Die Hand von Pascal Przemus zittert sichtbar, als er die Vorderansicht eines Bauteils auf dem Projektor vervollständigt. „Kein Wunder. Dazu gehört Mut, das vor allem auf der großen Bühne zu machen“, sagt Prof. Dr. Arun Nagarajah und reicht seinem Studenten ein Papiertaschentuch zum Radieren. Für die Maschinenbau-Erstsemester hat er den „Engineer-Warrior“ ausgerufen. Dabei geht’s beim Krieg der Ingenieure im Audimax der Universität Duisburg-Essen (UDE) eigentlich nur um die Vorbereitung auf die Klausur.
Die ersten Prüfungen sind immer mit großen Unsicherheiten verbunden, weiß der Professor am Lehrstuhl für Produktentstehungsprozesse und Datenmanagement (IPE) am Duisburger Campus. Wie bereite ich mich vor? Welches Wissen ist gefragt? Wie wird bewertet? Das sind Fragen, die Studierende umtreiben. „Es soll Spaß machen, deshalb will ich die Themen über Spielelemente vermitteln“, hat Nagarajah angekündigt, kurz nachdem er im vergangenen Jahr aus der Industrie an die Hochschule wechselte. „Der Spieltrieb treibt uns immer an.“

„Gamification“ lautet das Stichwort, die Vermittlung von Wissen auf spielerische Art. „Ninja Warrior“, die weltweit erfolgreiche japanische Show dient auch den Ingenieuren als Vorbild: Kandidaten lösen Aufgaben live auf der Bühne, die Lehrenden korrigieren für alle sichtbar und erklären die Bewertung, das Publikum kann nicht nur mitfiebern, sondern auch selbst die Aufgaben lösen und so das eigene Wissen überprüfen.
Es geht um räumliches Verständnis
Die Resonanz mit 60 Bewerbern, sie erforderte einen Losentscheid, hat Arun Nagarajah überrascht: „Respekt vor Ihrem Mut. Das muss man sich trauen, sich hier vor 250 Leuten auf die Bühne zu stellen.“ In vier Dreier-Gruppen, die gegeneinander antreten, trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Immer geht es in den Aufgaben um räumliches Verständnis und das grundsätzliche Wissen über Bauteile wie Schrauben und Zahnräder. Vorder- und Draufsichten müssen zugeordnet, Seitenansichten vervollständigt werden.

„War das fair?“, fragt Nagarajah und nach beifälligem Murmeln von den Rängen: „Warum haben Sie also Angst vor der Klausur.“ Schwieriger wird’s in den Finals. Eine 3-Tafel-Projektion ist zu vervollständigen mitsamt der verdeckte Kanten. Eine lösbare Aufgabe – Jonas Focken bekommt die volle Punktzahl und ist der erste Sieger beim Krieg der Ingenieure. Kein Hexenwerk, sagt der Professor: „Technisches Zeichnen ist wie Vokabeln lernen. Man muss es wissen.“
Sponsoren finanzierten die Siegerpreise
Keine Gameshow ohne Sieg, kein Sieger ohne Preis: Damit diese Gleichung aufging, konnten die Maschinenbauer auf Sponsoren für den ersten Engineer-Warrior zählen.
Unterstützt wurde die Veranstaltung von Archtech Consulting (Köln), dem Software-Hersteller Keytech (Recklinghausen) und Siemens. Sie finanzierten Handy, Tablet und Smart-Uhr für die Erstplatzierten.


