Großprojekt

„The Curve“ in Duisburgs Innenhafen kann zum Millionengrab werden

Der Baugrund hinter der Promeandentreppe ist zum großen Problem für „The Curve"  geworden

Foto: Christoph Wojtyczka

Der Baugrund hinter der Promeandentreppe ist zum großen Problem für „The Curve" geworden

Duisburg.   Das Projekt „The Curve“ steht auf der Kippe. Die Kosten für die Baureifmachung des Geländes sind unabsehbar. Jetzt muss die Politik entscheiden.

Das Duisburger Großprojekt „The Curve“ am Innenhafen ist erst einmal gestoppt. Der Stadt drohen Kosten in noch unbekannter Millionenhöhe für die Baureifmachung des Baugrundstücks an der Promenadentreppe am ehemaligen Holzhafen. Ob sie überhaupt möglich ist, müssen weitere Gutachten klären. Ein Baustart im nächsten Jahr ist erst einmal vom Tisch. Am Montag soll der Rat in nichtöffentlicher Sitzung das weitere Vorgehen beschließen. In der Politik herrscht Alarmstimmung, während der Chef der städtischen Wohnungsbautocher Gebag, Bernd Wortmeyer, und Duisburgs Baudezernent Carsten Tum weiter überzeugt sind: „The Curve wird kommen.“

Großes Problem ist das Erdreich an der Treppenanlage. Die Stadt war vertraglich verpflichtet, für den Düsseldorfer Entwickler „The Developer“, der an der Sichel für 150 Millionen Euro Hotels, Wohnungen und Büros bauen will, das Grundstück auf eigene Kosten baureif zu übergeben. Bei der Untersuchung des Bodens erlebte die von der Stadt beauftragte Gebag allerdings böse Überraschungen.

2017 Zweifel an der Tragfähigkeit

Schon Ende 2017 kamen laut Stadt „erhebliche Zweifel hinsichtlich der generellen Tragfähigkeit des Untergrunds“ auf. Bodenproben widersprachen auch den ersten Gutachten. „Der Boden war völlig anders als erwartet“, so Wortmeyer. Das bisher geplante Verfahren, mit 3000 Rüttelstopfsäulen dem Baugrund Stabilität zu geben, stand zur Disposition. „Infolgedessen wurde gemeinsam mit den Developern versucht, die Planungen für das Gebäude anzupassen, um dieses auch auf einem weniger tragfähigen Boden errichten zu können“, so die Stadt in einer Pressemitteilung.

Damit nicht genug: Das Gelände war 2007 mit erzhaltigen Abraummaterial aus dem Steinkohlebergbau verfüllt worden, so dass die geforderte Suche nach Blindgängern mit den üblichen Metallsondenverfahren nicht möglich ist. Die Stadt hat dabei offenbar die damalige Innenhafen Entwicklungsgesellschaft (IDE) im kritischen Blick: „Obwohl seinerzeit im Plangenehmigungsverfahren die Verfüllung des Hafenbeckens mittels Kies-Sand-Gemisch gutachterlich vorgegeben wurde“, habe sich die IDE „stattdessen für das Einbringen eines Abfallmaterials aus der Steinkohlegewinnung“ entschieden. Auch die „dringend erforderliche und ebenfalls vom Gutachter vorgegebene Verdichtung mittels sogenannter Rüttelstopfsäulen unterblieb ganz“.

Und dann kam das Hochwasser

Und dann kam das Hochwasser, das Stadt und Gebag als ebenso kosten- wie zeitträchtigen Faktor anführen. Von November 2017 bis März 2018 standen die Arbeiten still. Erst im April zeigte sich dann laut Stadt das ganze Ausmaß der Bodenprobleme.
In der Zwischenzeit waren die Kosten deutlich gestiegen: 3,5 Millionen Euro waren dafür veranschlagt und vom Rat im Juli 2017 beschlossen. Sie sind jetzt schon auf 5,35 Millionen Euro gestiegen. „Um einen Fortgang der Entwicklung des Grundstücks sicherzustellen“, so die Stadt am Donnerstag in einer Mitteilung, wird dem Rat nun vorgeschlagen, der Erhöhung zuzustimmen. Zusätzlich sollen 500 000 Euro für ein alternatives Verfahren der Kampfmittelsondierung beauftragt werden. Aus Politikkreisen gibt es schon großen Unmut, dass die Mehrkosten ohne vorherigen Ratsbeschluss verausgabt wurden.

Erst nach weiteren Ergebnissen der Kampfmittelsondierungen und einem Konzept plus Kostenschätzung für die Baureifmachung des Grundstückes soll der Rat weitere Entscheidungen treffen. Die Kosten sind noch völlig unabsehbar. Schon jetzt hat die Stadt die Frist für die Baureifmachung überschritten. Zum 30. April hätte sie abgeschlossen sein sollen. Deshalb will die Stadt mit dem Düsseldorfer Investor Änderungen der wesentlichen Vertragsinhalte neu verhandeln. Auch dazu soll der Rat am Montag sein Okay geben.

Rat muss am Montag entscheiden

Außerdem soll er „bekräftigen“, dass Duisburg „unter Wahrung der Kosten-Nutzen-Relation“ an der „The Curve“-Planung festhält. Bei Informationsrunden der Stadt in den Fraktionen von CDU und SPD war das Entsetzen groß. Es gab auch noch keine Entscheidungen über die Abstimmung am Montag.

Unterdessen prüft die Stadt Schadensersatzansprüche gegen Beteiligte. Dazu gibt es anwaltliche Unterstützung. Noch gänzlich offen sind auch mögliche Schadensersatzforderungen der Investoren an die Stadt für die Zeitverzögerung oder bei einem möglichen Aus für „The Curve“.

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