Aus der Kirche

Erfolgsformat am Sorpesee: Bottroper Konfi-Camp im Sauerland

Einige der 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konfirmandenfreizeit der evangelischen Gemeinden Bottrop und Kirchhellen am idyllischen Sorpesee.

Einige der 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konfirmandenfreizeit der evangelischen Gemeinden Bottrop und Kirchhellen am idyllischen Sorpesee.

Foto: M. bokelmann

Bottrop.  Das Konfi-Camp ist inzwischen ein Erfolgsformat der evangelischen Gemeinde Bottrop. 150 Jugendliche und Erwachsene lebten Kirche einmal anders.

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12 Grad Lufttemperatur, der Himmel ist grau. Es könnte auch Herbst sein, ist aber die Sommerfreizeit der Konfirmanden und Konfirmandinnen aus den Bezirken Altstadt, Eigoy (Eigen und Boy), Fuhlenbrock und Kirchhellen – kurz: das Konfi-Camp. Nach vier Jahren Norderney ist in diesem Jahr erstmals der Sorpesee im ungleich näheren Sauerland das Ziel. Was auf den ersten Blick wie eine Degradierung klingen könnte, entpuppt sich als nahe liegender Glücksgriff – nicht nur, weil die Jugendherberge modern ist und erstklassige Verpflegung garantiert, auch der Sorpesee selbst und die umliegenden Wälder sind einfach ideal.

„Wir wussten nicht, ob dieses Haus Norderney toppen kann, aber wir fühlen uns hier super wohl“, bestätigt Lara Schlüter, Hauptorganisatorin auch des diesjährigen Konfi-Camps. 93 Teilnehmer fahren ab Paul-Gerhard-Kirche in drei Bussen los. Dazu kommen 48 Hauptamtliche und Teamer, die das Camp leiten. Teamer sind übrigens Ex-Konfirmanden, die ehrenamtlich mit zunehmendem Alter immer verantwortungsvollere Leitungsfunktionen übernehmen und so eine Schnittstelle zwischen den Pfarrern und den Jugendlichen bilden.

Tage christlicher Gemeinschaft

Auf der einen Seite wirkt das Konfi-Camp schließlich wie ein Schulausflug, mit allen lärmenden Begleiterscheinungen. Auf der anderen Seite ist es ein wichtiger Teil der Konfirmandenausbildung: „Hier steckt in jeder Faser Kirche drin“, sagt Jugendpfarrer Steffen Riesenberg, der natürlich mit dabei ist. „Wir leben hier von morgens bis abends eine christliche Gemeinschaft. Dabei streichen wir die Freizeit nicht christlich an, sondern bringen unsere Themen wie selbstverständlich ins Gespräch.“ Kirche sei keine Blase, in der alles anders sei, sondern völlig normaler und gegenwärtiger Alltag.

Erfolgsformat der evangelischen Gemeinde

Tatsächlich gibt es einen strammen Plan voller Aktionen. Musik machen, tanzen, wandern, Fußball... Selbst wenn im Alltag das Smartphone die Aufmerksamkeit beherrscht: Im Camp taucht es kaum auf. Stattdessen wagen sich alle auf unsicheres Terrain, singen bei Schlagern mit oder tanzen eine Choreografie. „Wir bieten eine geschützte Freizeitwelt, in der alle mal aus sich heraus gehen können, ohne Sorge zu haben, dass etwas peinlich ist“, sagt Riesenberg. Und es ist ein Zeitfenster, in dem es auch um Respekt, Wertschätzung und Höflichkeit geht. Gespräche darf man morgens gut und gerne mit einem „Guten Morgen“ beginnen. Wer das sprichwörtlich verschläft, wird eben freundlich drauf hingewiesen.

Und danach tanzen 150 Leute auf dem zugehörigen Sportplatz zum Hit der Soca Boys „Follow the Leader“. Selbst hartgesottene Verweigerer haben ein Grinsen auf den Lippen und hüpfen singend mit. Kurz darauf ein Vers aus dem Lukas-Evangelium. Ein Mini-Gottesdienst mit gemeinsamem Gebet. Dazwischen herrscht andächtige Stille. Danach tobt die Meute wieder wie gewohnt.

Statt Opas Schnitzeljagd gibt es ein Schauspiel mit biblischem Ansatz, in dem die unbekanntere Bibelfigur Zachäus in der Sorpesee-Adaption zum windigen Geldeintreiber im Anzug und fetten Goldketten wird. Auch das kann Kirche sein. Nicht bemüht, sondern selbstverständlich unspektakulär.

Großer Aufwand bis alles läuft

Das Konfi-Camp ist ein Erfolgsformat mit hohem Spaßfaktor, an dem in diesem Jahr sechs Pfarrer teilnehmen, plus Erzieherinnen, Sozialarbeiter und andere mehr. Zugleich fordert es auch einen erheblichen Gesamtaufwand, mit dem das Camp schließlich so leichtfüßig daherkommt. Die Planung begann bereits vor einem Jahr. Am Ende wirkt alles selbstverständlich und entspannt. So erleben es die jungen Menschen. So soll es sein.

Mit dem Konfi-Camp begannen die Sommerferien, danach geht es für die Jugendlichen schulfrei weiter. Außerhalb der geschützten Freizeitwelt und in der Hoffnung, dass ein paar Facetten vom Abenteuer am Sorpesee die Zeit überdauern. Und: Pünktlich zur Rückkehr nach Bottrop wird das Wetter auch wieder sommerlich warm.

Mehr zu den Angeboten der evangelischen Gemeinde gibt es auf www.kirchenkreis.og

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