Jubiläumsfestakt

Bottroper bringen die Facetten ihrer Stadt auf die Bühne

Große Stimme, beeindruckendes Orchester:  Elisabeth Otzisk und das Projektorchester der Musikschule.  

Große Stimme, beeindruckendes Orchester:  Elisabeth Otzisk und das Projektorchester der Musikschule.  

Foto: Michael Korte

Bottrop.  Sie sind Laien, sie sind Profis, sie kommen aus Bottrop: Ihre Auftritte beim Festakt zum Stadtjubiläum spiegeln vor allem Vielfalt wider.

„Aber für uns bleibst du die Stadt, der manches fehlt, doch vieles hat. Darum bleiben wir bei dir! Bottrop, Bottrop.“ Unter funkigen Rhythmen setzte der All Woman Chor mit seinem Bottrop-Lied den Schlussakkord hinter einen Festakt, der buchstäblich von Bottropern für Bottroper gemacht worden ist. Mit ihren künstlerischen, heiteren, besinnlichen, kritischen Beiträgen zeichneten die Bühnenakteure das Bild einer facettenreichen Stadt, die in diesem Jahr die Übertragung der Stadtrechte vor 100 Jahren feiert. Viele Feste gab es schon; den Höhepunkt freilich setzte der Festakt am Donnerstagabend im Lichthof des Berufskollegs.

Bei Dr. Stratmann wird Bottropsch gesprochen

Wenn Kabarettist Dr. Ludger Stratmann all seine kränkelnden Bekannten vom Eigen, aus der Boy oder der Prosperstraße zu Wort kommen lässt, dann wird Bottropsch gesprochen. „Nicht dass der Bottroper die Fälle nicht kennt, er setzt sie nur nach dem Zufallsprinzip ein“, klärt Stratmann auf, bevor er in der Rolle des „Jupp“ die Aufenthalte seiner Kumpels am

Tresen und in der Kur nachzeichnet. Urkomisch, grotesk, liebevoll, vertraut. 600 geladene Gäste biegen sich vor Lachen.

Die 14-jährige Katharina Heete geht erst einmal auf Distanz zu dieser Stadt. Die „Poetry-Slammerin“ würde manchmal am liebsten ihre Sachen packen. „Bottrop muss noch viel machen, damit man bleiben mag.“ Und dann wird sie doch wieder versöhnlich: „Bochum kann jeder. Aber Bottrop muss man wollen!“

Ein paar Wochen lang gab es die Gelegenheit, als Bürger seine Meinung über Bottrop in einem Satz in eine Kamera zu sprechen. Der Zusammenschnitt auf der Großleinwand ging zu Herzen, denn den meisten ist ihre Stadt eine Herzensangelegenheit. Zwei Beiträge hatten die Lacher auf ihrer Seite: „Das Schönste an Bottrop ist der Bus nach Kirchhellen“ und „Bottrop! Woanders ist auch Scheiße.“

Drei betagte Bottroper Damen

Das löste auch bei den beiden 100-jährigen Bottroperinnen Heiterkeit aus, die als Ehrengäste im Publikum saßen und denen der Oberbürgermeister zwei stattliche Blumensträuße brachte. Eine weitere betagte Dame, Anna Eichmann (101 Jahre), wandte sich zu Beginn mit einer Video-Botschaft an die Gäste: „Ich wünsche allen, die heute zusammen sind, einen schönen Abend.“

Den dürften die Besucher gehabt haben, und die meisten dürften beeindruckt gewesen sein über das hohe Niveau, mit

dem das Projektorchester der Musikschule den Abend begleitete, wie die Tänzerinnen (plus ein Tänzer) der Ballettschule Zurhausen ein eindrucksvolles Porträt der Stadt mit dem Titel „Empathie“ auf die Bretter brachten. Und dann natürlich die Jazz-Profis Theo Jörgensmann, Ralf Bazzanella und Roland Miosga mit einer wundervollen Interpretation des Steigerlieds, das zum Auftakt der Ruhrkohle-Chor ganz traditionell und zum Mitsingen angestimmt hatte. Mit großer Stimme stand wieder einmal Elisabeth Otzisk auf der Bühne. Nicht zu vergessen der Projektchor der Arbeitsgemeinschaft Bottroper Chöre und natürlich der All Woman Chor.

Bernd Tischler richtet den Blick nach vorn

Machten die Aufführungen immer wieder einmal Anleihen an den Bergbau, und sprach auch NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach davon, wie „diese Stadt auf Kohle gebaut wurde“, so ging OB Bernd Tischler in seiner Festrede darauf nur noch am Rande ein. Sein Blick wandte sich nach vorn, er sprach von der Zukunftsstadt Bottrop. Und dafür brachte er ein ganzes Bündel von Aktivitäten, Kooperationen, Investitionen vor, die bereits getan wurden, unterwegs oder absehbar sind. „Lasst uns den Weg des Wandels entschlossen weitergehen“, rief der den Gästen zu.

Die sind noch zu Sekt und Imbiss im Außenbereich eingeladen, als nach zwei Stunden das Licht im Saal wieder an geht.

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