Der Wolf im Kirchhellener Gebiet erhitzt und entzweit nach wie vor die Gemüter. Nachdem kürzlich ein Shetland-Pony auf einer Weide in Kirchhellen laut behördlicher Untersuchung von einem Wolf gerissen wurde - die Halter sprachen dagegen von zwei Wölfen -, gehen die Meinungen auch in der Leserschaft zum Schutz von Wolf und Haustieren auseinande r. Drei Lesermeinungen, auch als Reaktion auf Äußerungen von Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder in dieser Zeitung, zeigen das deutlich.
Wolf steht für intakten Wald
Leserin Brita Westerholz schreibt: „Im WAZ-Bericht ,Wolfsangriffe: Wegsperren ist keine Lösung’ vom 13. November lässt Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder bedauerlicherweise das Märchen vom bösen Wolf wieder aufleben. ,Rotkäppchen’ darf nicht mehr unbeschwert in den Wald, Ponys nicht mehr auf die Weide. Mich ärgert, dass ein Kommunalpolitiker seines Formats offensichtlich nicht über notwendiges Sachwissen verfügt. Es ist doch vielmehr nachweislich so: Wölfe haben Angst vor Menschen. Sie greifen nicht an, sie fliehen. Weidetiere können durch geeignete Zäune, Herdenschutzhunde oder nächtliche Einstallung gut geschützt werden. Das zeigen die Erfahrungen. Tierhalter werden für Wolfsrisse vom Land NRW entschädigt. Der Wolf steht nach internationalem und nationalem Recht unter strengem Schutz.

Es gibt eindeutige Bestimmungen zum Umgang mit verhaltensauffälligen Wölfen. Alle Entscheidungen dazu trifft das Land NRW, kein Landkreis und keine Kommune. Das ist klar geregelt. Bei der deutschen Bevölkerung erfährt Isegrim eine hohe Akzeptanz. ,Wölfe gehören in unsere Landschaft, wie z. B. Füchse, Rehe und Biber auch’ – 80 Prozent der Befragten stimmen nach einer repräsentativen Forsa-Studie diesem Statement zu. Die Rückkehr des Wolfes ist einer der größten Erfolge des Naturschutzes. Ich frage mich, warum Kommunalpolitiker vor diesem Hintergrund nicht stolz darauf sind, dass der Wolf gerade in ihrem Sprengel wieder läuft, denn das spricht für einen großen, relativ intakten Wald. Ich bin es jedenfalls – und ich weiß mich mit sehr vielen Wählerinnen und Wählern in Kirchhellen dazu einig.“
Kein Verständnis für Weidetiere ohne Schutz
Leser Bernd Rehfäuter dazu: „Der Artikel ,Wolfsangriffe: Wegsperren ist keine Lösung’ macht deutlich, dass der Bezirksbürgermeister von Kirchhellen, Herr Schnieder, die Ansicht des NABU Bottrop zur Tierhaltung unter den Bedingungen der heimischen Wolfspopulation falsch interpretiert. Das ,Wegsperren von Tieren, die naturgemäß nicht in Ställen gehalten werden, …’ wird vom NABU selbstverständlich nicht verlangt, sondern dessen Ablehnung gehört bekanntermaßen zu seinen Kernforderungen. Hier unterscheiden sich die Meinungen nicht.
Weil Naturschützern das Tierwohl von Haus- und von Wildtieren aber gleichermaßen am Herzen liegt, sind wir zusätzlich der Meinung, dass es für fürsorgliche und verantwortungsvolle Tierhalter selbstverständlich sein sollte, ihre Tiere in der Nacht (!) in einem sicheren Stall zu schützen, wenn es wegen eines schützenswerten Wolfsvorkommens offensichtlich erforderlich ist. Wenig Verständnis besteht daher dafür, dass auch jetzt noch, drei Jahre nachdem sich der erste Wolf wieder in der Umgebung Bottrops angesiedelt hat, manche Schafe, Ponys und andere Weidetiere immer noch ohne jeglichen Schutz auch nachts im Freien gehalten und Wolfsangriffe auf diese Weise provoziert werden. Es ist nach meiner Meinung nicht gerechtfertigt, solche Versäumnisse dem Wildtier Wolf anzulasten. Eine Charakterisierung als Problemwolf ist daher sehr fragwürdig.“
Wolfsschutzzaun für 2000 Euro
Zum Thema „Wegsperren“ hat Leser Georg Jansen eine gegenteilige Meinung: „ Irgendwann platzt einem der Kragen. Der NABU-Vorsitzende Herr Voßschmidt hat vor drei Wochen in einem Zeitungsartikel behauptet, dass die zwei Schafrisse an der Hiesfelder Straße vom 30. Juli und an gleicher Stelle am 17. August nur hätten stattfinden können, weil ,Schutzmaßnahmen jedoch vollständig fehlten’. Daraufhin habe ich Herrn Voßschmidt eingeladen sich persönlich ein Bild von dem fast 2000 Euro teuren Wolfsschutzzaun zu machen, der im Frühjahr von vier Mitarbeitern der Bezirksregierung als wolfssicher abgenommen worden war und unter 10000 Volt Strom stand.
Die Darstellung (des Nabu, Anm. d. Redaktion) in dieser Zeitung war komplett falsch und auf eine Klarstellung vom Nabu warte ich bis heute. Im Gespräch vor Ort haben wir dann auch über die nächtliche Aufstallung gesprochen, die er jetzt im Zeitungsartikel vom 10. November gefordert hat. Hierbei habe ich versucht, zu erklären, dass Landschafe (Ich züchte weiße gehörnte Heidschnucken) seit Jahrhunderten tagein tagaus draußen auf den Weiden bleiben und sich dort wohl fühlen und dies artgerecht ist. Ich hatte geglaubt, dass er dies als NABU-Chef, dem das Wohl aller Tiere ein Anliegen sein sollte, verstanden hätte. Im erwähnten Artikel hat er nun aber gefordert alle Weidetiere nachts einzusperren. Dies sind in Kirchhellen bestimmt mehrere hundert Tiere. Das ist völlig sinnfrei für zwei Wölfe (Gloria und ihr Bruder), die sich nicht artgerecht verhalten, über vom Steuerzahler teuer bezahlte wolfssichere Zäune springen und Schafe reißen und jetzt auch vor Pferden keinen Halt machen . Bitte beim nächsten Mal besser recherchieren, dann Nachdenken und sich dann in der Zeitung äußern.“


