Duisburger Philharmoniker

2000 Besucher erleben die Philharmoniker auf der Regattabahn

Der gebürtige Duisburger Benjamin Reiners leitete das Serenadenkonzert, das er mit viel Humor auch moderierte.

Der gebürtige Duisburger Benjamin Reiners leitete das Serenadenkonzert, das er mit viel Humor auch moderierte.

Foto: Fabian Strauch

Duisburg.   Mit einer großen Überraschung endet das stimmungsvolle Serenadenkonzert: Freiwillige Feuerwehr lässt Wasserorgel zu Händels Wassermusik tanzen.

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Mit knapp 2000 Besuchern ausverkauft, Wetterglück, einem mitreißenden Programm und einer großen Überraschung zum Finale eines stimmungsvollen Abends ist das Serenadenkonzert der Duisburger Philharmoniker auf der Regattabahn erfolgreich über die schwimmende Bühne gegangen. „Sie sehen einen glücklichen Intendanten“, sagte Alfred Wendel am Tag nach der gelungenen Premiere, die Monate im Voraus von den Philharmonikern und Duisburg Sport geplant worden war. Hauptrisiko sei zu starker Wind gewesen, so Wendel erleichtert über die perfekten äußeren Bedingungen.

So konnte am Samstag das „heitere Musikfest“ gefeiert werden, das Kulturdezernent Thomas Krützberg angekündigt hatte. „Klassik an der Wedau“ solle sich „dauerhaft etablieren“, wünschte sich Krützberg beim Dank an die Sponsoren und bestätigt vom Beifall des Publikums.

Tags zuvor seien online noch so viele Karten verkauft worden, dass auf eine Abendkasse verzichtet wurde, sagte Wendel. Viele Besucher, die draußen bleiben mussten, blieben dennoch und lauschten dem packenden Programmmix, der von festlichen Barockklängen über sommerlich Romantisches bis hin zu Filmmusik und Musicalhits reichte. Der musikalische Leiter Benjamin Reiners hatte das Publikum bei seiner Rückkehr in seine Duisburger Heimat mit witzigen Moderationen schnell auf seiner Seite.

Auch ein junges Publikum ansprechen

Auch das Orchester habe großen Spaß gehabt, so Wendel. Mit dem Programm habe man auch „ein junges Publikum ansprechen“ wollen. Das ist gelungen, der Rasen wurde der Platz für die Picknick-Decken knapp. „Das wird beim nächsten Mal anders“, verspricht Wendel. Auch die eingeschränkte Sicht von den seitlichen Tribünen soll bei einer neuen Ausgabe verbessert werden. Etwa, indem die Bühne, „die nur an dieser Stelle zu verankern ist“, mit durchsichtigen Folien abgehängt wird.

Gute Sicht für alle soll es beim nächsten Mal auch auf die Wasserorgel geben, mit der die Freiwillige Feuerwehr Lette aus der Nähe von Coesfeld zu Händels „Wassermusik“ für die große Schlussüberraschung sorgte. Bei bester Stimmung feierten noch viele Besucher weiter bei swingendem Jazz eines philharmonischen Quartetts.

Barocker Glanz und „Hair“-Hits 

Mit dem Konzert „Klassik an der Wedau“, bei dem die Duisburger Philharmoniker auf einer schwimmenden Bühne auf der Regattabahn spielte, hat am Samstag Benjamin Reiners, der langjährige Leiter des Jugendorchesters, seine künstlerische Heimkehr gefeiert. Nach dem schwungvoll und markanten musizierten Eröffnungssatz von Robert Schumanns „Rheinischer Sinfonie“ merkt man ihm die Aufregung noch an, schließlich steht er hier mit dem Orchester, das er als Kind und Jugendlicher als Konzert- und Opernbesucher erlebt hat, auf der großen Bühne.

Die Nervosität ist aber schnell abgelegt, und bei seiner Einführung in Tomaso Albinonis Trompeten-Konzert wendet sich Reiners an seine im Publikum sitzenden Eltern, besonders an den Vater, einen „bekennenden Klassikmuffel“: „Also Vatta, am Ende kommt watt Flottes, un ers, wenn ich so mach, darfse klatschen.“ Da hat Reiners die Lacher auf seiner Seite, und das Publikum weiß, dass da ein echter Duisburger am Pult steht.

Für barocken Trompetenglanz sorgt im Albinoni-Konzert Laura Vukobratovic. Verdoppelt wird diese Strahlkraft dann noch in Antonio Vivaldis Konzert für zwei Trompeten, bei dem ihr ebenso virtuoser Schüler Albert Marigo Sarrion mitspielt. „Der Sommer“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, der das ideale Stück für diese Serenade. Zum geschmeidig-vibrierenden Streicherklang des Orchesters spielt Konzertmeister Önder Baloglu mit expressiver Wildheit auf.

Das Orchester beweist an diesem Abend große Vielseitigkeit, wechselt zwischen Barock, Klassik und Romantik, wobei die kleine Besetzung von 40 Musikern nicht in Gewicht fällt, da die Akteure mit Begeisterung aufspielen und auch die Tonmeister sehr gute Arbeit leisten. Mit Sabrina Weckerlin zeigt das Orchester dann auch noch seine Pop- und Musicalkompetenz. Die Sängerin gibt Stücken wie dem lyrischen „Dir gehört mein Herz“ aus „Tarzan“ oder dem rockigen „Age of Aquarius“ aus „Hair“ jeweils die individuelle Färbung.

Tosender Beifall für alle Beteiligten

Benjamin Reiners dirigiert das alles mit entspannter Souveränität. Die Grundlagen seiner Dirigiertechnik und Körpersprache kennt man noch bestens aus seiner Zeit beim Jugendorchester. Seine Schlagtechnik ist klar, gleichzeitig wiegt er sich mit der Musik, und beim swingenden Miss-Marple-Thema tänzelt er federleicht auf dem Podium.

Weil sich an der Regattabahn die Bühne nur am linken Ende verankern lässt und ein Großteil des Publikums seitlich positioniert ist, muss man den Kopf schon sehr drehen, um Zweidrittel des Orchesters in gut 70 Metern Entfernung zu sehen. Das Wasserorgelspektakel zu Händels „Wassermusik“, mit dem das Konzert endet, kann dieser Teil des Publikums nur auf der Leinwand am anderen Ufer sehen.

Am Ende gibt es tosenden Beifall für alle Beteiligten, und die Duisburger Philharmoniker begleiten Sabrina Weckerlin bei der Zugabe „Let the Sunshine in“.

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