Kino

Kinderwagen-Kino in Dortmund für Eltern und ihre Babys

Eltern und ihre Babys während der Vorführung. Sie wird einmal monatlich angeboten.

Foto: Jakob Studnar

Eltern und ihre Babys während der Vorführung. Sie wird einmal monatlich angeboten. Foto: Jakob Studnar

Dortmund.   Einmal im Monat ist Kinderwagenkino in der Nordstadt. Die Zuschauer sind begeistert. Aber ein Stammpublikum kann sich nicht entwickeln.

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Man will es den Kinobesuchern ja immer recht nett machen, daher kommt Suse Solbach jetzt mit den Kuscheltieren. Zwölf Bärchen und Häschen legt sie auf eine große grüne Decke zwischen Leinwand und Sperrsitz.

Und gerade geht auch Geschäftsleiter Peter Fotheringham noch schnell in die Knie und klebt die Decke ab, damit nachher im Dunkeln niemand hinschlägt: Eltern in Verfolgung ihrer Krabbelkinder, beispielsweise.

Die grüne Decke ist sozusagen ein roter Teppich

Montagmorgen. Die grüne Decke ist im weitesten Sinn ein roter Teppich, denn im „Sweet Sixteen“ in Dortmund ist wieder Kinderwagenkino: Vorstellung für Eltern und Babys. Es heißt ja auch Licht-Spiel-Haus.

Acht Elternteile und sechs Säuglinge werden es heute sein, „ich freue mich, mal wieder ins Kino zu können“, sagt Leila (39) mit Nora (10 Monate) im Arm. Und auch die nächste Zuschauerin, die hereingetragen wird, entpuppt sich als eine Nora (11 Monate). „Schönen Namen habt ihr da gefunden“, sagt Leila geistesgegenwärtig.

Schweizer Detektivfilm mit hochdeutschen Untertiteln

Wobei: Die Kinder gucken ja gar nicht richtig hin. Es geht um die Eltern. „Wir wollen ihnen ermöglichen, wieder am normalen Kulturleben teilzunehmen“, sagt Fotheringham.

Den Film können die Väter und Mütter selbst mit Mehrheit aus dem aktuellen Angebot des Programmkinos auswählen. Und wer kurzschlüssig gedacht hätte, sie wählten sicher die Weihnachtsgeschichte in der Version der Augsburger Puppenkiste, der liegt falsch.

Sie wählen heute „Aloys“, einem ziemlich abgedrehten Detektivfilm aus der Schweiz mit hochdeutschen Untertiteln und, wie es scheint, einer Botschaft. Es geht halt um die Eltern.

Babys interessieren sich mehr für einander

Das Kino ist: etwas leiser, etwas heller, aber es ist ohne Zweifel Kino. Seltsam auch: Alle erwachsenen Besucher sitzen in der ersten Reihe – nah zu ihren Babys natürlich. Wie soll man da sagen? Ich schau dir in die Augen, Kleines?

Wie sich zügig zeigt, interessieren sich die Kinder mehr für einander und für die Kuscheltiere als für abgedrehte Schweizer Detektive. Großes Kino! Sie krabbeln, krähen auch mal, wollen entschlossen auf den Schoß oder an die Brust.

Beschweren kann man sich schlecht

Aber insgesamt ist es erstaunlich ruhig, so ruhig, dass man das Weingummitüten-Geraschel der Eltern hören kann. Doch wenn ein Säugling losschreit, dann schreien gleich drei. Jetzt vier, jetzt fünf . . . Stört nur hier niemanden. Und beschweren kann man sich schlecht.

Für die meisten Besucher ist es eine Premiere, auch für die Großen, versteht sich: erstes Mal wieder im Kino seit der Geburt. „Das geht ja in einem normalen Kino nicht. Viel zu laut und vom Platz her“, sagt ein Vater.

„Er ist die ganze Zeit gekrabbelt“

Die Zwillinge Fritzi und Tom hingegen sind mit ihren neun Monaten schon alte Hasen, das zweite Mal dabei: Fritzi, erzählt die Mutter Kathi Hollerbach, sei noch nicht so gut zu Fuß. Aber Tom „hatte voll Spaß. Er ist die ganze Zeit über die Decke gekrabbelt und hat sich auf fremde Väter gelegt“.

Geld verdienen lässt sich damit allerdings nicht, auch nicht im „Sweet Sixteen“: 97 Plätze, ein Kino mit Anspruch und ohne öffentliche Förderung, und der Träger ist ein Verein. Deshalb ist Kinderwagenkino auch selten in Deutschland, man findet Angebote in Köln, in Hannover, in Berlin.

Ältere Kinder entwickeln Aufmerksamkeit für den Film

„Es kann sich ja auch kein Stammpublikum bilden. Wenn die Kinder ungefähr ein Jahr sind, kommen die Eltern nicht mehr“, sagt Fotheringham. Der Grund: Die Aufmerksamkeit der Kleinen für den Film wird dann zu groß, und der ist für Erwachsene. Wenngleich natürlich FSK 0.

Zwischendurch ist eine Nora eingeschlafen. So schlecht ist „Aloys“ aber auch wieder nicht.

Vorstellung immer am ersten Montag im Monat

Die Vorstellung ist in der Regel immer am ersten Montag im Monat, also wieder am 2. Januar 2017.

Das Kino gehört zum Kulturzentrum „Depot“ in Dortmund. Normaler Eintritt: Sieben Euro. „Die Babys sind natürlich kostenlos“, sagt Peter Fotheringham leicht verkürzt.

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