keine Einigung gegeben. „Ich habe angeboten, auf unserer Seite für das BUND-Projekt zu werben, aber darauf ist man nicht eingegangen“, berichtet der Geschäftsführer. „Natur verbindet, Grenzen trennen“, findet er, „und der BUND baut hier Grenzen auf.“

Ins Fadenkreuz rückte die Naturwerkstatt nicht allein durch die bayrische Anwaltskanzlei, die im Auftrag der Öko-Organisation eine monatliche Internetrecherche macht. Die rechtlichen Schritte erfolgten „in Absprache mit dem BUND“, so die Sprecherin. Allerdings sei die „anwaltliche Berechtigungsanfrage“, die der Duisburger Verein bekam, „die mildeste Form der Herangehensweise“.

„Man hätte mich auch einfach schriftlich auffordern können, unseren Projekttitel zu ändern. Aber denen geht es um die Spenden, die sie alle für sich allein haben wollen“, mutmaßt Martin Scholz. Bemerkenswert findet das langjährige BUND-Mitglied, dass die Organisation mittlerweile die eigenen Mitglieder für solche Vergehen zur Kasse bittet. Das „Grüne Band der Sympathie“ einst beansprucht von der untergegangenen Dresdner Bank, gebühre dem BUND dafür nicht, findet Scholz.

Obstbäume zwischen Orient und Okzident

Mittlerweile hat die Naturwerkstatt die Unterlassungserklärung gegenüber dem BUND unterzeichnet und verzichtet auf die Verwendung der Wortkombination „Grünes Band“.

„Obstbäume zwischen Orient und Okzident“ ist der neue Name des Projekts. Infos für Unterstützer auf der Website: www.naturwerkstatt-on-tour.de.

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