Familienträgodie

Brennende Kerze wohl Ursache für tödliches Feuer in Duisburg

Mit Leitern retteten Feuerwehrleute Bewohner aus dem Haus, während wenige Meter entfernte dichte Qualmwolken aufsteigen.

Foto: FUNKE Foto Services

Mit Leitern retteten Feuerwehrleute Bewohner aus dem Haus, während wenige Meter entfernte dichte Qualmwolken aufsteigen. Foto: FUNKE Foto Services

Duisburg.  Der Brand in dem Wohnhaus in Meiderich, bei dem am Dienstag eine Mutter und ihre zwei Söhne starben, wurde wohl durch Fahrlässigkeit ausgelöst.

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Verzweiflungsrufe und Schmerzensschreie gellen über die Straße, während Rettungskräfte und Ärzte auf einer Wiese um das Leben von Verletzten kämpfen und sich das Feuer weiter durch den Dachstuhl frisst: Drei Menschen, eine 33-jährige Mutter und ihre acht und 14 Jahre alten Söhne, sterben bei dem verheerenden Brand am Dienstagmorgen in einem viergeschossigen Wohnhaus an der Straße „Unter den Ulmen“ in Meiderich. Fast 30 Verletzte werden gerettet.

Das Wohnhaus mit ausgebautem Dachgeschoss geriet zur tödlichen Falle: In der rückwärtigen Erdgeschoss-Wohnung war das Feuer frühmorgens aus zunächst ungeklärter Ursache ausgebrochen. „Das ist das Heimtückische an solchen Bränden, wenn sie in den Morgenstunden ausbrechen und die Menschen im Schlaf überraschen“, wird später der herbeigeeilte NRW-Innenminister Ralf Jäger sagen, der in derselben Straße aufgewachsen ist.

Fast 30 Verletzte im Krankenhaus - Bewohner wollten in die Tiefe springen

Zur Katastrophe wurde der Zimmerbrand, weil die Flammen hinter der grauen Putzfassade rasend schnell an der leicht brennbaren Wärmedämm-Fassade bis zum Dachgeschoss hochjagten. „Wie eine Zündschnur in einem Kamin“, beschreibt Duisburgs Feuerwehrchef Oliver Tittmann. Kein Einzelfall. Heute vorgeschriebene Brandbarrieren machen die Feuerwehrleute an der schwarz verkohlten Feuerschneise nicht aus.

Als die Feuerwehr kurz nach dem Alarm, der um 5.40 Uhr einging, eintrifft, dringen schon dichte Qualmwolken aus den geöffneten Fenstern, an denen Bewohner laut um Hilfe schreien. Noch dramatischer ist die Lage an der in einem Hinterhof versteckten Rückfront des Hauses. Nur mit Mühe kann die Polizei verzweifelte Bewohner davon abhalten, in die Tiefe zu springen.

Während rechts am Haus schon mit Drehleitern erste Wasserstrahlen durch die Fenster donnern, legen Retter links Leitern an die Hauswand, um die Menschen aus den Wohnungen zu holen. Andere werden mit Brandschutzhauben über das verqualmte Treppenhaus geborgen, auch eine ältere Dame mit ihrem Rollator, selbst eine Katze tragen die Retter ins Freie, wo Bewohner und stehen, die sich daran erinnern, dass erst vor zwei Jahren eine dreiköpfige Familie hundert Meter die Straße herunter bei einem Feuer ums Leben gekommen war.

„Bei so vielen Verletzten geht Menschenrettung vor Brandbekämpfung“, erklärt Einsatzleiter Andreas Trepmann. Also hasten Retter mit Atemschutzmasken ins Haus, während das Feuer zunächst weitgehend ungehindert den Dachstuhl zerstört. Mehrere Schwerverletzte werden zeitgleich auf einer gegenüberliegenden Wiese reanimiert. Sie haben schwerste Rauchvergiftungen, auch schlimme Brandverletzungen. Angehörige bangen um das Leben von Familienmitgliedern. „So ein schreckliches Geschrei habe ich noch nie gehört“, stockt Anwohnerin Maria Sach in ihren Beschreibungen: „Ich bin geschockt“. Selbst Feuerwehrchef Tittmann spricht von einem „sehr belastenden Einsatz“. Und Duisburgs Polizeipräsidentin Elke Bartels meint: „Das geht mir so nah.“

Feuer fraß sich die Fassade des Mehrfamilienhauses hoch

Für eine 33-jährige Mutter und ihren achtjährigen Sohn kommt jede Hilfe zu spät. Sie sterben noch an der Brandstelle. Die rumänische Familie lebte in der 3. Etage. Noch während der weiteren Löscharbeiten, als die Feuerwehr noch drei Stunden später Brandnester unter Ziegeln entdeckt, kommt die traurige Nachricht aus dem Krankenhaus: Auch der 14-jährige Sohn der Familie hat es nicht geschafft.

Zwei weitere Schwerverletzte liegen in Kliniken. Wegen der hohen Anzahl der Verletzten hatte das Sana-Klinikum, in das die Verletzten gebracht worden waren, den Notfallplan ausgelöst. Die sofortige Notfallversorgung wurde auch durch zusätzlich herbeigerufene Ärzte- und Pflegeteams des Instituts für Notfallmedizin und der Zentralen Notaufnahme übernommen. 22 Verletzte können das Sana-Klinkum nach Untersuchungen wieder verlassen.

CDU-Ratsfrau aus Meiderich nimmt nach Brand Mutter mit drei Kindern auf

Eine Bleibe haben sie alle nicht mehr. Das Mietshaus ist nicht mehr bewohnbar. Duisburgs Sozialdezernent Reinhold Spaniel kündigt an, zu helfen. Zusammen mit der Meidericher CDU-Ratsfrau Gertrud Bettges, die selbst eine Mutter mit drei Kindern aufnimmt, können 16 Personen in möblierte Wohnungen untergebracht werden.

Schon Innenminister Jäger hatte morgens darauf verwiesen, dass das Feuer in einer Wohnung und nicht an „frei zugänglicher“ Stelle ausgebrochen war. Ein Gerüchte-Schwelbrand zu einer Brandstiftung in dem „bunt gemischten“ Wohnhaus war damit ausgetreten. Später schloss eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Vorsatz oder Brandstiftung definitiv aus,Fahrlässigkeit sei Ursache für den Ausbruch des Feuers im Erdgeschoss, möglicherweise durch eine Kerze.

Brand einer Hausfassade in Neudorf endet glimpflich

Einige Meter weiter an der Straße "Unter den Ulmen" waren im April 2014 drei Menschen bei einem Brand umgekommen. Damals starb ein Ehepaar und ihr fünf Monate altes Baby. Brandursache war damals ein technischer Defekt in der Verkabelung eines Imbisses.

Am Nachmittag musste die Feuerwehr zu einem weiteren Brand in einem siebengeschossigen Mehrfamilienhaus in Neudorf ausrücken. Dort brannte es im Erdgeschoss hinter der Fassade. Vorsorglich wurden die Bewohner evakuiert, verletzt wurde niemand. Nach Abschluss der Löscharbeiten konnten die Bewohner wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. In Neudorf ist alles glimpflich abgelaufen.

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