Prozess

Frühere Apothekenmitarbeiterin spricht von Hygienemängeln

Peter Stadtmann, als er noch in Freiheit war.

Peter Stadtmann, als er noch in Freiheit war.

Foto: Heinrich Jung

Essen/Bottrop.   Im Prozess um gepanschte Medikamente gegen den Bottroper Apotheker Peter Stadtmann belastet ihn eine frühere Mitarbeiterin.

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Die Winterpause ist vorbei, das Verfahren gegen den Bottroper Apotheker Stadtmann wird fortgesetzt. Doch wie in den ersten Verhandlungstagen vor dem Landgericht Essen äußert sich der 47-Jährige weiterhin nicht zu den Vorwürfen, er habe aus Geldgier Krebsmedikamente gepanscht und den Patienten die teuren Wirkstoffe in den Chemotherapien vorenthalten.

Dafür redete am Montag eine Mitarbeiterin der Alten Apotheke. Zwar hatten zwei Angestellte ihren Chef bei der Polizei angezeigt und im Verfahren Aussagebereitschaft gezeigt. Andere Mitarbeiter hatten dagegen von ihrem Schweigerecht Gebrauch gemacht, um sich nicht selbst strafrechtlich zu belasten.

Nach zehn Jahren Mitarbeit gekündigt

Die 43 Jahre alte pharmazeutisch-technische Assistentin hatte damit kein Problem. Sie hatte im Sommer 2017 nach zehn Jahren Anstellung gekündigt. Bereitwillig erklärt sie den Grund: „Wegen der aktuell angespannten Situation.“ Offen erzählt sie auch, dass sie „im letzten Jahr meinen Vater an diese Krankheit verloren habe“. Er sei allerdings nicht mit Medikamenten aus der Alten Apotheke behandelt worden. Sie könne aber das Empfinden der betroffenen Patienten nachvollziehen.

Sie erzählt, dass sie selbst gesehen oder von Kollegen gehört habe, dass Peter Stadtmann gegen Hygienevorschriften bei der Herstellung der Chemotherapien verstoßen habe. So habe die Sicherheitsschleuse zum Reinlabor offen gestanden. Stadtmann habe diese Räume, die steril sein sollen, auch in normaler Straßen-. und nicht in der vorgeschriebenen Schutzkleidung betreten. Auch die Arbeitssicherheit sei nicht weiter beachtet worden. Aus ihrer früheren Arbeit in einem Krankenhaus wisse sie, dass man Handschuhe anziehen müsse, wenn man die Medikamente in der Hand halte. Darauf sei in der Alten Apotheke verzichtet worden.

Zeugin: Schweigegebot in der Alten Apotheke

Die 43-Jährige erzählt auch von einem Schweigegebot, das die Mutter des Angeklagten den Mitarbeitern auferlegt habe. Sie hatte nach der Festnahme von Peter Stadtmann die Apotheke wieder übernommen.

Nach der Durchsuchungsaktion der Staatsanwaltschaft habe die Chefin gesagt, die Mitarbeiter sollten bei Fragen angeben, sie wüssten nichts. Ein Anwalt der Nebenklage will wissen, ob die Apothekerin Strafen angekündigt habe, falls jemand doch etwas sage. Die Zeugin verneint das zunächst, legt dann aber nach: „Ich ging davon aus, dass direkt die fristlose Kündigung folgt, wenn jemand doch etwas erzählt.“

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