Lehmbruck-Museum

100 Meter entlang der Fassade des Lehmbruck-Museums laufen

Museumschefin Söke Dinkla und Karl-Georg Stromberg auf dem Skulpturenhof, auf dem der Aufstieg zum Steg errichtet wird.

Museumschefin Söke Dinkla und Karl-Georg Stromberg auf dem Skulpturenhof, auf dem der Aufstieg zum Steg errichtet wird.

Foto: Fabian Strauch

Duisburg.   Der Steg auf drei bis fünf Metern Höhe ist wichtiger Teil des Jochen-Gerz-Projekts „The Walk – Keine Retrospektive“ für Duisburg.

600 Quadratmeter Glasfassade sind geputzt, Tausende von frisch verzinkten Bauteilen liegen beim Duisburger Gerüstbauer Stromberg bereit. Ab Dienstag oder Mittwoch werden sie innerhalb von zwei Wochen zu dem Steg zusammengebaut, der auf einer Höhe von drei bis fünf Metern 100 Meter rund ums Lehmbruck-Museum führt. Mit seinem Projekt „The Walk – Keine Retrospektive“ macht Jochen Gerz dem Museum „auch eine Liebeserklärung“, wie Direktorin Dr. Sökle Dinkla sagt.

Der Künstler, der sich seit 15 Jahren weigert, Museumsausstellungen zu machen, stellt das Museum aus: „Als Skulptur und als unschätzbares Gut“, sagt Dinkla. Und auch als eine Hommage an das Haus, das 1975 seine erste Übersichtsschau zeigte, ein Jahr, bevor er im deutschen Pavillon an der 37. Biennale Venedig teilnahm. „Es war mutig, ein Haus aus Glas auf den Trümmern des Zweiten Weltkriegs zu errichten“, so Gerz. In Museen auszustellen, reizt den 78-jährigen Künstler nicht mehr, darum zeigt er auch „keine Retrospektive“. Er möchte vielmehr das Museum öffnen, ein Anliegen, das auch Söke Dinkla antreibt. Sie habe es stets gereizt, Kunst im öffentlichen Raum zu zeigen, also „direkt zu den Menschen zu gehen“. Jochen Gerz holt mit „The Walk“ die Menschen zum Museum und lädt sie nicht nur dazu ein, seinen autobiografischen Text zu lesen, der in roten Buchstaben an die Fenster geklebt wird, sondern auch dazu, das Museum aus einer ganz neuen Perspektive zu sehen – auch als kulturelle Errungenschaft und Objekt der Bewunderung.

Tausende glänzende Gerüstteile

Bestimmt werde auch der ungewohnte Blick auf die Umgebung des Hauses die Besucher begeistern, sagt Karl-Georg Stromberg, Geschäftsführer des seit 114 Jahren in Duisburg ansässigen Gerüstbauers. Als Kunstfreund und Spezialist für ungewöhnliche Aufträge schwärmte er gestern vom fabrikneuen Glanz der Rundrohre, die die vertikalen Stützen bilden, und der ein bis drei Meter langen Laufstege, die in einer leichten Wellenbewegung entlang der drei Seiten des Gebäudes montiert werden.

Der „schöne Ausbruch aus der Routine“ begeistert den Ingenieur, dessen Unternehmen schon Christos Fässerwand im Gasometer umgesetzt, die Skulptur Rheinorange für den neuen Anstrich eingerüstet oder im Kulturhauptstadtjahr den Treppenaufgang zum A 40-Stillleben gebaut hat. Das war übrigens nötig, weil man in Duisburg nicht ebenerdig auf die Autobahn komme, so Stromberg.

Der Steg sei für ihn auch ein besonderes Projekt, weil diesmal die Idee des Künstlers von einem Architekturbüro geplant worden sei. Der Aufgang wird im Skulpturenhof errichtet, der Steg entlang der großen Glashalle übers Kassenhaus gebaut, dann um die Nordhalle bis zur Fassade an der Düsseldorfer Straße geführt, wo es einen Notausstieg gibt. Besucher laufen also wieder zurück – Bewegung als Erlebnis. Alles „selbstverständlich kindersicher“.

„The Walk regt an, Fragen zu stellen, ermöglicht neues zu lernen und spiegelt nicht die Selbstgewissheit einer Institution“, so Dinkla.

>>DREITEILIGES PROJEKT BIS 5. MAI 2019

Beim Projekt „The Walk – Keine Retrospektive“ verbindet Jochen Gerz drei Elemente: Neben dem Text auf den Scheiben, in dem er in Jahrzehnte-Kapiteln auf sein Leben und Werk zurück blickt, und dem Steg rund ums Haus arbeiten im Museum zwölf Geflüchtete, die anschließend über ihre Erfahrungen schreiben sollen.

Die Ausstellung läuft vom 23. September 2018 bis zum 5. Mai 2019.

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