WAZ-Medizinforum

Wenn der Schlaganfall passiert, ist Eile geboten

Das WAZ-Medizinforum am Donnerstagabend im Knappschaftskrankenhaus trug den Titel „Herz und Hirn, wenn die Rhythmusstörungen zu Kopf steigen“.

Das WAZ-Medizinforum am Donnerstagabend im Knappschaftskrankenhaus trug den Titel „Herz und Hirn, wenn die Rhythmusstörungen zu Kopf steigen“.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Auf dem 40. WAZ-Medizinforum in Bottrop erfuhren die Gäste Hintergründe, Auslöser und Sofortmaßnahmen bei einem Schlaganfall.

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Mit 180 Besuchern war das Park Café des Knappschaftskrankenhauses bis auf den letzten Platz besetzt. Das 40. Medizinforum der WAZ trug den Titel „Herz und Hirn – Wenn Rhythmusstörungen zu Kopf steigen“. Viele Besucher hatten schon frühere Foren besucht und freuten sich auf die anschaulichen, gut verständlichen Vorträge der Experten.

Dr. Martin Christ, Chefarzt der Kardiologie erklärte anhand einer Präsentation die Funktionsweise des Herzens und kam dann auf das zentrale Thema Vorhofflimmern zu sprechen. An dieser Herzrhythmusstörung leiden in Deutschland etwa 1,8 Millionen Menschen. Über 400.000 kommen jährlich deswegen in eine Klinik.

Vorhofflimmern - eine Störung, an der viele Menschen leiden

Aber wann und wie können diese buchstäblich zu Kopf steigen? Tritt Vorhofflimmern auf, zieht sich das Herz nicht mehr regelmäßig zusammen, es bilden sich Blutgerinnsel, die durch die Blutbahn ins Gehirn gelangen können, wo sie schließlich Gefäße verstopfen. Teile des Gehirns werden dann nicht mehr versorgt es kommt zum Schlaganfall.

Wie kann man einen Schlaganfall erkennen? Darauf gab der leitende Oberarzt der Anästhesie, Stephan Morrosch, Antwort. Die Symptome sind vielfältig, aber um als Laie schnell handeln zu können, ist eine Faustregel hilfreich. Treten folgende drei Phänomene auf, ist Eile geboten: Gesichtslähmungen, asymmetrische Armbewegung und Sprachstörungen. International werden diese Leitsymptome zusammengefasst unter der Abkürzung F.A.S.T. Das ist nicht nur das englische Wort für „schnell“, es steht auch für F (Face = Gesicht), A (Arm), S (Speech = Sprache) und T (Time = Zeit).

Ohne zögern den Notruf 112 absetzen

Und was ist dann zu tun? Das erste und wichtigste ist es, den Notruf 112 abzusetzen. Danach wird Erste Hilfe geleistet, bis der Notarzt kommt. Der bringt den Patienten auf schnellstem Weg in die Klinik, wo ein umfangreiches Behandlungsprogramm einsetzt. Das geschieht auf der so genannten Stroke Unit, der Spezialstation für Schlaganfallpatienten. Bernhard Wallner, Oberarzt der Neurologie, stellte diese Einrichtung vor.

Das Gehirn hat 100 Milliarden Zellen, und pro Sekunde gehen bei einem Schlaganfall 30.000 dieser Zellen verloren. Also: „Time is Brain, Zeit ist Hirn“, unterstrich Wallner. Auf der Stroke Unit kommen viele Professionen zusammen: Ärzte, Pflegekräfte, Therapeuten, Neuropsychologen und setzen sich als Team für die Patienten ein.

Ein Netzwerk stellt die Versorgung großräumig sicher

„Aber Teamwork wird auch zwischen den Kliniken im Ruhrgebiet großgeschrieben,“ erläuterte Dr. Afsaneh Niehuus, leitende Oberärztin der Klinik für Radiologie, als sie über spezielle Ansätze in der Apoplexbehandlung referierte. Das Knappschaftskrankenhaus gehört zum Neurovaskulären Netzwerk Ruhr. Das ist ein ruhrgebietsweites Angebot, welches eine schnellstmögliche Versorgung des Patienten sicherstellt und ihm die Strapazen weiterer Transporte erspart.

Trotz der enormen Informationsfülle erhielten die Gäste ausreichend Gelegenheit, ihre Fragen zu stellen. Da ging es z.B. um Vor- und Nachteile neuer Medikamente. Mehrere Zuhörer beschäftigte die Frage, ob es sinnvoll ist, beim Auftreten akuter Symptome selbst Medikamente einzunehmen. Aber auch Möglichkeiten zur Prävention waren ein Thema. Hilft die vorbeugende Einnahme von Hausmitteln? Und welche Rolle spielen sportliche Aktivitäten? Auf die Fragen gaben die Experten bereitwillig Auskunft, zeitweise standen bis zu drei Ärzte gemeinsam am Mikrofon, weil gleich mehrere Fachgebiete berührt waren.

Eine Grundregel lautet: Zeit ist Hirn

Am Ende bedankten sich die Gäste mit regem Applaus und nutzten den Imbiss, den die Klinik im Anschluss anbot, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Und trotz wirklich spektakulärer Behandlungsmöglichkeiten wie aufgespannten „Schirmen“ in Herzkammern und Absaugmethoden bei Blutgerinnseln ist eines nach diesem Abend allen klar: Für jedermann gilt: F.A.S.T. beachten. Und 112 rufen. Denn Time is Brain!

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