Manchmal denke ich an Janina. Mit ihren feuerroten Haaren, stechend grünen Augen, dem Piercing im schelmisch lächelnden Mundwinkel und der schlabbrigen Hose, die sie häufig trug, besaß sie in der angepassten Masse aufgeregter Erstis etwas Ausgeflipptes. Deshalb mochte ich sie. Wir verstanden uns gleich an unserem ersten Tag hervorragend, ich wollte mich mit ihr anfreunden. Doch Janina wollte das nicht, nicht ehrlich – und das lag auch an Duisburg.
Wir lebten im selben Studierendenheim an der Kammerstraße, im fünften Stock. Von meinem Fenster aus konnte ich den Balkon vor ihrer Eingangstür sehen. Ich erinnere mich an eine Party in ihrer WG, bei der auch ihre alten Schulfreunde zugegen waren. Sie fuhren später nach Hause, nach Neuss. Doch Janina befürchtete ob der neuen Lebensphase, dass der Kontakt zu ihnen abbrechen würde. Sie war getrieben von der Angst zu vereinsamen und schien nicht verstehen zu wollen, dass ich jetzt, im Studium, eine ebenso bedeutende Person für sie hätte werden können.


