Frank Goosen ist für viele Duisburger kein Unbekannter. Jan-Pieter Barbian, der Leiter der Duisburger Stadtbibliothek, bezeichnete den Bochumer am Donnerstagabend in der Zentralbibliothek sogar als geschätzten Stammgast.

Goosen konnte dort seinen jüngsten Roman „Spiel ab“ erst im zweiten Anlauf vorstellen. Eigentlich war die Lesung bereits Anfang November geplant, wegen einer Erkrankung des Autors musste die Veranstaltung verschoben werden. In Frank Goosens Romanen spielen der Fußball, das Ruhrgebiet und die Jugendzeit, die er dort verbracht hat, die bestimmende Rolle.

Frank Goosen richtet sich an Fans des MSV Duisburg

So startete er in den höchst vergnüglichen Leseabend nicht, ohne auf die aktuelle Befindlichkeit der Duisburger MSV-Anhänger einzugehen: „Ich weiß, wie es den Fans derzeit zumute ist.“

Der Schriftsteller und Kabarettist mit dem großen Fußballherzen ist bekennender Ruhrgebietler, lebt nach wie vor in Bochum. Als Achtjähriger besuchte er zum ersten Mal ein Spiel im Ruhrstadion. Bis heute lässt ihn der Fußball nicht mehr los, der heute 57-Jährige war sogar sieben Jahre im Aufsichtsrat des VFL tätig.

Weil die Mannschaft seines Sohnes, der bei der DJK Arminia Bochum kickte, dringend einen Trainer suchte, übernahm er trotz seiner beruflichen Belastung den Job: „Ich bin in dieser Zeit nur dienstags und donnerstags aufgetreten, Training und Spieltag bestimmten meinen Tour-Kalender.“

Vier Jahre dauerte Goosens Engagement im Jugendfußball, seine dort gemachten Erfahrungen hat er zu einem Roman verarbeitet. Er erzählt mit viel Herz und Humor von einer aufmüpfigen Jugendmannschaft im nicht gerade unproblematischen C-Jugend-Alter. Und von dem fiktiven Trainer „Fränge“ und seinen ebenfalls zur Mitarbeit verpflichteten Freunden „Förster“ und „Brocki“.

Dabei lernen die ins kalte Wasser geworfenen Protagonisten sehr viel über den Mikrokosmos Kreisligafußball und darüber, wie Jungs in einer multikulturell zusammengesetzten Mannschaft ticken.

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Goosen erzählt nicht nur von Kids mit völlig unterschiedlichen Charakteren, sondern auch von überehrgeizigen Vätern, von Eltern, die ihren Nachwuchs schon mal selbst auswechseln und von Trainern, die mit Medizinbällen Torschusstraining üben. Er lässt aber auch den Alltagsrassismus nicht aus, der auch im Jugendbereich anzutreffen ist.

Wie viel von Frank Goosen in seinen Romanfiguren steckt, kann nur vermutet werden. Jedenfalls hat sein damaliges Team bei dem Bochumer tiefen Eindruck hinterlassen, vieles in „Spiel ab“ scheint authentisch. Für die Besucher des launigen Leseabends bringt Goosen den Charakter seines Romans auf den Punkt: „Alles was ich schreibe und auf der Bühne erzähle, ist wahr. Nur ist nicht alles auch passiert.“ Vermutlich aber vieles.

Info: Der Roman „Spiel ab“ ist im Verlag Kiepenheuer & Witsch unter der ISBN 978-3-462-00414-4 erschienen, kostet 23 Euro und hat 336 Seiten.