• Thomas Mahlberg kandidiert am 30. Juni erneut für den Vorsitz des Duisburger CDU-Kreisverbandes
  • Jürgen Quensell, Ratsmitglied und stellv. Kreisvorsitzender in den 1980er Jahren, tritt gegen Mahlberg an
  • Gegen die Politik des aktuellen Duisburger CDU-Vorstands erhebt der 63-jährige Rahmer heftige Kritik

Den einst erfolgreichen Leichtathleten sieht man ihm auf den ersten Blick ebenso wenig an wie den Major der Reserve, doch die Lust zu kämpfen hat er nicht verloren: Jürgen Quensell tritt beim CDU-Kreisparteitag gegen den langjährigen Vorsitzenden Thomas Mahlberg an. Gehör verschafft er sich mit deutlichen Worten. „18 Jahre Parteichef, das ist pervers“, findet der Rahmer.

Nach fast 30 Jahren meldet sich der 63-Jährige mit einem Paukenschlag zurück bei den Duisburger Christdemokraten, wo er als JU-Vorsitzender (1975-1983) auch dem Landes- und Bundesvorstand der Nachwuchsorganisation angehörte. Als stellvertretender Kreisvorsitzender und Ratsmitglied habe er als „Kronprinz“ des damaligen Kreisvorsitzenden Karl van Hall gegolten, sagt der Politikwissenschaftler. Die berufliche Karriere führte ihn aber nach Bonn, dann nach Berlin: Im Verteidigungsministerium machte Jürgen Quensell zunächst auf der Hardthöhe sicherheitspolitische Öffentlichkeitsarbeit, leitete bis zu seinem Ausscheiden 15 Jahre lang den Besucher- und Rednerdienst des Ministeriums in Berlin. „Hochinteressant, das war angewandte Politikwissenschaft.“

Elternhaus in Rahm renoviert

Seit vier Jahren ist er zurück, hat sein Elternhaus in Rahm renoviert und nimmt seither im Ortsverband Großenbaum/Rahm wieder Anteil am Geschehen in der CDU, der er seit 1972 angehört. „Ich bin einer vom alten Schlag, ein Anhänger der sozialen Marktwirtschaft Ludwig Erhards. Die Politik muss dafür sorgen, dass auch die Ärmsten klarkommen“, beschreibt Quensell seinen politischen Kompass. In der Stadtpolitik müsse die CDU „klare konservative Kante zeigen, sonst macht es die AfD“, warnt er.

Der aktuelle Zustand der Partei missfällt ihm. „Wer hat dieser Truppe erlaubt, mein Erbe so zu behandeln“, sagt er über den Vorstand, „man versucht, eine große Partei ganz klein zu machen“. Den Anstoß habe die Kür des parteilosen Gerhard Meyer zum Kandidaten für die Oberbürgermeister-Wahl gegeben. „Das lief ohne Beteiligung der Parteibasis. Eine Vorstellung in den Ortsverbänden wäre doch das Wenigste gewesen“, findet Quensell.

Unmut im Ortsverband

Bei der Versammlung seines Ortsverbandes sei viel Umut laut geworden. „Wer was ändern will, muss handeln“, sagt der Rahmer. Mit einer Gegenstimme begrüßte die Versammlung seine Bereitschaft zur Kandidatur beim Kreisparteitag. Gerade eine Stunde sei dort für Meyers Nominierung vorgesehen, kritisiert er: „Viel zu wenig. Das erinnert mich an Weißrussland.“

Der CDU-Vorsitzende Thomas Mahlberg.
Der CDU-Vorsitzende Thomas Mahlberg.© Zoltan Leskovar

Dabei, so betont er, richte sich sein Unmut nicht gegen den Kandidaten („Ich kenne ihn gar nicht.“) sondern gegen die Parteispitze: „Warum kandidiert denn Thomas Mahlberg nicht, oder Petra Vogt. Die CDU meldet doch Bankrott an.“

Seither spüre er viel Zustimmung bei der Parteibasis, als „gemischt“ beschreibt er die Resonanz bei den Spitzen der Ortsverbände. „Man sagt mir, meine Kandidatur käme zur Unzeit“, schmunzelt Quensell. Er spüre, wie das „System Mahlberg“ die Reihen schließt, wie Druck aufgebaut werde. „Da sind viele, die haben Angst.“ Er sehe das sportlich, sagt der Rahmer: „Und wenn ich nur meine eigene Stimme bekomme, dann ist das so.“

Was, wenn er doch gewählt wird? „Dann unterbreche ich den Parteitag für drei Wochen und suche mir zunächst ein neues Vorstandsteam.“ Paradox: Als Kreisvorsitzender müsste er dann für seinen Vorgänger Thomas Mahlberg den Bundestagswahlkampf organisieren. „Kein Problem“, betont Jürgen Quensell. „Dazu bin ich viel zu sehr Parteisoldat.“

>> KANDIDATEN WERDEN GEKÜRT

Zu zwei Versammlungen treffen sich die Delegierten der CDU-Ortsvereine am kommenden Freitag, 30. Juni, ab 18 Uhr im Steinhof in Huckingen. Ab 18 Uhr wird zunächst der Kandidat für die OB-Wahl bestimmt, um 19 Uhr beginnt der Kreisparteitag.

Als Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl will die Duisburger CDU den parteilosen Gerhard Meyer ins Rennen schicken. Junges Duisburg und Bürgerlich-Liberale kündigen an, die Kandidatur des ehemaligen Stadtwerke-Betriebsrats zu unterstützen.