Prozess

Richterin gestorben: Prozess um Silvester-Amokfahrt geplatzt

Jutta Wendrich-Rosch leitete seit Jahrzehnten Strafverfahren am Landgericht Essen.

Jutta Wendrich-Rosch leitete seit Jahrzehnten Strafverfahren am Landgericht Essen.

Foto: MÜLLER, Oliver / WAZ FotoPool

Essen/Bottrop  Der Prozess um die Amokfahrt an Silvester in Bottrop und Essen ist geplatzt, weil die Vorsitzende Richterin überraschend gestorben ist.

Am Landgericht Essen ist der Prozess um die ausländerfeindliche Amokfahrt an Silvester in Bottrop und Essen geplatzt. Die Vorsitzende Richterin Jutta Wendrich-Rosch ist am Dienstag überraschend an einer schweren Krankheit verstorben. Deshalb muss das Verfahren gegen den Amokfahrer Andreas N., der gezielt in Gruppen von Ausländer gefahren war, in neuer Besetzung der Richterbank neu aufgerollt werden.

Jutta Wendrich-Rosch, die als Urgestein des Landgerichtes Essen galt, wurde 58 Jahre alt. Sie war seit fast drei Jahrzehnten im Strafrecht am Essener Gericht aktiv und machte sich durch ihre souveräne Sitzungsführung einen Namen. Obwohl ihre VI. Strafkammer auch harte Strafen verhängte, fand sie selbst bei Konfliktverteidigern Anerkennung. Menschlich und beruflich.

Als Richterin pflegte sie die direkte Art

Aufgewachsen ist sie im Großraum Borbeck, bekannte sich auch gern zu ihren Wurzeln in dem Essener Stadtteil. Ihre direkte Art, bei der sie nie um einen kernigen Spruch verlegen war, kam auch bei Angeklagten in der Regel gut an.

Seit Jahren lebte sie mit ihrem Mann, ebenfalls ein Vorsitzender Richter, im ländlichen Bottroper Stadtteil Kirchhellen. Kinder hatte das Paar nicht. Jutta Wendrich-Rosch war erst vor wenigen Wochen ins Krankenhaus gekommen. Die Nachricht von ihrem Tod hat die Beschäftigten des Gerichtes sichtlich schockiert.

Verfahren muss neu aufgerollt werden

Das Verfahren gegen Andreas N. muss neu aufgerollt werden, weil an der Verhandlung bislang kein Ersatzrichter teilgenommen hatte. Theoretisch könnte diese Verzögerung zwar Auswirkungen auf die vorläufige Unterbringung des Beschuldigten in der geschlossenen Psychiatrie haben. Angesichts des Anklagevorwurfs, versuchter Mord in zwölf Fällen, erwartet aber eigentlich niemand, dass Andreas N. deshalb wieder in Freiheit kommt. Ein neuer Termin für das Verfahren steht noch nicht fest.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben