Kunst und Archiv

Ausstellung im Landesarchiv gilt der Kunst des Bewahrens

Tim Löhde und Anselm Faust haben die Ausstellung mit Klängen und Bildern entwickelt.

Tim Löhde und Anselm Faust haben die Ausstellung mit Klängen und Bildern entwickelt.

Foto: Lars Fröhlich

dUISBURG:   Das Landesarchiv im Innenhafen macht seine Arbeit zum Thema einer Ausstellung. Klänge und Bilder regen zur Auseinandersetzung an.

Mit Kunst haben Archive „schon immer zu tun gehabt“, sagt Frank M. Bischoff, Präsident des Landesarchivs NRW. Archive hüten Schätze wie historische Urkunden oder Bücher, die zum Teil mit prächtiger Malerei ausgestattet sind. Oder aber sie sind wichtige Anlaufstellen, wenn es zum Beispiel um die Provenienzforschung geht. So waren in den vergangenen Jahren besonders oft Unterlagen gefragt, die belegen konnten, wie jüdische Sammler wegen der Verfolgung in der Nazi-Zeit gezwungen waren, ihre Kunst vor ihrer Flucht aus Deutschland zu lächerlichen Preisen zu verkaufen.

Dass das Landesarchiv im Innenhafen nun die eigene Arbeit mit Kunst verbindet, ist ein ungewöhnlicher Ansatz. Für die Ausstellung „Die Kunst des Bewahrens“ hat man den jungen Künstler Tim Löhde und den ehemaligen Mitarbeiter Anselm Faust zusammengebracht, der sich als Archivar mit Fotos und als aktiver Fotograf künstlerisch mit dem Bild beschäftigt hat.

Zwei Foto-Serien von Anselm Faust zu sehen

„Ein Feuerwerk an Ideen“ hätten die beiden für die Ausstellung entwickelt, sagt Archivleiterin Martina Wiech. Fausts Bilder und Löhdes Hörkunst, ergänzt um „klassisches“ Archivmaterial, bieten viele Anregungen und Ansätze, um ins Thema einzutauchen.

Faust, 1943 in Duisburg geboren, zeigt zwei Foto-Serien. In der einen hat er den ehemaligen Standort des Landesarchivs in Düsseldorf, nachdem alles für den Umzug nach Duisburg 2014 ausgeräumt war, dokumentiert. „Plötzlich verlassen“ sei ihm sein langjähriger Arbeitsplatz vorgekommen, sagt Faust. In einer anderen Serie hat er seine Kollegen fotografiert: Einmal als Ganzkörperaufnahme, und einmal mit einem Karton vor dem Kopf mit der Aufschrift „Ich bin das Archiv“ als Hinweis darauf, dass Archivare oft im Verborgenen wirken – und manchmal hinter ihren Akten zu verschwinden scheinen. Diese Aufnahmen werden als laufende Projektionen gezeigt.

Die Geschichte der Audio-Aufnahmen

Tim Löhde (Jahrgang 1990), der bei Andreas Gursky in Düsseldorf studiert hat, hat ein Hörspiel über die Geschichte der Audio-Aufnahmen geschrieben und auf einer modernen Schallplatte aufgenommen, einer Dubplatte, in die das Audiomaterial geschnitten wird.

Über einen Kopfhörer können die Besucher so zum Beispiel die allerersten Töne hören, die jemals aufgenommen wurden, so Löhde, der weltweit in Audioarchiven unterwegs ist und zur Technik des Archivierens und der Wiedergabe forscht. Sein Hörspiel beginnt mit den Tönen, die 1869, schon 20 Jahre vor Edison, ein Franzose namens Edouard-Leonard Scott de Martinville (1817-1879) aufgenommen hat – mit Hilfe einer Rußrolle, einer Membran und Schweineborsten. Gehört werden konnten die Töne erst 2008 mit Hilfe von Computern: ein Brummen.

Ergänzt wird die Ausstellung durch Material aus dem Bestand des Landesarchivs. Das reicht von einer kunstvoll gestalteten Petition an den Papst aus dem Jahre 1501 über Rubens-Zeichnungen einer Orgel von etwa 1620 bis hin zu Kinderzeichnungen und einem Brief, mit dem Dozenten der Düsseldorfer Kunstakademie 1972 bei Ministerpräsident Johannes Rau gegen dessen fristloser Entlassung von Joseph Beuys als Professor protestiert hatten.

>>> BEGLEITENDE VORTRAGSREIHE

Die Ausstellung wird am Dienstag, 18. September, um 18 Uhr an der Schifferstraße 30 eröffnet. Tim Löhde spielt improvisierte Musik.

Begleitet wird die Ausstellung von einer Vortragsreihe, die verschiedene Aspekte des Themas „Kunst des Bewahrens“ aufgreift. Sie beginnt am 30. Oktober mit Christoph Danelzik-Brueggemann vom Stadtmuseum Düsseldorf und dem Thema „Fotografie im Museum – zwischen Kunst und Geschichte“. Am 6. November stellt Günter Herzog „Das Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung“ in Köln vor. Barbara Segelken von der Draiflessen-Collection in Mettingen spricht am 20. November unter dem Titel „...aus totem Stoff ein Lebendiges zu gestalten“. Und Anselm Faust widmet sich am 4. Dezember dem hochaktuellen Thema „Fotos, Fakes und Fälschungen. Zum kritischen Umgang mit dokumentarischen Fotos“.

Beginn der Vorträge ist immer um 18 Uhr, jeweils um 17.30 Uhr gibt es Führungen.

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