Stadtgeschichte

Auch Fackelzüge konnten die Zeche Rheinbaben nicht retten

Sämtliche Proteste und Demonstrationen der Bergleute waren vergebens, ihre Zeche wurde dicht gemacht.

Sämtliche Proteste und Demonstrationen der Bergleute waren vergebens, ihre Zeche wurde dicht gemacht.

Foto: WAZ-Archiv

Bottrop.   Vor 50 Jahren wurde das Bergwerk auf dem Eigen geschlossen. 2200 Bergleute mussten auf anderen Zechen im Ruhrgebiet unterkommen.

Der Entschluss, die Verbundanlage Rheinbaben/Möllerschächte zu schließen, war in Herne gefallen. Schnell formierten sich in Bottrop Protestzüge: Fackeln und Transparente mit der Rücktrittsforderung an Minister Kienbaum wurden organisiert. Das nutzte aber alles nichts, denn am 31. März 1967, vor 50 Jahren, kam das überraschende Aus für die Anlage in den beiden Städten Bottrop und Gladbeck.

Die Geschichte des Pütts reicht bis in das Jahr 1898 zurück, als man am rechten Ufer der Boye, im Bereich der Grubenfelder „Professor“, zwei Schächte niederbrachte.

Grubenbetrieb seit 1902

1902 konnte hier bereits der Grubenbetrieb mit über 600 Kumpel aufgenommen werden. Bis 1913 stieg die Zahl der Mitarbeiter auf über 7000 an. In diesem Jahr wurde auf dem Pütt im Eigen auch die Höchstförderung von 1,3 Millionen Tonnen Kohle erreicht.

Später durchlebte die Anlage Rheinbaben/Möllerschächte eine wechselvolle Geschichte. 1935 kam das Verbundwerk schließlich zur in Herne ansässigen Bergwerksgesellschaft Hibernia. Und das Jahr 1966 ging als Jahr der großen Zechenschließungen an der Ruhr in die Geschichte ein.

Jahr des großen Zechensterbens an der Ruhr

Es erwischte unter anderem die bekannten Zechen Bismarck und Dahlbusch in Gelsenkirchen, die Zeche Wolfsbank in Essen und die Zeche Rosenblumendelle in Mülheim. Am 18. November dieses „schwarzen Jahres“ fiel bei der Hibernia AG die folgenschwere Entscheidung zur Schließung der Großanlage, die 1870 unter dem Namen „Konsolitation/Professor“ zunächst in Gladbeck begonnen hatte.

Im Stilllegungsjahr waren noch 2200 Bergmänner auf Rheinbaben beschäftigt, die Förderung lag bei 900 000 Jahrestonnen. Vor allem Betriebsratsvorsitzender Klemens Kraienhorst hatte damals Schwerstarbeit zu leisten. Der ehemalige Landtagsabgeordnete und damalige Ratsherr (DKP) konnte aber wohl eine Massenentlassung verhindern, denn 1900 Kumpel erhielten 1967 Arbeitsplätze auf anderen Zechen zugewiesen, nur 250 Eigener lehnten damals ein Verlegungsangebot ab.

Vorlage für ein Buch

Später sorgte die Schließung des Pütts deutschlandsweit für Furore, denn Erika Runge gab ein Buch heraus, das später auch verfilmt wurde, die sogenannten „Bottroper Protokolle“. Acht Betroffene standen damals der Autorin und Filmemacherin Rede und Antwort. Mit dabei: Betriebsrat Klemens Kraienhorst und Pfarrer Johannes Lütkenhaus, der noch ein paar Jahre zuvor auf dem Pütt eine neue Barbarastatue eingesegnet hatte.

An den Pütt erinnern heute nur noch Teile der Zechenmauer aus roten Backsteinen, ein Torhaus und ein Maschinengebäude.

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