Duisburg. . Über 67.000 Duisburger sind nach dem neuen Schuldner-Atlas 2016 in argen Finanznöten. Duisburg landet auf Platz 392 von 403 Kommunen.

  • Duisburg ist unter den Großstädten über 400 000 Einwohnern die Stadt mit den meisten Verschuldeten
  • Im Stadtteil Laar ist die Quote am höchsten, in vielen Stadtteilen liegt sie weit über 20 Prozent
  • Die Zahlen überraschen die Awo-Schuldnerberatung nicht. Sie setzt auch auf Prävention in Schulen

Die Stadtkarte ist meist dunkelrot gefärbt: Im aktuellen Schuldneratlas des Inkassounternehmens Creditreform gehört Duisburg zu den Städten mit der höchsten Schuldnerquote in Deutschland, also mit Menschen, die überschuldet sind. Nach der am Donnerstag veröffentlichen Statistik sind 67 552 Duisburger Personen derart in Finanznöten, dass sie ihre Schulden nicht abbezahlen können.

Dirk Franke, Leiter der Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt Awo, überrascht das nicht: „Duisburg ist seit Jahren an dem traurigen Rekord beteiligt. Es zeichnet sich auch keine Entspannung ab.“ In der Tat, nach dem Schuldneratlas 2016 ist die Quote der betroffenen Duisburger auch weiter gestiegen: von 16,20 auf 16,64 Prozent. Seit Jahren klettert die Quote ungebremst.

!Duisburg ist oft rot eingefärbt, weil die Schuldnerquote hoch ist.
!Duisburg ist oft rot eingefärbt, weil die Schuldnerquote hoch ist.

In der Übersicht von 403 Kommunen landet Duisburg auf Rang 392. Auf den letzten drei Plätzen der Städte mit über 400 000 Einwohnern über 18 Jahren sind drei Ruhrgebietsstädte zu finden, die zudem allesamt Anstiege der Überschuldungsquote aufweisen. Neben Duisburg sind das Dortmund (14,46 %) und Essen (13,59 %). Noch höhere Quoten im Ruhrgebiet weisen Herne (17,61 %) und Gelsenkirchen (17,67 %) auf. Mit dem Stadtteil Laar und einer Quote von 27,77 Prozent weist Duisburg nach einen Dortmunder Viertel den höchsten Wert aus. Dramatisch hoch sind auch die Zahlen im Dellviertel (24,75), in Beeck (23,57) und in Mittelmeiderich (23,46). Auch in Neuenkamp, in Fahrn und in Friemersheim liegen die Werte über 20 Prozent. Dazu kennzeichnet das Gefälle zu weniger belasteten Stadtvierteln den Schuldneratlas der Creditreform. So haben beispielsweise in Baerl nur 5,99 Prozent der über 18-Jährigen Schuldenprobleme. Auch in Essen und Dortmund klafft die Schere zwischen Arm und Reich besonders weit auseinander.

Hauptgrund für Schulden ist Arbeitslosigkeit

Als Hauptgründe für Überschuldung nennt die Creditreform die „Big Five“: Arbeitslosigkeit ist mit 18,7 Prozent der häufigste Grund, gefolgt von Krankheit, Sucht, Unfall sowie Trennung, Scheidung, Tod. Dazu kommen unwirtschaftliche Haushaltsführung und gescheiterte Selbstständigkeit. Das Inkasso-Unternehmen registriert zudem, dass es immer mehr „harte Überschuldungen“ mit juristischen Folgen gibt. An Brisanz gewinnt danach auch die Altersüberschuldung. Laut Creditreform muss vor allem die Prävention ausgeweitet werden, damit Betroffene erst gar nicht in die Schuldenfalle geraten.

Prävention schon in den Schulen

Schuldnerberater Dirk Franke sieht eine große Grauzone.
Schuldnerberater Dirk Franke sieht eine große Grauzone. © Geinowski.Friedhelm

Dies hält auch Schuldnerberater Dirk Franke für wichtig. Deshalb gehen die Duisburger Träger der Schuldnerberatung auch regelmäßig in die Schulen und informieren Kinder ab den 7. Klassen. Selbst in Grundschulen sind sie unterwegs. Ein Thema mit steigender Bedeutung: Die Gefahren, die im Internet drohen, wo zu schnell, zu leicht Käufe getätigt werden können. Zielgruppe sind auch zum Beispiel die 18-Jährigen, die verlockende Handyverträge abschließen und dann die Kosten nicht mehr im Blick haben.

Auch interessant

Über 67 000 Verschuldete: Das liest sich schon gewaltig. Doch Franke sieht eine noch größere Zahl. Denn oft sind es Familien mit Kindern, die in Finanznöten stecken, so dass nicht nur der statistisch erfasste Schuldner betroffen ist: „Die Grauzone ist also noch viel größer“, meint Franke. Dass Duisburgs hohe Arbeitslosenquote auch die Schuldnerquote hochtreibt, ist offensichtlich. Aber auch Niedriglöhne oder der Wegfall von Überstunden oder Zulagen können nach seinen Erfahrungen schnell zum Kollaps der Haushaltskasse führen. Zudem: Oft dreht sich die Schuldenspirale immer schneller, wenn aus 20 000 Euro Forderungen zu Beginn mit Mahnungen und Eintreiber-Kosten die Summe z.B. auf 60 000 Euro anschwillt, so Franke. Auch das neue Privatinsolvenzverfahren helfe nur bedingt: „Das ist ein steiniger Weg.“

Schuldnerberatung auch in den Stadtteilen

In Duisburg bieten mehrere Träger Schuldnerberatung an, teils dezentral in den Stadtteilen. Die Awo ist unter der Rufnummer 0203/ 5956 74 zu erreichen, die Caritas unter 0203/ 295929, das Diakonische Werk unter 0203/ 93151-200. Auch die Stadt bietet Beratungen an, ebenso die Verbraucherzentrale, 0203/ 488 011 01.