Schule

Alle zwölf Gymnasien in Duisburg kehren zurück zu G9

Die Duisburger Gymnasien kehren zurück zum Abitur nach neun Jahren.

Die Duisburger Gymnasien kehren zurück zum Abitur nach neun Jahren.

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg.  Alle Duisburger Gymnasien kehren zum Abitur nach neun Jahren zurück. Allerdings wird es auch weiterhin die Möglichkeit zu G8 geben.

Die Duisburger Gymnasien kehren geschlossen vom G8-Abitur zurück zur Reifeprüfung nach neun Jahren (G9). Die Entscheidungen hat die Schulkonferenz für jede Schule getroffen. Eine Zwei-Drittel-Mehrheit wäre nötig gewesen, um bei G8 zu bleiben. Über die Entscheidung, ihre Gründe und ihre Folgen haben wir mit Christof Haering gesprochen. Er ist Schulleiter des Landfermann-Gymnasiums und Sprecher der Schulleiter der Duisburger Gymnasien.

Alle kehren zurück zu G9. Hat Sie das überrascht?

Christof Haering: Nein, die Zwei-Drittel-Mehrheit war schon eine hohe Hürde für den Verbleib bei G8. Wenn eine einfache Mehrheit gereicht hätte, wäre es an mancher Schule vielleicht anders ausgegangen. Die Erfahrung, dass es gut möglich ist, das Abitur nach acht Jahren zu machen, gibt es bei vielen Schülern und Eltern. Aber das Wort „Turboabitur“ war ein großes Thema, dass es viel Nachmittagsunterricht und viel Stress bedeutet, ebenfalls. Dabei wird sich die Nachmittagsbelastung auch in G9 zunächst nicht ändern.

Wird es weiter Möglichkeiten der Verkürzung der Schulzeit geben?

Ich vermute, fast alle Gymnasien werden entweder in Gruppen oder sogar in Klassen den G8-Gang anbieten. Es wird verschiedene Modelle geben, möglicherweise auch Kooperationen von Gymnasien.

Die Politik ist auf Initiative von Elternverbänden zurückgekehrt zu G9. Haben Sie Druck gespürt?

Nein, eigentlich nicht. Vom Schulträger hier in Duisburg ohnehin nicht, auch seitens des Ministeriums habe ich nicht den Eindruck gehabt, dass die Entscheidung nicht frei war.

Wie ist denn bei Ihnen der Entscheidungsprozess gelaufen?

Wir haben in zwei Lehrerkonferenzen zunächst das Für und Wider aufgeschrieben, es miteinander diskutiert und dann entschieden. Unsere Entscheidung haben wir dann auch rechtzeitig den Eltern- und Schülervertretern in der Schulkonferenz mitgeteilt. In einer großen Konferenz wurden die Argumente dann ausgetauscht.

Wie war die Tendenz?

Bei uns wollten die Lehrer mehrheitlich zurück zu G9, bei den Eltern und Schülern gab es eine Mehrheit für G8. Das war in vielen Gymnasien so.

Welches ist für Sie das stärkste Argument für die Rückkehr zu G9?

Es ist vielleicht der Zugewinn an Zeit, der uns die Möglichkeit gibt, Themen in einigen Fächern stärker zu vertiefen. Es wird durch G9 wohl weniger Nachmittagsunterricht in der Mittelstufe geben, das gibt den Schülern mehr Raum für außerschulische Aktivitäten. Dabei sagen uns aber etwa die Vereine, dass sie nicht eher anfangen können. Denn viele Gesamtschüler haben erst um 16 Uhr Schluss.

Müssen sich Gymnasien mit Blick auf berufstätige Eltern stärker zu Ganztagsschulen hin entwickeln?

Vielleicht, jedenfalls ist die Über-Mittag-Betreuung wichtig. Man wird sehen, wie viele Ergänzungsstunden es geben wird, um Angebote neben dem Pflichtkanon der Fächer zu entwickeln. Aber letztlich brauchen auch Arbeitsgemeinschaften die nötigen Stunden, wenn sie von Lehrern angeboten werden. Deshalb tun sich viele Schulen schwer damit, solche Angebote zu entwickeln.

Hochschulen beklagen die mangelnde Reife und Studierfähigkeit vieler G8-Abiturienten. Zu Recht?

Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich eine Frage von G8 oder G9 ist. In fast allen europäischen Bundesländern ist das so, auch in den neuen Bundesländern gibt es keine Diskussion über die Rückkehr zu G9. Richtig ist: Früher haben viele ein Auslandsjahr in der Schule eingelegt, jetzt machen das viele nach dem Abitur. Mitunter kann es danach aber zunächst schwierig sein, wieder in den Lernrhythmus zu kommen.

Auch bei G9 sollen talentierte Schüler die Möglichkeit haben, eher ihr Abitur zu machen. Wie kann das gehen?

Indem sie eine Klasse überspringen – da wird man sehen müssen, wann dafür der beste Zeitpunkt ist. Möglich ist auch, dass wir Klassen mit talentierten Schülern bilden – da muss man abwarten, wie groß die Gruppen sein müssen, ob dabei vielleicht mehrere Gymnasien kooperieren können.

Wird das Schulsystem insgesamt durch die Rückkehr zu G9 durchlässiger?

An einigen Stellen wird das so sein. Nicht nur für Seiteneinsteiger, die an die Gymnasien kommen, sondern auch für unsere Schüler, die nach der zehnten Klasse zum Berufskolleg wechseln, wo sie mindestens 16 Jahre alt sein müssen.

Wie wird sich das Landfermann-Gymnasium verändern?

Wir planen einen Tag der Schulentwicklung, der Termin am 25. Februar steht bereits. Da werden wir mit dem Kollegium, den Eltern und den Schülern diskutieren, wie wir die G9-Struktur gemeinsam entwickeln wollen. Es ist gut, dass wir über unser Schulprofil noch einmal neu nachdenken können.

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