Kirche und Kita

Kita lehrt Respekt vor Kulturen

Die einen falten die Hände, andere breiten sie aus zum Himmel: Im katholischen Kindergarten St. Matthias betet jedes Kind auf seine Weise.

Die einen falten die Hände, andere breiten sie aus zum Himmel: Im katholischen Kindergarten St. Matthias betet jedes Kind auf seine Weise.

Foto: WAZ FotoPool

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In den Kitas können Kinder vor allem eines machen: nach Herzenslust spielen. Aber da passiert selbstverständlich noch viel mehr. Wenn alles gut geht, lernt der Nachwuchs beim Spiel eine ganze Menge über den Alltag, über unser tagtägliches Miteinander. In der Kita St. Matthias erfahren die Kinder auch noch etwas über einen ganz besonderen Punkt in unserem Miteinander: dem Respekt gegenüber der jeweils anderen Religion.

Denn in dem katholischen Kindergarten in Ebel sind längst nicht alle Kinder katholisch. Aber in St. Matthias lernen alle Kinder: Gott ist weder katholisch, noch evangelisch, noch muslimisch; Gott ist in St. Matthias für alle Kinder da. Der Dialog der Religionen aus Kindersicht.

Der Toaster mit den Gebeten

„Die Unterschiede werden von Kindern schon erkannt“, weiß Rita Heenen, Leiterin der Kita. Schließlich kämen sie alle aus einem Ortsteil, in dem viele Menschen mit Migrationshintergrund leben und ihrer Religion nachgehen.

Im Kindergarten spiegelt sich das wider. „Von den insgesamt 45 Kindern sind etwa 30 Prozent muslimisch, etwa zehn Prozent sind nicht getauft, einige Kinder sind evangelisch und der Großteil der Kinder ist katholisch“, erklärte Rita Heenen. Und sie sagt ganz selbstverständlich: „Wir sind überzeugt, dass Gott nicht sortiert.“

Einmal am Tag, vor dem Mittagessen, sprechen sie -- zur gleichen Zeit, aber jedes Kind auf seine Weise -- mit Gott. Dann beten sie. Welches Gebet dabei gesprochen wird, bestimmen die Kinder. Entweder würfeln sie eins mit dem Gebetswürfel aus oder sie lassen eines aus dem „Gebets-Toaster“ herausspringen. Der funktioniert wie ein normaler Toaster, aber statt einer Brotscheibe hüpft ein Papierbogen mit einem Gebet darauf, heraus.

Die katholischen Kinder machen dann ein Kreuzzeichen, evangelische falten die kleinen Hände, Muslime breiten beide Händchen aus zum Himmel, nicht getaufte Kinder hören aufmerksam zu. Erst dann geht’s los mit dem Mittagessen. Das Gebet, sagt die Erzieherin, gehöre zum täglichen Ritual, auf das die Kinder, auch diejenigen, das von Hause nicht kennen, nicht mehr verzichten wollten.

Und dann erzählt sie von dem Ausflug in den Wald, den alle kürzlich unternommen hätten. Die Kinder hätten vorher einen Reisesegen haben wollen. „Damit der liebe Gott auf uns aufpasst“, ruft ein Junge fröhlich ins Gespräch hinein. Gott ist ganz offensichtlich genauso selbstverständlich in dieser Kita wie die Kinder auch.

Ein offener Umgang mit dem Religiösen

„Dass wir Kinder verschiedener Religionen aufnehmen, ist für uns Teil gelebter Caritas in der Welt“, erklärt Sabine Lethen, Referentin für Religionspädagogik im Kita-Zweckverband des Ruhrbistums. „Jedes katholische Kind muss die Möglichkeit haben, eine katholische Kita zu besuchen, aber wir sind auch da für gesamte Gesellschaft. Das hat bei uns eine lange Tradition.“

Die Geschäftsstelle gibt Anregungen für die gemeinsamen Projektwochen, die die katholischen Erzieherinnen jährlich vorbereiten. „Im Mai hatten wir eine Projektwoche zu Maria“, erzählt Rita Heenen, Leiterin der Kita St. Matthias. Maria spielt in beiden Religionen eine bedeutende Rolle. Für Christen ist sie die Gottesmutter, für Muslime die Gebärerin des Propheten Jesu. Im Jahr davor stand Noah im Mittelpunkt, auch er verbindet Christen und Muslime.

Und die muslimischen Eltern? Zwar sei der Kita-Zweckverband dort der einzige Anbieter, räumt Rita Heenen ein, aber für muslimische Eltern sei das Katholische offensichtlich keine Hürde. „Sie bevorzugen eine ethisch-moralische Richtung“, weiß sie aus den Gesprächen mit ihnen. Und außerdem: Die Kita pflegt einen offenen Umgang, auch mit muslimischen Feiertagen. Zwar könne die Kita beispielsweise nicht selbst zur Feier des Zuckerfestes einladen. „Aber wenn Eltern sagen: Wir haben einen Grund zu feiern und wir laden euch ein, dann feiern wir hier mit allen Kindern Zuckerfest.“

Toleranz gegenüber den Religionen – diesmal mit spielerischer Leichtigkeit.

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