Kirche weicht Wohnprojekt für Behinderte

St. Paul wird abgerissen

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Bottrop.  Für drei neue Wohngebäude soll die vor über zwei Jahren geschlossene Kirche an der Scharfstraße Platz machen. Sie ist die erste Kirche Bottrops, die nach den Gemeindefusionen abgerissen wird.

Herzstück des Bauvorhabens soll eine Art Wohngemeinschaft für behinderte Menschen werden. „Das ist das Konzept der Zukunft“, sagte die Bottroper Immobilienkauffrau Irmtraud Gormann-Ernst in einem WAZ-Gespräch. Sie will das Gelände kaufen und darauf mit Partnern neben den Apartments für behinderte Menschen auch zwei Gebäude mit 24 Seniorenwohungen bauen.

Als Treffpunkt für die Bürger auf dem Eigen und für die Gemeinde rund um die alte Paulskirche wird eine Begegnungsstätte, die Anwohner und Vereine auch tageweise mieten können, in diesen Gebäudekomplex eingegliedert. Die Kaufverträge sind so gut wie unterschriftsreif und die Baupläne mit der Stadtverwaltung besprochen.

„Wir möchten eine soziale Einrichtung bauen, die dem Eigen gut tut“

Einige prägende Elemente der Kirche wollen die Bauherren neu verwenden. So soll die Fenster der Kirche eine polnische Gemeinde bekommen, drei Glaskunstfenster werden womöglich auch die neue Begegnungsstätte schmücken. „Wir möchten möglichst viel, was den Geist der alten Kirche erfahrbar macht, in die Wohnanlage hinein transportieren“, sagte Architekt Ricardo Langer. Auch für das Kreuz aus der Paulskirche sehen die Bauherren einen neuen Platz in der Wohnanlage vor. „Wir möchten auf dem Grundstück der Kirche eine soziale Einrichtung bauen, die dem Eigen gut tut“, sagte Irmtraud Gormann-Ernst, „der Bedarf ist riesig“.

Den fachlichen Rat für das Konzept der der neuartigen Wohngemeinschaft für behinderte Menschen haben sich die Bauherren bei der Arbeiterwohlfahrt (AWo) in Gelsenkirchen geholt. „In dieser Wohngruppe können geistig und körperlich behinderte Menschen gemeinsam leben“, erklärte AWo-Geschäftsführerin Gudrun Wischnewski, „jeder wohnt aber im eigenen Apartment“. Wenn sie es wünschen, könnten sich die Bewohner aber in einem Gemeinschaftsraum treffen.

Es gebe Menschen, die wegen ihrer Behinderung nicht allein leben können und in Heimen betreut werden, andere Menschen mit Behinderungen wiederum wohnten selbstständig in ihren Wohnungen. Die neuen Apartments auf dem Eigen, erklärte Gudrun Wischnewski, „sind da ein Zwischending“. Darin könnten Bewohner ohne jede Hilfe, aber auch Mieter mit einem gewissen Bedarf an Betreuungsdiensten wohnen. „Falls sie Betreuung wollen, haben sie jedoch völlig freie Wahl“, betont Bauherrin Irmtraud Gormann-Ernst. Zu ihnen können dann Mitarbeiter des Caritasverbandes, wie des Diakonischen Werks, der Arbeiterwohlfahrt oder jedes anderen Anbieters kommen.

Für die Bewohner in den neuen Seniorenwohnungen gilt dies ohnehin. Sie können beim Anbieter ihrer Wahl auf die ganze Service-Palette für ältere Menschen zurückgreifen. Das heißt zum Beispiel, Senioren können sich Menüs bringen und im Haushalt helfen lassen.

Die meisten Wohnungen werden mit Hilfe öffentlicher Gelder gebaut, aber die Bauherren sehen im mittleren Wohnkomplex auch eine Etage mit frei finanzierten Wohnungen vor. „Es ist ja gut möglich, dass zum Beispiel die Familien einiger der Bewohner mit Behinderungen in der Nähe ihrer Angehörigen wohnen möchten. Es steht ja aber nicht jedem eine öffentlich geförderte Wohnung zu, deshalb bieten wir als Alternative auch frei beziehbare an“, sagte Architekt Langer.

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