Tag der Trinkhallen

„Anner Bude“ ist auch in Duisburg ein Stück Heimat

Die Tänzer der „Otumfuo Band“ sorgten mit Musik und Tanz für gute Stimmung. Da störte auch das bisschen Regen zwischendurch nicht.

Die Tänzer der „Otumfuo Band“ sorgten mit Musik und Tanz für gute Stimmung. Da störte auch das bisschen Regen zwischendurch nicht.

Foto: Lars Heidrich

Duisburg.   Tausende Besucher beim „Tag der Trinkhallen“ unterwegs – auf dem Fahrrad, zu Fuß, vor allem aber mit einem Bierchen und einer gemischten Tüte.

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Michael Hollmann hat Stress – ihm rennen die Kunden im wahrsten Sinne die Bude ein. „Bude“ ist im Ruhrgebiet der Fachbegriff für einen Kiosk, bei dem die Kinder sich mit Süßigkeiten versorgen, Erwachsene sich ihr Bierchen kaufen und wo auch sonst so allerlei im Angebot ist. Dabei steht nicht nur der schnelle Einkauf im Mittelpunkt, „anne Bude“ geht es auch um soziale Kontakte. „Der Tag der Trinkhallen“ soll dieses reviertypische Kulturgut in den Fokus rücken. Sechs Buden beteiligten sich an diesem Feiertag im Revier.

Eine der Spielstätten ist der „Kuki“, was nicht weniger als die Abkürzung für Kultkiosk ist. Am Ruhrorter Neumarkt, wo auch schon „Schimmi“ ab und an eine Currywurst verzehrt haben soll, ist mächtig was los. Zur „schön scharfen“ Wurst gibt’s als Zugabe Kabarett mit Kai Magnus Sting, Katinka Buddenkotte und Matthias Reuter. Kuki-Besitzer Hollmann ist zum ersten Mal beim Tag der Trinkhallen dabei. Für ihn ist es „die geilste Veranstaltung im Ruhrgebiet“, auch oder gerade, weil sein Team jede Menge zu tun hat.

Auf der „Oscar Huber“ das Eheversprechen erneuert

Unter das Party-Volk haben sich auch Sigrid Nickel-Bronner und ihr Mann Achim gemischt. Die beiden Moerser sind seit 30 Jahren verheiratet und hatten an diesem Tag auf der „Oscar Huber“ ihr Eheversprechen erneuert. „Wir lieben Ruhrort und das Ruhrgebiet, hier sind wir oft“, schildert Ehefrau Sigrid, warum die ganze Hochzeitsgesellschaft kurzerhand an Michael Hollmanns Kiosk weiterfeiert.

Günter Bänker ist mit seiner Fahrradgruppe in Ruhrort. „Wir sind an jedem Wochenende unterwegs“, erklärte Mitfahrerin Vanessa Anglet, die sich am „Blauen Büdchen an der Amtsgerichtsstraße mit einer frischen Waffel stärkt. Organisator Bänker hat passend zum „Tag der Trinkhallen“ eine 50 Kilometer lange Büdchen-Tour durch Duisburg und Oberhausen zusammengestellt. Das „Blaue Büdchen“ ist einer der ältesten Kioske in Duisburg. Dort gibt’s zur Feier des Tages „Poetry-Slam“. Morgens werden die Kunden mit belegten Brötchen und Kaffee versorgt, über Tag bietet die Betreibein das typische Büdchen-Sortiment an und am Abend trifft man sich dort bei einer Flasche Bier. „Hier treffen sich alle, vom Gerichtspräsidenten bis zum Junkie“, so die junge Inhaberin.

Das „Grüne Büdchen“ im Jubiläumshain hat einen ganz anderen Charakter. „Bei uns gibt es auch selbstgebackenen Kuchen oder Torten aus der Konditorei“, erläutert Erdal Durmus. „Hier kommen viele Rentner vorbei, Seniorenheim-Bewohner aber auch Eltern mit Kindern hin.“ Gerade für den Nachwuchs ist die Lage mitten im Park ideal, auch wenn nicht jeden Tag die westafrikanischen Trommler der „Otumfuo Band“ Mädchen wie die kleine Katharina mittrommeln lassen. „Wir haben mittlerweile viele Stammkunden“, freut sich Durmus. Einer seiner Stammkunden ist Herbert Bass. „Ich bin jeden Tag hier, habe immer in der Nähe gewohnt und war schon als Kind ständig im Park“, so der 79-Jährige, der ergänzt: „Das ist für mich hier einfach ein Stück Heimat.“

>>RUHRTOURISMUS ORGANISIERT DEN TAG

2016 fand der erste „Tag der Trinkhallen“ statt. Die Veranstaltung wird von der Ruhr-Tourismus GmbH organisiert und finanziert. Ziel ist, die „Büdchen-Kultur“, die unmittelbar mit dem Ruhrgebiet verbunden ist, in Erinnerung zu rufen.

In Duisburg nahmen 31 Kioske teil, an sechs wurde ein Kulturprogramm geboten.

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